Konzertfotografie

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Konzertfotografie – Tipps und Erfahrungen

Während des Studiums stand ich damals vor einem klassischen Studentenproblem: ich hatte nur wenig Geld zur Verfügung, wollte aber unbedingt auf Konzerte und Festivals gehen. Nun hätte ich kellnern können oder so, um das Geld für die Tickets zusammenzubekommen. Bei meinem Talent zum Umschmeißen, Verschütten und Fallenlassen wäre das aber vermutlich keine sonderlich steile Karriere geworden. 😀

Stattdessen besann ich mich auf das, was ich ganz gut kann: Schreiben und Fotografieren. Warum also nicht im Auftrag eines Musikmagazins über Konzerte berichten und im Gegenzug freien Eintritt erhalten?

Letzte Instanz @ Amphi 2013

Letzte Instanz (2013)

Das machte ich denn auch – zuerst kurz zusammen mit jemand anderem und dann gründete ich mein eigenes Online-Magazin BlackLive, das von 2007 bis 2012 existierte. Dafür bin ich kreuz quer durch die Republik gefahren und durfte unzählige Konzerte und Festivals fotografieren. Das war schon eine coole Zeit! 🙂
Als ich in Vollzeit zu arbeiten begann und wir das Hundetier adoptierten, rückten das alles in den Hintergrund und seitdem komme ich nur noch sehr selten in den Genuss, mal wieder ein Konzert zu shooten.

Damals hatte ich mal einen Artikel mit Tipps und Hinweisen rund um die Konzertfotografie getippt, der durch meine Blogumzüge erstmal in der Versenkung verschwand. Als der Konzertheld und ich neulich aber hier in den Kommentaren mal auf das Thema Konzertfotografie kamen, versprach ich, den Beitrag auszugraben – here we are. 🙂

Wie gesagt, meine Zeit als Konzertfotografin ist nun schon ein Eckchen her (immerhin bin ich seit sechs Jahren mit der Uni fertig… Kinners, wie die Zeit vergeht!),  aber das meiste rund um Akkreditierung & Co. dürfte auch heute noch gelten.

In diesem Sinne – viel Spaß beim Lesen! 🙂

Konzertfotografie: New Model Army @ M’era Luna 2012

New Model Army (2012)

Wenn ich irgendwo meine Konzertfotos zeige, kommen oft Fragen auf wie:

  • Hast du die Bilder vom Publikum aus aufgenommen oder vom Fotograben?
  • Wie kommt man in den Fotograben / wann bekommt man einen Fotopass?
  • Was muss man als akkreditierter Fotograf beachten?
  • Welche Kamera und welche Objektive braucht man für die Konzertfotografie?

Im Folgenden werde ich auf diese Fragen eingehen. 🙂

Letzte Instanz (2013)

Letzte Instanz (2013)

Darf ich auf Konzerten einfach so fotografieren?

Üblicherweise darfst du auf Konzerte nur Handys und Kompaktkameras mitnehmen, also keine Spiegelreflexkameras und meistens auch keine Bridgekameras. Es gibt einige wenige Ausnahmen, mir selber sind da das Blackfield-Festival und das Amphi-Festival bekannt. Hier darf jeder Besucher alles an Fotoausrüstung mitschleppen, was er tragen kann 😉 , und vom Publikum aus fotografieren.

Ansonsten brauchst du einen Fotopass, sprich, du musst als Fotograf akkreditiert werden.

Diary of Dreams @ Amphi-Festival 2013

Diary of Dreams (2013)

Wie läuft das mit der Akkreditierung?

Einen Fotopass erhältst du, wenn du für eine Zeitschrift oder ein Onlinemagazin fotografierst und somit einen Redaktionsauftrag hast. Einen Presseausweis benötigt man in der Regel nicht – zumindest habe ich bei meinen Akkreditierungen über BlackLive nie einen gebraucht.

Erkundige dich bei einschlägigen Medien, ob sie Interesse an einem Konzertfotografen haben. Du solltest natürlich über eine entsprechende Ausrüstung verfügen und idealerweise bereits Referenzen vorweisen können. Bedenke, dass die wenigsten Redaktionen jemanden für eine einmalige Aktion ins Boot holen wollen, sodass du als festes Redaktionsmitglied etliche Zeit in Vorberichte investieren wirst, in die Konzerte selber, die Bearbeitung der Bilder und das Veröffentlichen.

In Extremo @ Siegburg, 13.12.2011

In Extremo (2011)

Stichwort Vorberichte: üblicherweise veröffentlicht man einen Vorbericht mit einigen Infos zur Band, der Tour mitsamt Tourdaten und gegebenenfalls der aktuellen Platte. Ein Belegexemplar bzw. ein Link zum Vorbericht gehören dann in die Akkreditierungsanfrage an den Veranstalter des Konzerts, zusammen mit deinem Namen, dem Namen und Ansprechpartner des Mediums und einer Angabe, wann die Fotos bzw. der Konzertbericht veröffentlicht werden.

