17 Eselsbrücken für die Fotografie – und was sie taugen

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Magst du Eselsbrücken? Diese kleinen Merksätze für alle nur erdenklichen Lebenslagen? – Auch in Sachen Fotografie gibt es so einige mal lustige, mal nützliche Gedächtnisstützen.

Ich habe sie mal zusammengetragen und geschaut, ob sie etwas taugen oder nicht.

Licht

Geht im Sucher keine Sonne auf, hast du noch den Deckel drauf.

Wahre Worte! 😀

Hast du die Sonne im Rücken, solltest du den Auslöser drücken.

Da ist etwas dran: unbeabsichtigtes Gegenlicht verhunzt dir schnell die Fotos, und der Schattenwurf bei Mittagssonne ist oft alles andere ideal. Sonne im Rücken ist eine gute Faustregel.

Zwischen zwölf und drei hat der Fotograf frei.

It depends, würde ich sagen. In der Mittagszeit steht die Sonne hoch am Himmel, infolgedessen gibt es oft starke Kontraste zwischen den hell ausgeleuchteten Bereichen und den schattigen Stellen. Allerdings kommt es immer auf das tatsächliche Licht an – an diesigen Tagen wirst du nicht mit Schlagschatten zu kämpfen haben.

In der grellen Mittagssonne sind die Bilder für die Tonne!

Dito.

Scheint keine Sonne durch die Ritzen, musst du blitzen.

Jain… das würde ich so nicht unterschreiben. Klar – bei schlechten Lichtbedingungen ist es naheliegend, einen Blitz einzusetzen. In den letzten Jahren hat sich im Bereich ISO aber viel getan, sodass etliche Kameras auch mit einer höheren ISO-Zahl klarkommen, ohne zu rauschen. Oder du wählst eine Langzeitbelichtung, bei der durch die Dauer mehr Licht auf den Sensor fällt.

Blende

Für Schärfe ohne Ende, nimm die kleinste Blende.

Jap – je kleiner die Blende, desto größer die Tiefenschärfe.

Vorsicht, am Anfang ist das verwirrend: je kleiner die Blende, desto größer ist nämlich die Zahl – f/1.8 bezeichnet eine weit geöffnete Blende, f/16 eine kleine Blende. 🙂

Objektiv: Tamron 28-75mm f/2.8

Blende f/14 – der Hintergrund ist deutlich unruhiger

Objektiv: Tamron 28-75mm f/2.8

Blende f/2.8 – Scharfer Vordergrund, verschwommener Hintergrund

Bei Kind und Tier, nimm Blende 4.

Das ist eine gute Faustregel: bei Portraits möchtest du ja oft einen unscharfen Hintergrund und ein knackig scharf gestelltes Gesicht haben. Deswegen machst du die Blende möglichst weit auf, beispielsweise auf f/2.8, und setzt den Fokuspunkt genau auf die Augen der Person.

Schwierig wird das bei Kindern und Tieren, weil die beide naturgemäß oft nicht stillhalten. Dann verrutscht dir vor lauter Herumhampeln der Fokus – und dein Bild wird unscharf. Je kleiner die Blende, desto eher verzeiht es dir das Foto, wenn der Fokuspunkt nicht exakt sitzt.

Die Sonne lacht, nimm Blende 8.

Ich glaube, das war der erste Merksatz zur Fotografie, den ich jemals gehört habe. Und ich persönlich kann ihn ganz und gar nicht unterschreiben! Ich fotografiere ja gerne mit Offenblende als Stilmittel, sodass der Hintergrund unscharf verschwimmt. Klar, dadurch gelangt sehr viel Licht auf den Sensor. Aber da verkürze ich dann lieber die Belichtungszeit, um das wieder auszugleichen, als die Blende zu schließen.

Fotografierst du ein Konzert, wird die Blende aufgesperrt.

Genau. Während des Studiums habe ich ja mehrere Jahre lang ein Musikmagazin geleitet und im Rahmen dessen regelmäßig Konzerte fotografiert. Abgesehen von Open Air-Veranstaltungen haben Konzerte die Eigenschaft, meist recht duster zu sein – zumindest aus Sicht der Kamera. 😉
Ein lichtstarkes Objektiv sowie eine Kamera, die in Sachen ISO möglichst weit mitgeht, sind da ein Muss.

Motiv

Wenn du denkst, du bist nah dran, geh noch einen Schritt näher ran.

Hmm… kommt auf den Bildaufbau an, denke ich.

Ist es strittig, mach es mittig.

Finde ich ganz und gar nicht. Mittig platzierte Motive wirken schnell langweilig – vor einiger Zeit habe ich ja mal darüber geschrieben, wie du den optimalen Bildaufbau findest.

