Bezahlen für digitale Inhalte?

22. Oktober 2014- aktualisiert: 29. Dezember 2019 Bloggen6.2 min read 28 Kommentare

Kürzlich ertappte ich mich dabei, wie ich durch den AppStore scrollte und mir dachte: 1,59€ für eine App? – Ganz schön teuer. 
Am gleichen Tag war ich mittags mit den Kollegen essen (was wir fast täglich machen) und habe für mein übliches Tofu und Gemüse in Currysoße mit Reis plus einer Coke Zero irgendwas um die acht Euro bezahlt. Oder neun. So genau wusste ich das nicht mehr – der eine Euro.

Ach was.

Offensichtlich wende ich bei digitalen Inhalten ein anderes Wertesystem an… obwohl ich von dieser App höchstwahrscheinlich deutlich mehr und länger etwas habe als von einer Cola zum Mittagessen.
Über dieses Paradoxon habe ich mich dann mit mehreren Leuten unterhalten – und offensichtlich geht uns da allen ähnlich. Interessant, oder? Und Grund genug, da mal ein bisschen näher hinzugucken. 🙂

Von eBooks und der Ewigkeit

Neulich habe ich mir ein dickes Buch über Google Analytics gekauft (Ende des Monats stelle ich es dir beim “Gelesen im…”-Beitrag näher vor). Für 39,90 € habe ich da 679 Seiten bekommen und, ich habe es auf der Küchenwaage überprüft, satte 1,45kg. Da ich in erster Linie in der Bahn lese, ist das unpraktisch. Sau-unpraktisch.

Ein eBook wäre komfortabler… aber hätte ich dafür das Gleiche bezahlt? Vermutlich nicht. Und warum? Der Inhalt wäre der selbe gewesen, und um den geht es doch. Ich hätte sogar einen zusätzlichen Vorteil gehabt, nämlich dass ich nicht so viel mit mir herumschleppen muss.
Aber ist so ein eBook ja nichts “Handfestes”. Man weiß ja nicht, ob das Format in 10 Jahren überhaupt noch gelesen werden kann. In 10 Jahren, ein Buch über Google Analytics, srsly? Das wäre dann doch eh hoffnungslos veraltet.

Erst vor ein paar Wochen habe ich bei meinen Fachbüchern ausgemistet und einige tatsächlich weggeworfen. Eigentlich bin ich mit der Einstellung erzogen worden, dass man Bücher auf keinen Fall wegschmeißt. Aber was fange ich denn an mit “Webseiten mit PHP 4 und MySQL 3”? Da kräht kein Hahn mehr nach, aus gutem Grund.

Bei Romanen ist das natürlich etwas anderes, die veralten ja nicht und das angenehme Rascheln beim Umblättern der Seiten, die Haptik, das alles ist mir ja auch lieb und teuer.

Aber in Sachen Fachliteratur habe ich mir vorgenommen, demnächst darauf zu achten, ob es auch eine digitale Ausgabe gibt – die mir genau so viel wert sein sollte.

“Es gibt doch kostenlose Alternativen.”

Nicht zuletzt sind wir es einfach gewohnt, dass im Internet fast alles umsonst zu bekommen ist. Hier muss also ein Umdenken stattfinden – sowohl bei den Machern, als auch bei den Konsumenten.

Vor einiger Zeit hat der Kölner Stadtanzeiger sein Online-Angebot so umgestellt, dass man pro Monat nur noch 7 Artikel kostenlos lesen kann.  Hat man dieses Kontingent ausgeschöpft, bekommt man stattdessen nur noch einen Hinweis angezeigt, dass man doch bitte ein Abo abschließen solle.

Und meine Reaktion? Ich informiere mich jetzt lieber auf anderen Webseiten. Die Qualität der Artikel, die ich vorher lesen konnte, hat mich nämlich schlichtweg nicht überzeugen können. Immer wieder Rechtschreib- und Grammatikfehler, unbeholfene Formulierungen, flache Inhalte – sowas erfüllt einfach nicht meine Ansprüche an eine Zeitung. Demzufolge bin ich auch nicht bereit, dafür zu zahlen (Thomas hingegen hat das digitale Abo abgeschlossen und mosert regelmäßig über dessen Qualität).

Online gibt es weitaus mehr alternative Kanäle als im Printbereich, von denen der größte Teil nach wie vor gratis verfügbar ist. Digitale Produkte müssen sich also gegenüber einer großen Anzahl kostenloser Alternativen  behaupten können und einen Mehrwert liefern – schneller sein, umfassender, besser aufbereitet, was auch immer.

