Sind Blogger glaubwürdig?

Sind Blogger glaubwürdig?

Ein verregneter Morgen im Januar 2019: Blog-Tutorials ist gerade live gegangen und ich überarbeite peu à peu die alten Beiträge. Manchmal muss ich nur ein paar Verlinkungen aktualisieren und Bilder mit dem neuen Logo hochladen – und manchmal muss ich ganze Passagen neu schreiben. Weil ich mittlerweile anders über das Thema denke. So wie hier.

Drüben auf I need sunshine hat Diana im Oktober 2013 dazu eingeladen, sich Gedanken über Glaubwürdigkeit vs. bezahlte Beiträge zu machen:

Was macht die Glaubwürdigkeit eines Bloggers aus? Leidet diese eurer Meinung nach durch zu viele PR-Samples, Affiliate Links und bezahlte Blogbeiträge wie z.B. Advertorials? Oder hängt euer Vertrauen in einen Blogger von ganz anderen Faktoren ab? Ist es euch egal, ob das Produkt kostenlos zur Verfügung gestellt worden ist oder sinkt dadurch für euch die Glaubwürdigkeit der Review? Findet ihr PR-Samples vielleicht im Gegenteil sogar wichtig, damit ihr viele verschiedene Erfahrungsberichte zu neuen Produkten lesen könnt? Ist es aus eurer Sicht verwerflich, wenn jemand mit seinem Hobby Geld verdient? Oder findet ihr es legitim, wenn der Blogger seine Blog-Kosten z.B. durch Affiliate Links kompensieren kann? Findet ihr PR-Samples, Affiliate Links und bezahlte Blog-Beiträge okay und ab wann ist es zu viel und kratzt an der Glaubwürdigkeit eines Bloggers?

Gute fünf Jahre sind seit meiner ursprünglichen Antwort ins Land gegangen. Fünf Jahre, in denen sich die Blogwelt verändert hat und mit ihr meine Einstellung zur Werbung auf Blogs.

Ist es okay, mit dem Bloggen Geld zu verdienen?

Klar, für die allermeisten von uns ist das Bloggen ein liebes Hobby. Eines, in das wir mitunter verdammt viel Zeit investieren: wir überlegen uns Themen. Wir tippen die Beiträge. Wir arrangieren, fotografieren und bearbeiten Artikelbilder. Wir richten den Blog ein, arbeiten am Layout, kümmern uns darum, den Blog bekannter zu machen, bespielen diverse Social Media-Kanäle, analysieren die Statistiken, beantworten Kommentare und Mails, und und und.
Das alles macht meistens großen Spaß, aber es bedeutet eben auch Arbeit.

Durch den Blog dann den ein oder anderen Euro zu verdienen, klingt da verlockend. Vor allem, weil es da draußen ja jede Menge Blogger gibt, die sogar ihren gesamten Lebensunterhalt mit dem Blog bestreiten. Da machste doch was falsch und bist blöd, wenn du dir das durch die Lappen gehen lässt!
Auch wenn wir das bei anderen Hobbys absurd fänden… wie, du machst Yoga und verdienst kein Geld damit? Aber es gibt doch Yogalehrerinnen, die ihr Hobby zum Beruf gemacht haben! Und dein Hund frisst dir einfach nur die Haare vom Kopf, ohne einen Cent einzubringen?! Boah…

Als ich den Text hier ursprünglich tippte, war der Begriff Influencer noch nicht gebräuchlich. Mittlerweile weiß auch Tante Hedwig, was das sind: lebende Litfaßsäulen, die auf Instagram lächelnd Produkte in die Kamera halten und damit ein Schweinegeld verdienen.

Wie kannst du mit deinem Blog Geld verdienen?