Unterm Knie schneide nie!

Stimmt! Das wirkt einfach unglücklich:

Urlaub in Blaubeuren 2014

Abgeschnittene Füße sind nicht schön 😉

Vordergrund macht Bild gesund.

Oh ja! Gerade bei Landschaftspanoramas sind das wahre Worte – die wirken einfach viel ansprechender, wenn es auch im Vordergrund irgendein Element wie beispielsweise einen adrett ins Bild ragenden Ast gibt.

Hintergrund nicht kunterbunt.

Jap, sonst lenkt er zu sehr vom eigentlichen Motiv ab.

Belichtungszeit

Nur mit Stativ, da gibts keinen Streit, gelingt die lange Belichtungszeit.

Word! In der Hand kannst du die Kamera einfach nicht lange genug stillhalten, um mehrere Sekunden lang verwackelungsfrei zu belichten. Etwa 1/100s bekommt man gut hin, mit etwas Übung auch 1/60s. Darüber hinaus wird’s fast unmöglich, die Kamera stillzuhalten.

Sternenhimmel

Volle 6 Sekunden lang habe ich hier belichtet – für das menschliche Auge war es stockduster

Für Langzeitbelichtungen brauchst du also ein Stativ oder zumindest einen Untergrund, auf dem du deine Kamera abstellen kannst. Auf diese Weise gelingen dir beispielsweise Fotos vom Sternenhimmel oder auch dynamische Aufnahmen von fließendem Wasser.

Langzeitbelichtung am Bach

Diesen Bach habe ich mit 1/30s fotografiert, damit das Wasser lebendig wirkt

Bildbearbeitung

Ist das Bild nicht wirklich top, hilft Dir auch kein Photoshop.

Joa! Ein kleinerer Fauxpas wie ein hässliches Verkehrsschild im Hintergrund lässt sich leicht wegretuschieren, und in Sachen Aufhellen und Abdunkeln der Tiefen bzw. Lichter kannst du auch verdammt viel drehen. Aber ein komplett verwackeltes Foto oder schlicht ein saulangweiliges Motiv vermag auch Photoshop nicht mehr zu retten.

Fotografierst du deine Bilder roh, bist du beim Bearbeiten darüber froh!

Eine Eselsbrücke aus moderner Zeit: gemeint ist, dass du im RAW-Modus fotografieren solltest. Bei diesen Dateien hast du später in Lightroom & Co. einen größeren Spielraum, was das Bearbeiten angeht, als bei JPEGs.


Ein paar dieser Merksätze finde ich wirklich hilfreich, andere haben mich eher einfach schmunzeln lassen. Wie ergeht es dir da?

Und kennst du noch mehr Eselsbrücken zum Fotografieren? 🙂

Anne Schwarz

Geschrieben von Anne Schwarz

Merry meet! Ich bin 31 Jahre alt und wohne mit meinem Mann, Hund und Katze in einem kleinen Dorf im Bergischen Land. Das ♥ schlägt für die Natur, die Fotografie & das Schreiben. Ich bin viel draußen unterwegs, baue unser eigenes Obst und Gemüse an und tobe mich gern kreativ aus - egal ob mit Papier oder Quellcode. » Magst du mehr erfahren?

23 Kommentare

  1. Ich habe noch keinen dieser Sprüche gehört, aber ich denke, die wenigsten werde ich mir merken können. Aber das meiste hat man ja eh irgendwann verinnerlicht.

    Liebe Grüße

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  2. Mir geht´s da ähnlich wie Tabea,ich kannt nix davon ^^

    Generell versuch ich blitzen zu vermeiden bzw. ruiniert schnell das Bild. Zumindest wenn man so die Standartblitzer nimmt. Dann lieber Stativ wenn´s das Motiv erlaubt oder ne Möglichkeit die Kamera ruhig abzustellen/legen.

    Genau,immer mittig ist langweilig. Mach das auch immer vom Motiv abhängig bzw. was ich vorhabe. Und versuche auch nix abzuschneiden *g* Manchmal passiert´s halt,dann ist es eben für die Tonne und man kann´s nicht mehr ändern. Aber digital ist das ja nicht sooo das Drama. Analog waren/sind vermasselte Fotos etwas dramatischer ^^

    Was heißt „top“ Also bei manchen Fotos hilft wirklich kein Photoshop mehr ^^ Genau das gleiche gilt für Kameras. Was nützt die beste Software und Kamera,wenn der der hinter steht keinen Blick und Umsetzung für Fotos hat. Da kann weder Hard noch Software etwas retten. Und mancheiner haut mit der kleinsten,simpelsten Mini-Kamera die tollsten Bilder raus.