Wenn ein digitales Produkt Geld kostet, muss es deutlich besser sein als die kostenfreien Versionen. Klick um zu Tweeten

Wenn du schon mal mit Photoshop gearbeitet hast und dann plötzlich vor Gimp stehst, weißt du, was ich meine. 😉 Gimp ist kostenlos und kann ziemlich viel, ja. Aber Photoshop ist einfach besser, vereinfacht meinen Workflow immens und deswegen gebe ich dafür auch gerne Geld aus.

Wenn die Qualität stimmt, finde ich es nur fair, auch etwas zu bezahlen. Gerade im Bereich Blogging erhöht Paid Content die Chance, vom Schreiben zumindest ein Stück weit leben zu können – ohne sich nur über Werbung zu finanzieren.

Paid Content – wie sieht die Praxis aus?

Die Trennung zwischen kostenlosen Inhalten und dem Paid Content, wie das Buzzword so schön heißt, ist natürlich nicht schwarz-weiß. Nur wenige Angebote haben eine sogenannte Harte Bezahlschranke eingeführt, bei der man ohne Bezahlung gar nichts mehr sieht.

Weitaus verbreiteter sind verschiedene Abstufungen:

Metered Model

Das Beispiel des Kölner Stadtanzeigers, was ich oben erwähnte, ist ein klassischer Vertreter des sogenannten Metered Models: in einem gewissen Zeitraum, beispielsweise ein Monat, ist eine bestimmte Anzahl von Inhalten frei verfügbar. Den Rest sieht nur, wer zahlt.

Freemium Model

Das kennt man vor allem von Apps: die Grundversion ist kostenlos, dann wird man jedoch andauernd mit Werbung genervt oder kann weitere Features erst gegen Bezahlung nutzen.

LaterPay

Spannend finde ich das Münchener StartUp LaterPay, was drei verschiedene Modelle anbietet:

  • Pay-per-Use: man kauft den Zugang zu einem Artikel, bezahlt aber erst später, wenn man insgesamt einen gewissen Betrag zusammen hat.
  • Free-to-read: der Artikel selber ist kostenlos, auf zusätzliche Inhalte wie etwa Präsentationsfolien erhält man gegen Bezahlung Zugriff.
  • Single Sale: man bezahlt genau den Artikel, den man lesen möchte, ohne direkt ein Abo abschließen zu müssen.

Social Payment: Freiwilliges Bezahlen

Man kann ja auch mal an das Gute im Menschen glauben. 😉 Dienste wie Flattr ermöglichen es, jemandem eine frei wählbare Summe zu schicken – quasi als Dankeschön für die Inhalte, die er frei zur Verfügung stellt. Dahinter steckt der psychologische Ansatz, dass man sich besser fühlt, wenn man nicht nur nimmt, sondern auch gibt.

Wie sieht der Trend aus?

Vor allem bei Apps und der Online-Ausgabe von Zeitungen begegnet man in letzter Zeit immer mehr Premium-Varianten. Eine Übersicht über die Lage auf dem deutschen Zeitungsmarkt gibt das Portal Statista – 76 deutsche Zeitungen haben mittlerweile eine solche Bezahlschranke eingeführt.

Bei Musik, Filmen und Serien hingegen zeichnet sich die Entwicklung ab, dass häufig zu Flatrates gegriffen wird, anstatt gezielt einzelne Produkte regulär zu kaufen.

In der Blogosphäre sind die Flattr-Buttons deutlich weniger geworden. Noch vor zwei, drei Jahren waren diese “Gib mir ein Bier / einen Kaffee aus”-Buttons sehr beliebt. Anscheinend wurden sie aber nur so selten genutzt, dass sie überall wieder ausgebaut wurden.
Dafür setzen sich zusätzliche Blogservices, wie etwa ein eCourse, zögerlich auch hierzulande durch. Mit der wachsenden Professionalisierung in der Blogosphäre, die mit einer Monetarisierung des Bloggens einhergeht, erwarte ich hier eine spannende Entwicklung.

Fazit

Die Einstellung, für qualitative Inhalte auch gerne etwas zu bezahlen, setzt sich in einigen Sparten zunehmend gegen die Billig-Mentalität durch. Gerade im Bereich Blogging und Online-Journalismus bin ich auf die Entwicklung sehr gespannt.

Wie tickst du da?

Kaufst du Musik lieber traditionell auf einer CD oder eher als Download? Und ist dir das gleich viel Geld wert? Wie sieht es bei dir mit eBooks aus und mit den digitalen Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften?
Zögerst du, ehe du Geld für Apps oder andere digitale Inhalte ausgibst?

Zu diesen Themen gibt’s noch mehr Artikel:

Bezahlen für digitale Inhalte?