Geld verdienen kannst du mit deinem Blog auf verschiedene Arten:

  • Du kannst Werbebanner oder -links platzieren und erhältst pro Einblendung, Klick bzw. Kauf über diesen Link oder Laufzeit eine gewisse Summe. Solche Links können in der Sidebar stehen oder auch in einen Beitrag eingebettet sein.
  • Einen Schritt weiter gehen gesponserte Beiträge, die einzig und allein aus Werbezwecken verfasst wurden; entweder vom Blogger selber oder sogar als “Gastbeitrag” eines Unternehmens.
  • Du kannst Affiliate-Links zu Amazon & Co. setzen und erhältst jedesmal, wenn jemand etwas darüber kauft, eine prozentuale Vergütung.
  • Und dann gibt’s da noch den Fall, dass du als Blogger kostenlos Produkte zugeschickt bekommst, damit du sie testest und darüber bloggst, teilweise mit zusätzlicher Bezahlung für den Produkttest.

Grundsätzlich finde ich es in Ordnung, wenn man mit einem Blog auch Geld verdient. Worauf es ankommt, ist die Glaubwürdigkeit und damit verbunden die Ehrlichkeit des Bloggers.

Was macht die Glaubwürdigkeit eines Blogs aus?

Die Idee hinter Produkttests ist ja, dass man Erfahrungsberichte an die Hand bekommt und sich somit vor dem Kauf über ein Produkt informieren kann. Solchen Tests sollte man im Idealfall weitaus mehr vertrauen können als irgendeiner Werbeanzeige oder dem Text des Herstellers.
Und genau darin liegt die Macht von Produkttests: die Firmen gehen damit zwar das Risiko ein, dass an ihrem Produkt öffentlich Kritik geübt wird, aber gleichzeitig wiegt ein begeisterter Testbericht weitaus mehr als die drölfzighunderste Anzeige. Weil er authentischer ist. Weil ihm die Kunden mehr Vertrauen schenken.

Vertrauen schenken – das tun die Leser einem Blog erstmal, und das zu missbrauchen, ist ein absolutes No Go. Als Leser will ich einem Blogger vertrauen können, dass er mich nicht anlügt. Dass er mir nicht vorschwindelt, eine strickbegeisterte junge Mutti zu sein, während er in Wirklichkeit ein griesgrämiger alter Sack ist, der sich seine Fotos alle aus der Google-Bildersuche zusammenklaubt. Und, etwas weniger krass: dass er etwas nicht über den grünen Klee lobt, bloß weil er Geld dafür bekommt.

Was macht die Glaubwürdigkeit eines Bloggers aus? #bloggen Klick um zu Tweeten

Ich finde es vollkommen okay, wenn jemand ein Produkt vorstellt und sagt: hey, das ist klasse! Mich haben Feature x, y und z überzeugt, das kann ich empfehlen. Es soll ja durchaus vorkommen, dass man mal wirklich nichts zu meckern hat. 😉

Aber wenn jeder Test so überschwänglich ausfällt, dann werde ich irgendwann misstrauisch. Erst recht, wenn man der Wortwahl anmerkt, dass da ein Pressetext (fast) 1:1 übernommen wurde. Oder wenn der Testbericht nur aus zwei, drei Sätzen besteht – unter ausführlichem Testen verstehe ich etwas anderes. Oder wenn ein Produkt vorgestellt wird, das der Blogger gar nicht ausprobieren konnte

Ich bekomme selber immer mal wieder Anfragen, ob ich nicht über irgendein Hotel in Hintertupfingen, ein Reiseunternehmen  oder ähnliches schreiben würde – hier der Link, Fotos finden Sie da und da, so um die 300 Worte, gerne verfasse ich den Artikel auch für Sie. Bitte? Das geht mal gar nicht. Mein Blog, meine Meinung. Und die bilde ich mir gerne selber. 🙂

(Mal ganz abgesehen davon, dass auch und gerade gesponserte Inhalte immer zum Thema des Blogs passen sollten – sonst verfehlen sie mitunter nicht nur die Zielgruppe, sondern wirken auch einfach extrem fehlplatziert.)

Leidet die Glaubwürdigkeit unter einer Bezahlung?

Für mich spielt es keine Rolle, ob der Blogger das Produkt kostenlos erhalten hat oder vielleicht auch noch zusätzlich am Veröffentlichen des Artikels verdient. Solange ich der Meinung des Bloggers vertrauen kann und somit die Qualität des Blogs stimmt, ist alles in Butter. Ich begrüße es sogar, wenn sich das Bloggen auch hierzulande allmählich so etabliert wie etwa in den USA: da ist es gar nicht so unüblich, durchaus vom Bloggen leben zu können.