    L.G
    Blackmoon

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    • Jap, und wenn Blitz, dann einer zum Aufstecken, den man mitsamt Diffusor gegen die Decke o.Ä. richten kann und damit nicht ganz so krasse Schatten verursacht… witzigerweise habe ich seit einer halben Ewigkeit nicht mehr mit dem Aufsteckblitz gearbeitet und vermisse ihn auch null.

      Das stimmt – die Technik kann gute Fotos nur unterstützen und einem mehr Spielraum geben. Ich erinnere mich, vor ein paar Jahren mal einen Fotokalender gesehen zu haben, wo jemand mit einer ganz, ganz einfachen Lochkamera den Jakobsweg oder so fotografiert hatte – und obwohl die Technik natürlich extrem einfach war, sahen die Motive trotzdem toll aus.

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  3. lustig, die meisten kannte ich gar nicht. und eine schöne idee – google freut sich bestimmt über diesen artikel 🙂 einige dinge macht man finde ich ganz intuitiv – klar, langzeitbelichtung ohne stativ (wobei ich zugebe, dass ich manchmal die kamera auch einfach wo ablege, weil ich tendenziell ohne stativ unterwegs bin). menschen unter dem knie abschneiden – sagt das gefühl, dass das seltsam aussieht. bei vielen anderen kommt es einfach drauf an, denke ich – da kamen wir zu ähnlichen schlüssen 🙂

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    • Mal schauen, ob Tante Google bzw. Googelnde den spannend finden… ich muss gestehen, dass ich außer für die Recherchen zu diesem Artikel noch nie nach Eselsbrücken gegoogelt habe, die hab ich eigentlich immer durch Zufall irgendwo aufgeschnappt. 😉

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        • Oh ja! 😀 Früher gab es doch auf ein paar Blogs immer diese Beiträge über „Absurde Suchbegriffe, die Leute hergeführt haben“… die fand ich immer herrlich amüsant. Mittlerweile scheint Googles Algorithmus besser geworden zu sein, meine Suchbegriffe passen immer zu den Artikeln. ^^

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  4. Coole Sprüche! Ich kannte die gar nicht aber sind super Merkhilfen und ich fand deine Kommentare dazu auch sehr spannend zu lesen 🙂
    Liebe Grüße
    Caro von ouiouimarie.de

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  5. „Geht im Sucher keine Sonne auf, hast du noch den Deckel drauf.“ Die Leute mit Sucherkamera werden das mit dem Deckel dann nicht so schnell feststellen 😉

    „Bei Kind und Tier, nimm Blende 4.“ Stimmt für Spiegelreflexkameras – aber diese ganze Minisensoren … Je kleiner der Sensor, desto mehr Schärfentiefe hat die gleiche Blende, bei gleicher Brennweite und Entfernung – ist also nicht so einfach von Kamera auf Kamera zu übertragen und stimmt daher nur bedingt.

    „Für Schärfe ohne Ende, nimm die kleinste Blende.“ Ab einer Blende X kreuzen sich die Kurven der zunehmenden Schärfe die man durch das Schließen der Blende erreich mit der Beugungsunschärfe die durch das immer kleiner werdende Loch entsteht. Pech – ab da wird eine zunehmende Blende auch wieder Unschärfe ins Bild bringen 🙂 Nur beim Makro – da darfst Du blendentechnisch in die Vollen gehen. Stimmt also auch nicht so ganz …

    Als diese Eselsbrücken entstanden sind, gab es Kleinbild und Mittelformatkameras mit Film … daher kann das bei der Vielfalt der heutigen Kameras schon abweichen…

    Wenn heute Leute blitzen, dann haben sie entweder einen Blitz und kennen sich aus oder ein Automatikprogramm aktiv, bei dem man den Blitz nicht ausschalten kann. Der Moment, wo Leute mit einer Kompakten zum Beispiel den Kölner Dom mit Blitz ausleuchten wollen 😉 Kann nur in die Hose gehen 😉

    Ich merke mir lieber, wie es richtig geht und warum und dann braucht man auch keine Brücken, dann kann man sich immer wieder alles herleiten und erklären.

    Motivprogramme sind ja ähnlich – die Leute stellen da was ein, was in der Kamera hinterlegt ist. Eine Bekannt schaute mal auf meine MK II und sagte dann ganz verdutzt. Da oben an dem Rad – da ist kein Landschaftssymbol und keines für Menschen. Kannst Du damit gar keine Landschaft fotografieren? So hatte ich das bisher noch nie gesehen – offensichtlich kann diese Kamera das alleine nicht! Und stimmt – man kann es dann nur, wenn man die Zusammenhänge versteht und selber einstellen kann.