22. Oktober 2014- aktualisiert: 29. Dezember 2019 Bloggen 28 Kommentare

Kürzlich ertappte ich mich dabei, wie ich durch den AppStore scrollte und mir dachte: 1,59€ für eine App? – Ganz schön teuer. 
Am gleichen Tag war ich mittags mit den Kollegen essen (was wir fast täglich machen) und habe für mein übliches Tofu und Gemüse in Currysoße mit Reis plus einer Coke Zero irgendwas um die acht Euro bezahlt. Oder neun. So genau wusste ich das nicht mehr – der eine Euro.

Ach was.

Offensichtlich wende ich bei digitalen Inhalten ein anderes Wertesystem an… obwohl ich von dieser App höchstwahrscheinlich deutlich mehr und länger etwas habe als von einer Cola zum Mittagessen.
Über dieses Paradoxon habe ich mich dann mit mehreren Leuten unterhalten – und offensichtlich geht uns da allen ähnlich. Interessant, oder? Und Grund genug, da mal ein bisschen näher hinzugucken. 🙂

Von eBooks und der Ewigkeit

Neulich habe ich mir ein dickes Buch über Google Analytics gekauft (Ende des Monats stelle ich es dir beim “Gelesen im…”-Beitrag näher vor). Für 39,90 € habe ich da 679 Seiten bekommen und, ich habe es auf der Küchenwaage überprüft, satte 1,45kg. Da ich in erster Linie in der Bahn lese, ist das unpraktisch. Sau-unpraktisch.

Ein eBook wäre komfortabler… aber hätte ich dafür das Gleiche bezahlt? Vermutlich nicht. Und warum? Der Inhalt wäre der selbe gewesen, und um den geht es doch. Ich hätte sogar einen zusätzlichen Vorteil gehabt, nämlich dass ich nicht so viel mit mir herumschleppen muss.
Aber ist so ein eBook ja nichts “Handfestes”. Man weiß ja nicht, ob das Format in 10 Jahren überhaupt noch gelesen werden kann. In 10 Jahren, ein Buch über Google Analytics, srsly? Das wäre dann doch eh hoffnungslos veraltet.

Erst vor ein paar Wochen habe ich bei meinen Fachbüchern ausgemistet und einige tatsächlich weggeworfen. Eigentlich bin ich mit der Einstellung erzogen worden, dass man Bücher auf keinen Fall wegschmeißt. Aber was fange ich denn an mit “Webseiten mit PHP 4 und MySQL 3”? Da kräht kein Hahn mehr nach, aus gutem Grund.

Bei Romanen ist das natürlich etwas anderes, die veralten ja nicht und das angenehme Rascheln beim Umblättern der Seiten, die Haptik, das alles ist mir ja auch lieb und teuer.

Aber in Sachen Fachliteratur habe ich mir vorgenommen, demnächst darauf zu achten, ob es auch eine digitale Ausgabe gibt – die mir genau so viel wert sein sollte.

“Es gibt doch kostenlose Alternativen.”

Nicht zuletzt sind wir es einfach gewohnt, dass im Internet fast alles umsonst zu bekommen ist. Hier muss also ein Umdenken stattfinden – sowohl bei den Machern, als auch bei den Konsumenten.

Vor einiger Zeit hat der Kölner Stadtanzeiger sein Online-Angebot so umgestellt, dass man pro Monat nur noch 7 Artikel kostenlos lesen kann.  Hat man dieses Kontingent ausgeschöpft, bekommt man stattdessen nur noch einen Hinweis angezeigt, dass man doch bitte ein Abo abschließen solle.

Und meine Reaktion? Ich informiere mich jetzt lieber auf anderen Webseiten. Die Qualität der Artikel, die ich vorher lesen konnte, hat mich nämlich schlichtweg nicht überzeugen können. Immer wieder Rechtschreib- und Grammatikfehler, unbeholfene Formulierungen, flache Inhalte – sowas erfüllt einfach nicht meine Ansprüche an eine Zeitung. Demzufolge bin ich auch nicht bereit, dafür zu zahlen (Thomas hingegen hat das digitale Abo abgeschlossen und mosert regelmäßig über dessen Qualität).

Online gibt es weitaus mehr alternative Kanäle als im Printbereich, von denen der größte Teil nach wie vor gratis verfügbar ist. Digitale Produkte müssen sich also gegenüber einer großen Anzahl kostenloser Alternativen  behaupten können und einen Mehrwert liefern – schneller sein, umfassender, besser aufbereitet, was auch immer.

