Neues Urteil: die Crux mit dem Cookie-Opt-In

5. Oktober 2019- aktualisiert: 29. Dezember 2019 Bloggen4 min read 14 Kommentare

Disclaimer: ich bin kein Jurist und gebe hier nur wieder, wie ich persönlich die aktuelle Rechtssprechung verstehe und wie ich sie umsetze.

Schon seit einer ganzen Weile ploppen sie fast überall auf, sobald du eine Webseite betrittst: Cookie-Banner.

Bisheriges Cookie-Banner von wordpress.com
Das bisherige Cookie-Banner von wordpress.com

Durch einen Klick auf “Akzeptieren” hast du das nervige Ding einfach schnell aus deinem Gesichtsfeld befördert und fertig.

Das ändert sich jetzt.

Dieser Tage, am 1.10.2019, hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) nämlich ein Urteil gefällt: ab sofort reicht es nicht mehr aus, einfach nur über das Setzen von Cookies zu informieren. Vielmehr müssen die Besucher einer Webseite aktiv einwilligen, dass in ihrem Browser Cookies dieser Webseite gespeichert werden. Opt-In nennt sich das Ganze.

Dieses Urteil hat weitreichende Folgen. Ich wundere mich, dass in der allgemeinen Presse kaum darüber berichtet wird.

Was ändert sich durch diese Rechtssprechung?

Cookies sind die Voraussetzung dafür, dass beispielsweise die Aufrufe einer Webseite gezählt werden können. Bislang wurde automatisch jeder Besucher einer Webseite erfasst und tauchte in den Statistiken auf. Zwar konnte man das auch bisher schon durch Einstellungen im Browser verhindern, das dürften aber die wenigsten getan machen.

Ab jetzt müssen die Besucher also erst entscheiden, ob sie gezählt werden wollen oder nicht… und wie das nun mal so ist, werden viele sich dagegen entscheiden. Auch wenn die Statistiken immer schon anonymisiert waren, also nicht die komplette IP-Adresse gespeichert werden durfte.

Cookie-Opt-In auf vom Landleben
Mein neues Cookie-Banner hier auf vom Landleben

Technisch notwendige vs. nicht notwendige Cookies

Keks ist nicht gleich Keks: es gibt zwei Sorten von Cookies. Deswegen stehen in den Cookie-Bannern ab jetzt zwei Optionen zur Auswahl: alle Cookies akzeptieren oder nur die technisch notwendigen Cookies.

Was heißt das?

Die essentiellen Cookies / technisch notwendigen Cookies sind eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren vieler Webseiten. Bei einem Online-Shop speichern sie zum Beispiel die Artikel in deinem Warenkorb, wenn du zur Kasse gehst.

Diese Cookies müssen aus technischen Gründen immer gespeichert werden. Daran ändert auch das Urteil nichts.

Die Cookies von Trackingtools sind allerdings nicht essentiell – und hier kann der Leser jetzt entscheiden, ob er sie zulässt oder nicht.

Welche Auswirkungen hat das neue Cookie-Urteil?

Die Statistiken werden einbrechen. Bei meinen Blogs beobachte ich rund 50% weniger Aufrufe. Ich gehe davon aus, dass weiterhin so viele Leser da sind wie sonst auch… sie werden nur nicht mehr erfasst.

Dass das die Statistiken traurig aussehen lässt, ist die eine Sache. Viel relevanter ist jedoch die finanzielle Auswirkung: bei Kooperationen richtet sich die Vergütung nach der Reichweite. Sprich, je mehr Leser ein Blog hat, desto höher die Bezahlung für einen Beitrag. Das geht jetzt deutlich in den Keller.

Wie das immer so ist, wird es vermutlich auch viele Blogs geben, die sich einfach nicht an die Rechtssprechung halten und munter alles tracken. Ich erwarte daher nicht, dass es künftig für die Hälfte an Aufrufen noch die gleiche Vergütung wie jetzt geben wird.

Ebenso trifft es die Bannerwerbung mit dem beliebten Geschäftsmodell Pay per View (PPV). Hier wird gezählt, wie oft ein Banner angezeigt wird, und für jede Einblendung gibt es eine Vergütung. Auch hier werden die Einkünfte sinken.

