ISO, Blende & Belichtungsdauer – endlich verständlich erklärt

Ärgerst du dich darüber, dass 9 von 10 Fotos nichts geworden sind, weil sie unscharf sind oder viel zu hell oder viel zu dunkel und weil du nicht weißt, wie du das beeinflussen kannst? Fotografierst du lieber im Automatikmodus, auch wenn die Bilder oft nicht gut aussehen, weil der manuelle Modus so verwirrend ist?

In diesem Tutorial erfährst du die Basics zum Thema ISO-Zahl, Blende und Belichtungsdauer und wie diese drei Dinge zusammenspielen. 🙂 Und weil trockene Theorie meistens zum einen Ohr reingeht und zum anderen wieder raus, gibt es in diesem Post viele Beispielfotos und vor allem auch konkrete Übungen, die du gleich umsetzen kannst.

Bist du startklar?

Leg deine Kamera am besten gleich neben dich, ehe du weiterliest. Was für eine Kamera du hast, spielt hier keine Rolle – eine Spiegelreflex kannst du ebensogut nehmen wie auch eine normale Kompaktkamera.

Für die Beispielfotos habe ich die kleine Canon PowerShot SX120IS verwendet sowie als Spiegelreflex die Canon 5D Mk III.

Als erstes stellst du den Aufnahmemodus auf Manuell. Hier übernimmt die Kamera-Automatik gar nichts für dich, du musst alles selbst einstellen. Aber keine Angst – dieses Tutorial führt dich Schritt für Schritt weiter. Und denk immer dran: Digitalfotos kosten nichts, also hab keine Scheu, das gleiche Motiv ruhig zehnmal zu fotografieren, bis alles stimmt. Übung macht den Meister. 🙂

Kamera-Modus auf manuell stellen

Im Folgenden beschäftigen wir uns mit den drei Komponenten ISO-Zahl, Blende und Belichtungsdauer.
Auf deiner Kamera findest du die Werte hier:

ISO, Belichtungsdauer und Blende einstellen

Was ist was? – ISO

Die ISO-Zahl gibt Auskunft darüber, wie lichtempfindlich der Sensor eingestellt ist. Je höher die ISO-Zahl, desto heller wird das Bild – allerdings nimmt damit auch die Bildqualität ab und das Bild verrauscht / wird pixelig. Die untere Grenze der ISO-Empfindlichkeit liegt meistens bei 80 oder 100, nach oben gehen die meisten Kameras bis etwa 1600. Ob das Bild dabei aber noch zu gebrauchen ist, steht auf einem anderen Blatt. 😉
Profi-Kameras bieten einen größeren ISO-Spielraum und liefern auch bei hohen Werten noch gute Bilder ab.

Wähle die ISO-Zahl möglichst niedrig, je nachdem wie es die Situation zulässt.

Übung 1:

Suche dir ein Objekt in deiner Umgebung, was nicht in der prallen Sonne steht (wir wollen hier ja mit den ISO-Werten herumexperimentieren, also darf es ruhig etwas dunkler sein). Stelle zuerst die niedrigste ISO-Zahl ein, die deine Kamera bietet, und gehe dann Schritt für Schritt höher. Zoome in die Fotos rein, um beurteilen zu können, bis zu welchem ISO-Wert deine Kamera noch annehmbare Fotos liefert, und behalte diese Grenze immer im Hinterkopf.
Es ist schließlich ziemlich ärgerlich, wenn man etwa in einer Cocktailbar viele Fotos von sich und seinen Lieben macht, die auf dem Display noch ganz gut aussehen, und später am Rechner merkt man dann, dass es nur eine einzige Pixelmatsche geworden ist.

Hier habe ich mit der Kompaktkamera verschiedene ISO-Werte durchgetestet:

Fotografie-Tutorial: die ISO-Zahl

Was ist was? – Belichtungsdauer

Unter der Belichtungszeit versteht man die Zeitspanne, während der Licht auf den Sensor fällt und somit das Bild aufnimmt. Je länger du belichtest, desto mehr Licht gelangt auf den Sensor und desto heller wird das Bild.