    Du schreibst: „Etwa 1/100s bekommt man gut hin, mit etwas Übung auch 1/60s. Darüber hinaus wird’s fast unmöglich, die Kamera stillzuhalten.“ Das mag für Dich richtig sein.
    Wie lange die Belichtungszeit sein kann liegt 1. an der Brennweite in Verbindung mit der Sensorgröße und an jedem selber. Ich habe gestern noch 50 mm mit 1/6 – 1/8 – 1/10 Sek. fotografiert – und ist ok. Bei 24 mm reichen an der Kleinbildkamera auch 1/24 Sek. bei 600 mm sollte es dann schon 1/600Sek. sein. Die meisten Kameras bieten heute einen Verwacklungsschutz, der noch längere Verschlusszeiten unterschützt ohne das die Bilder verwackelt sind. So pauschal lässt sich das halt einfach auch nicht sagen. Das muss auch jeder für sich selber ausprobieren. Ich verwackle mit einer kleinen Kamera z.B. auch mehr als mit meiner schweren Vollformat – einfach mal ausprobieren! Und auch mal auf die Haltung beim Fotografieren achten.

    Daher ausprobieren, weniger auf Sprüche hören und einfach mal machen. Heute ist es ja digital und kann sofort wieder gelöscht werden. Mehr hinterfragen und versuchen mehr zu verstehen als Dinge einfach so hinzunehmen. „Die Sonne lacht nimm Blende 8“ – Warum? Was passiert, wenn ich es nicht tue? 8-16-4 wo liegt denn der der Unterschied? Zu viele Regeln beschränken auch die Kreativität.

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    • Stimmt, die Beugungsunschärfe setzt auch irgendwann ein… ich muss gestehen, dass ich in 99% der Fälle mit Offenblende arbeite und das gar nicht auf dem Schirm hatte. Danke für die Ergänzung!

      Jaaah, die „Ich muss blitzen, weil ich nicht weiß, wie ich das an meiner Kamera ausschalte“-Fraktion ist bei Musuemswärtern & Co. immer sehr beliebt. 😉

      Gnihihi, natürlich kann die Kamera dann ohne entsprechendes Motivprogramm keine Landschaften aufnehmen… sehr schön. Made my day. 😀

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  6. Den Artikel finde ich echt gelungen. Er hat mich zum lachen und schmunzeln gebracht! 😀

    Solche Eselsbrücken kenne ich gar nicht. Ich versuche meistens einfach aus meinen Erfahrungen zu lernen oder probiere mich einfach ein bisschen aus und hoffe dann beim nächsten mal es wieder hin zu bekommen.

    Mit Blitz fotografiere ich tatsächlich nie. Ich finde Blitzfotos einfach schrecklich und kann gar nicht nach vollziehen wie manche für fast alles den Blitz nutzen. Gruselig.

    Lieben Gruß, nossy

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    • Ausprobieren ist eh der beste Weg, um etwas zu lernen! Vor allem weißt du dann auch direkt, welche Auswirkung es hat, wenn du etwas anders machst. 🙂

      Ich glaube, die meisten Blitzfotos entstehen unabsichtlich bzw. aus Unwissenheit bei den typischen Touri-Fotos… jetzt mal abgesehen vom gezielten Blitzen im Studio.

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  7. Nette Liste! Die, die ich kannte, waren alle dabei, am nützlichsten finde ich immer noch „Bei Kind und Tier, nimm Blende 4“. Spannender finde ich allerdings, dass du mal ein Musikmagazin geleitet hast – wie cool! Magst du da mal was drüber erzählen? Deine Foto-Erfahrungen kann ich auf jeden Fall bestätigen, habe ein paar Jahre im Sommer Festivals fotografiert und selbst da, wo ja wirklich dicke Technik aufgefahren wird, ist es einfach schwierig zu fotografieren. Allerdings sind dort auch meine coolsten Fotos entstanden. Jedenfalls werde ich mein 50mm 1,8 nie wieder hergeben…

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    • Ja, kann ich gerne mal machen. 🙂 Ich hab hier in den Entwürfen eh noch einen alten Artikel mit Tipps zur Konzertfotografie herumzuliegen, den kann ich dafür eigentlich mal überarbeiten und veröffentlichen. 🙂

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  8. Hihi, das sind aber lustige Merksätze! Ich komme ja bis heute noch immer etwas mit der Belichtungszeit durcheinander. 😀

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    • Im Zweifelsfall hilft da Ausprobieren, finde ich. Bis es einem irgendwann in Fleisch und Blut übergegangen ist, bei welchem Licht / ISO, welcher Blende und welchem Motiv welche Belichtungszeit passt. 😉

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