Welche Auswirkungen das neue Cookie-Urteil für #Blogger hat: Klick um zu Tweeten

Was musst du jetzt an deinem Blog ändern?

Du musst handeln, falls du Trackingtools wie Google Analytics, Matomo (ehemals Piwik) oder Blogfoster Insights verwendest.

Bislang hast du deren Trackingcode direkt in das HTML deiner Webseite eingebaut. Im Falle von WordPress war das also etwa in die footer.php. Oder du hast ein Plugin verwendet, was genau das übernimmt.

Das ist jetzt nicht mehr erlaubt!

Das Trackingscript darf erst dann ausgeführt werden, wenn der Leser in das Speichern dieser Cookies in einem Banner oder PopUp explizit eingewilligt hat.

Wie kannst du in WordPress ein Cookie-Opt-In einbauen?

Die gute Nachricht: es gibt für WordPress (natürlich) bereits etliche Plugins, die eine solche Funktion bereitstellen.

Ich selber verwende das kostenlose Plugin GDPR Cookie Consent.

Wichtig: es reicht nicht, das Plugin einfach nur zu installieren! Damit du die neuen Anforderungen erfüllst, musst du es konfigurieren! Unter anderem musst du deine Trackingcodes aus dem HTML entfernen und stattdessen über das Plugin einbinden.

Falls daran Interesse besteht, kann ich gerne einen Beitrag über die Konfiguration von GDPR Cookie Consent verfassen. Lass es mich in einem Kommentar wissen! 🙂

Fazit

Ab sofort dürfen Cookies nicht mehr automatisch gespeichert werden. Beim Aufrufen einer Webseite muss der Besucher erst aktiv einwilligen. Das hat empfindliche Auswirkungen auf die Statistiken und damit auch auf die Einnahmen.
Blogger müssen jetzt handeln und ihre Trackingcodes anders einbinden.

Hast du deinen Blog bereits umgestellt?

Zu diesen Themen gibt’s noch mehr Artikel:

Neues Urteil: die Crux mit dem Cookie-Opt-In

5. Oktober 2019- aktualisiert: 29. Dezember 2019 Bloggen 14 Kommentare

Disclaimer: ich bin kein Jurist und gebe hier nur wieder, wie ich persönlich die aktuelle Rechtssprechung verstehe und wie ich sie umsetze.

Schon seit einer ganzen Weile ploppen sie fast überall auf, sobald du eine Webseite betrittst: Cookie-Banner.

Bisheriges Cookie-Banner von wordpress.com
Das bisherige Cookie-Banner von wordpress.com

Durch einen Klick auf “Akzeptieren” hast du das nervige Ding einfach schnell aus deinem Gesichtsfeld befördert und fertig.

Das ändert sich jetzt.

Dieser Tage, am 1.10.2019, hat der Europäische Gerichtshof (EuGH) nämlich ein Urteil gefällt: ab sofort reicht es nicht mehr aus, einfach nur über das Setzen von Cookies zu informieren. Vielmehr müssen die Besucher einer Webseite aktiv einwilligen, dass in ihrem Browser Cookies dieser Webseite gespeichert werden. Opt-In nennt sich das Ganze.

Dieses Urteil hat weitreichende Folgen. Ich wundere mich, dass in der allgemeinen Presse kaum darüber berichtet wird.

Was ändert sich durch diese Rechtssprechung?

Cookies sind die Voraussetzung dafür, dass beispielsweise die Aufrufe einer Webseite gezählt werden können. Bislang wurde automatisch jeder Besucher einer Webseite erfasst und tauchte in den Statistiken auf. Zwar konnte man das auch bisher schon durch Einstellungen im Browser verhindern, das dürften aber die wenigsten getan machen.

Ab jetzt müssen die Besucher also erst entscheiden, ob sie gezählt werden wollen oder nicht… und wie das nun mal so ist, werden viele sich dagegen entscheiden. Auch wenn die Statistiken immer schon anonymisiert waren, also nicht die komplette IP-Adresse gespeichert werden durfte.