Die Belichtungsdauer wird in Sekundenbruchteilen angegeben: 1/125s steht also für den 125. Teil einer Sekunde.

Zwei Faktoren limitieren dich beim Belichten:

  • Aus der Hand kann man in der Regel nicht länger als 1/100 Sekunde ruhig halten, ohne das Bild zu verwackeln. Für längere Belichtungszeiten empfiehlt sich ein Stativ.
  • Um eine scharfe Aufnahme von sich bewegenden Motiven zu erzielen, muss die Belichtungszeit möglichst kurz ausfallen – je schneller das Objekt, desto kürzer die Belichtungsdauer. Bei einem Fußballspiel ist man zum Beispiel mit einer Belichtungszeit von 1/600s gut beraten.

Belichte möglichst lange, je nachdem wie es die Situation zulässt.

Bei diesen Fotos habe ich eine 1/400s lang belichtet, um Nala in der Flugphase zu erwischen (yay, ich habe einen Flughund! 😀 ) :

Fotografie-Tipp: kurze Belichtungszeiten
Kamera: Canon 5D Mk III – Objektiv: Tamron 28-75mm f/2.8 – ISO 160 – f/2.8 – 1/400s

Übung 2:

Hast du ein Haustier oder einen Mitbewohner, den du in Bewegung fotografieren kannst? – Prima. 🙂 Ansonsten bieten sich auch vom Wind bewegte Blätter und Blüten an.

Stell erst einmal eine Belichtungszeit von 1/125s ein und finde die passende ISO-Zahl heraus. Wie gesagt, Testfotos kosten nichts. 😉
Dann fotografiere dein Motiv – höchstwahrscheinlich ist das Foto jetzt verwackelt. Nimm also stufenweise eine kürzere Belichtungsdauer, bis das Motiv scharf abgebildet wird. Weil durch eine kürzere Belichtungszeit weniger Licht auf den Sensor fällt, wird das Bild logischerweise dunkler. Dem musst du also durch mehr ISO und / oder eine weiter geöffnete Blende entgegensteuern – dazu kommen wir im nächsten Abschnitt. 🙂

Man kann beim Belichten übrigens viel herumspielen, indem man etwa die Kamera mitzieht – dadurch entstehen dann diese “Schlieren” auf einem Teil des Objekts, durch die es sehr dynamisch wirkt. Das fällt aber in die Kategorie Fortgeschritten. 😉

Was ist was? – Blende

Die Blendenzahl gibt an, wie groß die Öffnung im Objektiv ist, durch die das Licht auf den Sensor fällt. Je größer diese Öffnung ist, desto mehr Licht kann einfallen und desto heller wird das Bild. Vorsicht: je größer die Blendenöffnung, desto kleiner die Blendenzahl.

Bei Kompaktkamers ist die kleinste Blendenzahl oft f/2.8, abblenden kann man hier bis etwa f/8.0.
Bei Spiegelreflexkameras hängt die Lichtstärke des Objektivs oft von der Portokasse des Fotografen ab. 😉 Mit dem Canon 50mm f/1.8 gibt es allerdings ein durchaus erschwingliches, lichtstarkes Objektiv für rund 100 Euro (fragt mich nicht nach Nikon, Sony und Co. … ich spiele nur im Team Canon ^^ ).

Kleiner Exkurs zum Thema Lichtstärke von Objektiven:
Bei Festbrennweiten, also Objektiven ohne Zoomfunktion, lautet die Bezeichnung etwa “50mm f/1.8” – das heißt, es handelt sich um eine Brennweite von 50mm (grob gesagt also weder Weitwinkel, noch Tele – etwas in der Mitte 😉 ) mit einer maximalen Lichtstärke von f/1.8.