Und wenn du ohnehin über ein Produkt bloggen würdest, weil es dir gefällt, dann solltest du immer im Hinterkopf haben: das ist Werbung. Das Unternehmen verdient daran, dass du das Produkt vorstellst.

Die Etats für Zeitschriftenanzeigen, Werbeplakate, Radio- oder TV-Spots sind bei größeren Firmen nicht gerade knapp bemessen – und erkundige dich doch mal bei der Zeitschrift oder der Webseite deines Vertrauens, welche Preise sie für Werbeplatzierungen verlangen. Auf brigitte.de kostet ein 300 x 250px großes Banner pro Woche je nach Themenseite zwischen 1500 und 22800 € (Quelle: brigitte.de – Update vom Januar 2019: mittlerweile sind die Preise für Online-Werbung nicht mehr öffentlich sichtbar)… da musste ich erstmal schlucken.

Kleinere Firmen oder etwa Etsy-Shops spielen natürlich in einer ganz anderen Liga. Aber auch für die ist Werbung verdammt wichtig, und da finde ich es für beide Seiten fair, wenn der Blogger im Gegenzug für eine Vorstellung einfach das Produkt kostenlos erhält.

Nichtsdestotrotz lege ich viel Wert darauf, einen gesponserten Artikel auch als solchen zu kennzeichnen – was übrigens auch gesetzlich vorgeschrieben ist.

Affiliate-Links

Affiliate-Links finde ich vollkommen in Ordnung. Das Prinzip dahinter ist folgendes: der Blogger verlinkt auf einen Shop und in der URL des Links wird ein Parameter mit übergeben, der dem Shop mitteilt, dass ein Kunde von diesem Blog aus hergefunden hat. Als Kunde bezahlst du dann exakt den gleichen Preis wie sonst auch, aber der Blogger erhält einen Teil des Erlöses.
Ganz bekannt ist hier zum Beispiel das Amazon-Partnerprogramm, das ich selber einsetze.

Meiner Meinung nach sind Affiliate-Links eine Win-win-Situation für alle Beteiligten: der Shop bekommt für ihn relativ preiswerte Werbung, der Blogger erhält ohne nennenswerten Aufwand eine Gewinnbeteiligung, und für den Kunden ändert sich rein gar nichts. Von daher unterstütze ich Blogs oder Foren, die mir sympathisch sind, gerne auch durch einen Kauf über Affiliate-Links, wenn ich mir das Produkt ohnehin bestellen würde.

Wichtig ist natürlich, einen Affiliate-Link als solchen zu kennzeichnen.

Maach et joot, ävver nit zo off.

… weiß schon das Rheinische Grundgesetz: mach’s gut, aber nicht zu oft. 😉

Immer mal wieder eine Produktrezension einfließen zu lassen, ist meiner Meinung nach durchaus okay. Aber wenn ein Blog fast ausschließlich aus solchen Werbepostings besteht, dann wird mir das schnell zu langweilig. Das ist auch der Grund, weswegen ich keine Testblogs in meinem Feedreader zu stehen habe. Ich freue mich über entsprechende Blogeinträge, wenn ich mir etwas kaufen will und deswegen vorab nach Rezensionen google, aber alleine mit Produktreviews kann mich ein Blog nicht überzeugen.

Ebenso stört es mich nicht, wenn in der Sidebar eines Blogs verschiedene Werbebanner platziert wurden, solange sie das Gesamtbild nicht stören.
Knallbunte, blinkende Anzeigen oder der absolute Oberkracher in Form von PopUps gehen aber so gar nicht.

Also: sei dir bewusst, welchen Wert deine Beiträge haben, aber mach dein Blog nicht zur Litfaßsäule.

Sei dir bewusst, welchen Wert deine Beiträge haben, aber mach dein Blog nicht zur Litfaßsäule. Klick um zu Tweeten

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