Cookie-Opt-In auf vom Landleben
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Technisch notwendige vs. nicht notwendige Cookies

Keks ist nicht gleich Keks: es gibt zwei Sorten von Cookies. Deswegen stehen in den Cookie-Bannern ab jetzt zwei Optionen zur Auswahl: alle Cookies akzeptieren oder nur die technisch notwendigen Cookies.

Was heißt das?

Die essentiellen Cookies / technisch notwendigen Cookies sind eine Grundvoraussetzung für das Funktionieren vieler Webseiten. Bei einem Online-Shop speichern sie zum Beispiel die Artikel in deinem Warenkorb, wenn du zur Kasse gehst.

Diese Cookies müssen aus technischen Gründen immer gespeichert werden. Daran ändert auch das Urteil nichts.

Die Cookies von Trackingtools sind allerdings nicht essentiell – und hier kann der Leser jetzt entscheiden, ob er sie zulässt oder nicht.

Welche Auswirkungen hat das neue Cookie-Urteil?

Die Statistiken werden einbrechen. Bei meinen Blogs beobachte ich rund 50% weniger Aufrufe. Ich gehe davon aus, dass weiterhin so viele Leser da sind wie sonst auch… sie werden nur nicht mehr erfasst.

Dass das die Statistiken traurig aussehen lässt, ist die eine Sache. Viel relevanter ist jedoch die finanzielle Auswirkung: bei Kooperationen richtet sich die Vergütung nach der Reichweite. Sprich, je mehr Leser ein Blog hat, desto höher die Bezahlung für einen Beitrag. Das geht jetzt deutlich in den Keller.

Wie das immer so ist, wird es vermutlich auch viele Blogs geben, die sich einfach nicht an die Rechtssprechung halten und munter alles tracken. Ich erwarte daher nicht, dass es künftig für die Hälfte an Aufrufen noch die gleiche Vergütung wie jetzt geben wird.

Ebenso trifft es die Bannerwerbung mit dem beliebten Geschäftsmodell Pay per View (PPV). Hier wird gezählt, wie oft ein Banner angezeigt wird, und für jede Einblendung gibt es eine Vergütung. Auch hier werden die Einkünfte sinken.

Welche Auswirkungen das neue Cookie-Urteil für #Blogger hat: Klick um zu Tweeten

Was musst du jetzt an deinem Blog ändern?

Du musst handeln, falls du Trackingtools wie Google Analytics, Matomo (ehemals Piwik) oder Blogfoster Insights verwendest.

Bislang hast du deren Trackingcode direkt in das HTML deiner Webseite eingebaut. Im Falle von WordPress war das also etwa in die footer.php. Oder du hast ein Plugin verwendet, was genau das übernimmt.

Das ist jetzt nicht mehr erlaubt!

Das Trackingscript darf erst dann ausgeführt werden, wenn der Leser in das Speichern dieser Cookies in einem Banner oder PopUp explizit eingewilligt hat.

Wie kannst du in WordPress ein Cookie-Opt-In einbauen?

Die gute Nachricht: es gibt für WordPress (natürlich) bereits etliche Plugins, die eine solche Funktion bereitstellen.

Ich selber verwende das kostenlose Plugin GDPR Cookie Consent.

Wichtig: es reicht nicht, das Plugin einfach nur zu installieren! Damit du die neuen Anforderungen erfüllst, musst du es konfigurieren! Unter anderem musst du deine Trackingcodes aus dem HTML entfernen und stattdessen über das Plugin einbinden.

Falls daran Interesse besteht, kann ich gerne einen Beitrag über die Konfiguration von GDPR Cookie Consent verfassen. Lass es mich in einem Kommentar wissen! 🙂

Fazit

Ab sofort dürfen Cookies nicht mehr automatisch gespeichert werden. Beim Aufrufen einer Webseite muss der Besucher erst aktiv einwilligen. Das hat empfindliche Auswirkungen auf die Statistiken und damit auch auf die Einnahmen.
Blogger müssen jetzt handeln und ihre Trackingcodes anders einbinden.

Hast du deinen Blog bereits umgestellt?

Zu diesen Themen gibt’s noch mehr Artikel: