So findest du den richtigen Bildaufbau

26. September 2014- aktualisiert: 24. Juni 2018 Foto-Tipps 12 Kommentare

Der Bildaufbau entscheidet darüber, ob dein Foto total langweilig wirkt oder ob man es sich gerne anschaut: in diesem Artikel lernst du, wie du mit dem Goldenen Schnitt und der Drittel-Regel ganz einfach tolle Motive findest!

Die zwei Hauptzutaten für bessere Bilder

Eigentlich ist Fotografieren ja nicht schwer: Auslöser betätigen – klick – fertig.
Woran liegt es aber, dass dabei oft keine sonderlich guten Bilder herauskommen?

Zum Einen sind falsche Einstellungen für Belichtungszeit, Blende und ISO daran Schuld. Verwackelte Bilder, verrauschte Bilder, zu dunkle oder zu helle Bilder, … Der allseits beliebte Automatikmodus findet oft nicht die geeignetste Einstellung, weswegen ich dir unbedingt rate, dich mit den manuellen Einstellungen deiner Kamera vertraut zu machen. Ein rennendes Kind mit einer Belichtungszeit von 1/60s ablichten zu wollen, kann halt nur in einem unscharfen Bild enden. 😉 Keine Sorge vor technischem Fachchinesisch, das ist alles kein Hexenwerk und mein Artikel ISO, Blende & Belichtungsdauer – endlich verständlich erklärt hilft dir dabei weiter.

Ein ebenso wichtiger Faktor ist allerdings der Bildaufbau selber – was ist auf dem Foto zu sehen und was nicht, und wo im Bild befindet es sich? Durch einen schlecht gewählten Bildausschnitt kannst du nämlich auch ein ansonsten technisch sauberes Bild versemmeln. Darum sehen wir uns den Bildaufbau in diesem Artikel mal näher an. 🙂

Was will ich eigentlich abbilden?

So banal die Frage auch klingen mag: überleg dir bei jedem Foto, was genau du eigentlich fotografieren möchtest. Und genau das sollte das Bild dann auch dominieren.

Beispiel Katzenfotos: als neulich ein Regenschauer drohte, haben wir schnell die Polster der Balkonstühle in Sicherheit gebracht und ins Wohnzimmer gelegt. Wie Katzen halt so sind, dauerte es nicht lange, bis Juli kurzerhand ihren neuen Schlafplatz annektierte.
Der Schnappschuss war schnell gemacht…

Objektiv: Tamron 28-75mm f/2.8

Die Katze ist das eigentliche Motiv – geht hier aber ziemlich unter

… aber die Katze selber nimmt allenfalls 10% des ganzen Fotos ein, fällt erstmal gar nicht auf.
Herangezoomt wirkt das Bild hingegen gleich ganz anders:

Objektiv: Tamron 28-75mm f/2.8

… herangezoomt steht (bzw. liegt 😉 ) Juli ganz klar im Mittelpunkt

Beispiel Ganzkörper-Portaits: bei Fotos von Menschen oder Menschengruppen passiert es häufig, dass die Personen verschwindend klein sind und man stattdessen jede Menge Bäume oder Häuser sieht. Das kann nett sein, wenn du die Atmosphäre der Umgebung einfangen möchtest – meistens ist es jedoch nicht optimal.

Geh also nach Möglichkeit näher an dein Motiv heran bzw. zoome, wenn du über ein entsprechendes Objektiv verfügst. Bei Handys solltest du auf das Zoomen besser verzichten, da hier nur digital gezoomt wird, d.h. es wird einfach ein Bildausschnitt genommen und vergrößert. Darunter leidet die Bildqualität.

Sei nett zu deinen Mitmenschen: wenn du ein Ganzkörperfoto einer Person aufnimmst, schneide ihr bitte weder die Füße ab, noch den Kopf. 😉

Hier kamen der Beste und Nala schneller auf mich zu als gedacht und *schwupps* waren die Füße weg:

Urlaub in Blaubeuren 2014

Abgeschnittene Füße sind nicht schön 😉

Du kannst den Körper bewusst anschneiden, aber dann wähle zum Beispiel den Bauchnabel als Linie. Andernfalls sieht es einfach ungewollt aus.

Der Goldene Schnitt und die Drittel-Regel

Genau in der Bildmitte platzierte Objektive wirken ziemlich langweilig. Witizgerweise empfinden wir ein Foto dann als ausgewogen, wenn sich das wichtigste Bildelement stattdessen links oder rechts von der Mitte befindet.