Bei Zoomobjektiven sieht die Angabe dann oft aber so aus:

Fotografie-Tutorial: die Blende an deiner Kamera

Wir haben hier also einen Zoombereich von 6 – 60mm mit einer maximal offenen Blende von f/2.8 bis f/4.3. Das bedeutet, wenn du ganz herauszoomst (6mm) hast du eine maximale Blendenöffnung von f/2.8, aber wenn du ganz heranzoomst (60mm) und das Objektiv somit ausgefahren wird, technisch bedingt nur noch f/4.3.
Für Spiegelreflexkameras gibt es Objektive mit einer sogenannten Innenfokussierung, wo das Objektiv beim Zoomen nicht ausgefahren wird und die Lichtstärke konstant bleibt. Das ist etwa beim Sigma 70-200 f/2.8 der Fall – ein Zoombereich von 70mm bis 200mm, dabei immer f/2.8.

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Wenn du mit Offenblende fotografierst, also den kleinstmöglichen Wert eingestellt hast, kannst du mit einem wichtigen Stilmittel arbeiten: dem Verlauf von Schärfe und Unschärfe. Das Objekt, auf das du fokussierst, wird dann ganz scharf abgebildet und der Rest wie der Hintergrund nur unscharf. Für Portraits ist das beispielsweise eine sehr beliebte Technik.

Bei diesem beiden Bildern habe ich links auf das Monsterchen scharfgestellt und rechts auf die Muschel:

Fotografie-Tipp: Blendenöffnung
Kamera: 5D Mk III – Objektiv: Tamron 28-75mm 2.8 – ISO 100 – f/2.8 – 1/250s

In hellen Aufnahmesituationen, etwa draußen an einem sonnigen Tag, hast du zwei Möglichkeiten, damit deine Bilder nicht überbelichtet werden:

  • du belichtest sehr kurz
  • du blendest ab

Ich persönlich mag in vielen Fällen den Schärfe-Unschärfeverlauf, sodass ich meist mit Offenblende und entsprechend kurzen Verschlusszeiten arbeite. Das hängt aber ein bisschen vom Motiv ab und natürlich auch von deinem persönlichen Geschmack. 🙂

Die Blendenöffnung beeinflusst die Helligkeit und den Schärfenverlauf deines Fotos.

Übung 3:

Such dir ein Motiv in deiner Umgebung, das sich nicht bewegt und das nicht vollkommen im Schatten liegt.
Stelle folgende Werte ein:

  • ISO 100
  • Belichtungsdauer: 1/125s
  • Blende: f/2.8 (oder den kleinsten Wert, den deine Kamera / dein Objektiv zulässt)

Fotografiere dein Motiv jetzt und guck dir das Ergebnis an. Höchstwahrscheinlich ist das Bild entweder zu dunkel oder zu hell. Ist es zu dunkel, erhöhst du bei den nächsten Aufnahmen schrittweise die ISO-Zahl. Falls dein Bild zu hell ist, blendest du jetzt Foto für Foto eine Stufe ab. So merkst du genau, welche Änderung sich wie bemerkbar macht. Das machst du solange, bis dir das Foto gefällt. 🙂

Hierbei kannst du auch mit der Tiefenschärfe herumexperimentieren: sofern deine Kamera zulässt, dass du den Fokuspunkt ( = die Stelle, auf die scharfgestellt wird) selber setzt, kannst du gezielt mal auf etwas im Vordergrund fokussieren und mal auf den Hintergrund. Bei Offenblende merkst du hier einen deutlich unterschiedlichen Schärfeverlauf. Je weiter du abblendest, desto schärfer wird der Hintergrund dargestellt, auch wenn du auf etwas im Vordergrund fokussierst.

Mit dieser Technik kannst du spannende Effekte erzielen. Denn oft wirkt ein Bild viel ansprechender und spannender, wenn du durch den Schärfeverlauf das Auge des Betrachters lenkst und beispielsweise der Hintergrund bei einem Porträt in Unschärfe verschwimmt.

Fazit

Ich hoffe, du hast jetzt einen Einblick darin bekommen, wie die drei Komponenten ISO, Belichtungszeit und Blendenöffnung zusammenspielen. Letztlich geht es bei allen Aufnahmesituationen darum, den bestmöglichen Kompromiss zwischen diesen drei Faktoren zu finden.

Viel Spaß beim Ausprobieren mit deiner Kamera! 🙂

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