Wenn ein digitales Produkt Geld kostet, muss es deutlich besser sein als die kostenfreien Versionen. Klick um zu Tweeten

Wenn du schon mal mit Photoshop gearbeitet hast und dann plötzlich vor Gimp stehst, weißt du, was ich meine. 😉 Gimp ist kostenlos und kann ziemlich viel, ja. Aber Photoshop ist einfach besser, vereinfacht meinen Workflow immens und deswegen gebe ich dafür auch gerne Geld aus.

Wenn die Qualität stimmt, finde ich es nur fair, auch etwas zu bezahlen. Gerade im Bereich Blogging erhöht Paid Content die Chance, vom Schreiben zumindest ein Stück weit leben zu können – ohne sich nur über Werbung zu finanzieren.

Paid Content – wie sieht die Praxis aus?

Die Trennung zwischen kostenlosen Inhalten und dem Paid Content, wie das Buzzword so schön heißt, ist natürlich nicht schwarz-weiß. Nur wenige Angebote haben eine sogenannte Harte Bezahlschranke eingeführt, bei der man ohne Bezahlung gar nichts mehr sieht.

Weitaus verbreiteter sind verschiedene Abstufungen:

Metered Model

Das Beispiel des Kölner Stadtanzeigers, was ich oben erwähnte, ist ein klassischer Vertreter des sogenannten Metered Models: in einem gewissen Zeitraum, beispielsweise ein Monat, ist eine bestimmte Anzahl von Inhalten frei verfügbar. Den Rest sieht nur, wer zahlt.

Freemium Model

Das kennt man vor allem von Apps: die Grundversion ist kostenlos, dann wird man jedoch andauernd mit Werbung genervt oder kann weitere Features erst gegen Bezahlung nutzen.

LaterPay

Spannend finde ich das Münchener StartUp LaterPay, was drei verschiedene Modelle anbietet:

  • Pay-per-Use: man kauft den Zugang zu einem Artikel, bezahlt aber erst später, wenn man insgesamt einen gewissen Betrag zusammen hat.
  • Free-to-read: der Artikel selber ist kostenlos, auf zusätzliche Inhalte wie etwa Präsentationsfolien erhält man gegen Bezahlung Zugriff.
  • Single Sale: man bezahlt genau den Artikel, den man lesen möchte, ohne direkt ein Abo abschließen zu müssen.

Social Payment: Freiwilliges Bezahlen

Man kann ja auch mal an das Gute im Menschen glauben. 😉 Dienste wie Flattr ermöglichen es, jemandem eine frei wählbare Summe zu schicken – quasi als Dankeschön für die Inhalte, die er frei zur Verfügung stellt. Dahinter steckt der psychologische Ansatz, dass man sich besser fühlt, wenn man nicht nur nimmt, sondern auch gibt.

Wie sieht der Trend aus?

Vor allem bei Apps und der Online-Ausgabe von Zeitungen begegnet man in letzter Zeit immer mehr Premium-Varianten. Eine Übersicht über die Lage auf dem deutschen Zeitungsmarkt gibt das Portal Statista – 76 deutsche Zeitungen haben mittlerweile eine solche Bezahlschranke eingeführt.

Bei Musik, Filmen und Serien hingegen zeichnet sich die Entwicklung ab, dass häufig zu Flatrates gegriffen wird, anstatt gezielt einzelne Produkte regulär zu kaufen.

In der Blogosphäre sind die Flattr-Buttons deutlich weniger geworden. Noch vor zwei, drei Jahren waren diese “Gib mir ein Bier / einen Kaffee aus”-Buttons sehr beliebt. Anscheinend wurden sie aber nur so selten genutzt, dass sie überall wieder ausgebaut wurden.
Dafür setzen sich zusätzliche Blogservices, wie etwa ein eCourse, zögerlich auch hierzulande durch. Mit der wachsenden Professionalisierung in der Blogosphäre, die mit einer Monetarisierung des Bloggens einhergeht, erwarte ich hier eine spannende Entwicklung.

Fazit

Die Einstellung, für qualitative Inhalte auch gerne etwas zu bezahlen, setzt sich in einigen Sparten zunehmend gegen die Billig-Mentalität durch. Gerade im Bereich Blogging und Online-Journalismus bin ich auf die Entwicklung sehr gespannt.

Wie tickst du da?

Kaufst du Musik lieber traditionell auf einer CD oder eher als Download? Und ist dir das gleich viel Geld wert? Wie sieht es bei dir mit eBooks aus und mit den digitalen Ausgaben von Zeitungen und Zeitschriften?
Zögerst du, ehe du Geld für Apps oder andere digitale Inhalte ausgibst?

Zu diesen Themen gibt’s noch mehr Artikel:

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