Es gibt zwei “Regeln” (eher: Empfehlungen), die dir zu einem gelungeneren Bildaufbau verhelfen:

Der Goldene Schnitt

… gilt als ein Klassiker unter den bildgestalterischen Regeln.
Ihn zu berechnen, ist easy: die erste Teilstrecke a (zwischen dem linken Rand und der ersten Linie) verhält sich zur Teilstrecke b (das kurze Stück zwischen den beiden Linien) wie die Gesamtstrecke a+b zu a. Alles klar, oder? 8)

Klingt komplizierter, als es ist. Das Bild illustriert das Prinzip:

Der Goldene Schnitt

Der Goldene Schnitt

Die Drittel-Regel

… ist deutlich einfacher als der Goldene Schnitt: hier wird das Bild gedanklich schlichtweg in drei Felder geteilt.

Drittel-Regel

Die Drittel-Regel

Wie du siehst, ist der Unterschied nicht allzu groß.
Natürlich musst du dich nicht dogmatisch an eine dieser beiden Regeln halten – es sind einfach Erfahrungswerte, wie ein Bild ansprechend aufgebaut sein kann.

Cropp dich glücklich: den Bildausschnitt nachträglich ändern

Keine Sorge – wenn dein Bildausschnitt beim Fotografieren nicht optimal geworden ist, kannst du ihn natürlich nachträglich in einem Bildbearbeitungsprogramm ändern. Die meisten Grafikprogramme bieten ja eine Funktion zum Zuschneiden (“Croppen”) an, ich zeige es hier jetzt mal anhand von Photoshop.

Ein Foto in Photoshop zuschneiden

Öffne dein Foto und wähle das Freistellungs-Werkzeug (oder drücke einfach die Taste C).

Photoshop: Freistellungswerkzeug

Das Freistellungswerkzeug

Stell jetzt zunächst dein gewünschtes Seitenverhältnis ein: 2:3 und 3:4 sind Standards; 16:9 ist ein ansprechendes Format für horizontale Aufnahmen, etwa von Landschaften.

Photoshop: Freistellungswerkzeug

Das Freistellungswerkzeug – Seitenverhältnis festlegen

Daneben kannst du dir ein Raster einblenden lassen, das dir beim Ausrichten hilft. Hier kannst du unter anderem den Goldenen Schnitt oder die Drittel-Regel wählen.

Photoshop – Drittel-Regel

Das Freistellungswerkzeug – welches Raster soll angezeigt werden?

Anschließend kannst du dein Foto wie gewünscht zurechtschneiden:

Freistellungswerkzeug in Photoshop

So passt du den Bildausschnitt mit dem Freistellungswerkzeug an

Fotografen-Gymnastik

Aus dem normalen Stand heraus machst du nicht unbedingt das optimalste Foto – vor allem dann nicht, wenn du kleinere Motive fotografierst, beispielsweise dein Kind oder dein Haustier. Wenn du die Kamera auf Augenhöhe bringst, wirken diese Motive viel unmittelbarer, als wenn du von oben herab fotografierst und dabei auch noch die Perspektive verzerrst.

Also – keine Scheu vor Gymnastik… 😉

Und dann war da noch… die Gefahr im Hintergrund

Mindestens ebenso störend wie Objektive, die eigentlich gar nicht mit im Bild sein sollten und zu viel Raum einnehmen, ist ein unruhiger Hintergrund. Dem kannst du mit zwei Tricks begegnen:

  • Entweder, du veränderst den Hintergrund, indem du dir einen anderen Platz zum Fotografieren suchst oder dir einen eigenen Hintergrund aufstellst.
  • Alternativ dazu arbeitest du mit Offenblende, d.h. dein eigentliches Motiv im Vordergrund des Bildes wird knackig scharf abgebildet, während der Hintergrund unscharf verschwimmt. Das sieht dann so aus:
    Objektiv: Tamron 28-75mm f/2.8

    Blende f/2.8 – Scharfer Vordergrund, verschwommener Hintergrund

Fazit

Achte darauf, dass dein Foto keine unnötigen Elemente enthält oder ein unruhiger Hintergrund vom eigentlichen Motiv ablenkt. Probiere verschiedene Perspektiven aus, um dich dem Motiv optimal zu nähern. Beim Bildaufbau solltest du die Drittel-Regel im Hinterkopf behalten; nachträglich zuschneiden kannst du dein Bild etwa in Photoshop.
Ich hoffe, dieses Tutorial hat dir weitergeholfen.
Deine Fragen kannst du natürlich wie immer in den Kommentaren loswerden! 🙂

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