Die Akkreditierungsbestätigung solltest du dir unbedingt ausdrucken. Die Presseliste am Einlass ist nicht immer aktuell, sodass du dir mit einem Ausdruck einige Herumtelefoniererei ersparen kannst. 😉

Funker Vogt @ Amphi-Festival 2013

Funker Vogt (2013)

Bevor es losgeht: eine Checkliste

Pack deine Kamera ein, deine Objektive und kontrolliere deine Ausrüstung:

  • Ist eine Speicherkarte eingelegt?
  • Hast du Ersatzspeicherkarten dabei? Sind alle leer?
  • Sind die Akkus in der Kamera geladen?
  • Ersatzakkus eingepackt?
  • ein weiches Tuch zum Reinigen der Linse
  • ein Stift samt Notizblock – sofern du einen Konzertbericht schreiben wirst
  • die Akkreditierungsbestätigung
  • Ohrenstöpsel! Du stehst unmittelbar vor den Boxen, ruinier dir nicht die Ohren (jaja, klingt oberlehrerhaft, ist aber wahr 😉 )
  • Handy, Portemonnaie, Taschentücher, … das Übliche eben

Zieh dir etwas Dunkles an. Mit weißer Kleidung leuchtest du wie ein Weihnachtsbaum, und das willst du nicht. Als Fotograf solltest du möglichst unsichtbar sein.

Stahlmann @ Amphi-Festival 2013

Stahlmann (2013)

Vor Ort

Je nach Location gibt es einen eigenen Presseschalter, sodass du dich nicht in die Schlange am Eingang stellen musst. Teilweise erhält man einen schnieken, laminierten Fotopass für’s Lanyard, teilweise einen Stoffaufkleber oder ein spezielles Bändchen – oder auch gar nichts.

Konzertfotografie: Fotopässe

Wenn es einen Fotograben gibt, also einen abgetrennten Bereich zwischen Bühne und Publikum, kannst du die Sache entspannt angehen. Guck rechtzeitig, auf welcher Seite der Bühne sich der Eingang zum Graben befindet.
Sofern kein Graben vorhanden ist, bist du gut damit beraten, rechtzeitig vor Ort zu sein und dir einen Platz am vorderen Bühnenrand zu sichern. Guck, wo das Mikro steht, und platziere dich nicht direkt davor. Andernfalls wird es auf deinen Fotos das Gesicht des Sängers verdecken.

In der Regel darfst du während der ersten drei Songs in den Graben.
Je nach Veranstalter und Band musst du die Kamera danach für den Rest des Konzerts abgeben oder musst sogar die Halle verlassen. Meistens geht es aber recht locker zu und du stellst dich dann halt irgendwo an die Seite. Kläre am Einlass, ob du während des restlichen Konzert aus dem Publikum fotografieren darfst, dagegen haben viele Veranstalter nichts.

Megaherz @ M’era Luna 2012

Megaherz (2012)

Verhalten im Fotograben

Es ist soweit: das Licht geht aus, die ersten Takte erklingen und die Security winkt die Fotografen in den Graben.

Deine Tasche platzierst du am besten an der Seite an einer Stelle, wo niemand drüberfällt. Gerade, wenn es im Graben eng ist, stört sie dich und die anderen Fotografen ansonsten.

Es gibt eine eiserne Grundregel, an die du dich bitte hältst: nicht blitzen!
Für die Musiker ist Blitzlicht direkt vor ihrer Nase verdammt irritierend, und auch den anderen Fotografen versemmelst du damit die Bilder.

Nimm Rücksicht auf die anderen Fotografen. Sprich: wenn du von A nach B willst, duck dich und laufe niemandem durchs Bild. Wenn du einen Superplatz erwischt hast, mach deine Bilder und dann lass auch mal jemand anderen an diese Stelle. Schubs nicht, tritt nicht, … sei halt nett. 😉

Welche Kamera? Welches Objektiv? Und welche Kamera-Einstellungen?

Meistens sind Konzerte eher dunkel. Du brauchst also hohe ISO-Werte und demzufolge eine Kamera, die auch jenseits der ISO 1000 noch annehmbare Bilder liefert. Mit der Canon 350D habe ich oft geflucht, mit der 40D war ich zufrieden und mit der 5d Mk III* ist es ein Traum. 😉

Die wenigsten Musiker stehen ganz still da, sodass du die Belichtungszeiten entsprechend anpassen musst. Mit 1/160s als Einstieg bist du meistens gut beraten.

Oomph! @ Blackfield-Festival 2010

Oomph! (2010)

Für das Objektiv ist das entscheidendste Kriterium seine Lichtstärke: weniger als f/2.8 sollte es nicht haben.Auch die Geschwindigkeit und Treffsicherheit des Autofokus sind wichtig.
Ein Tipp für die Canon-Fraktion ist da das 50mm f/1.8*, was bereits für rund 100 Euro zu haben ist. Ich selber schwöre auf das Tamron 28-75mm f/2.8* sowie als Teleobjektiv auf das Sigma 70-200mm f/2.8*. Beide Objektive gibt es sowohl für Kameras von Canon, als auch von Nikon und Sony.

Jenseits von funzeliger Bühnenbeleuchtung bringen Konzerte oft ein paar weitere Tücken mit sich:

  • Stroboskoplicht. Hell-dunkel-hell-dunkel in Sekundenbruchteilen. Bei sowas wähle ich eine sehr kurze Verschlusszeit gemäß der hellen Phasen und setze auf die Serienbildfunktion – zumindest die Hälfte wird dann was.
  • Nebel. Sieht toll aus, wenn er hinter den Musikern aufwallt und vielleicht sogar bunt angestrahlt wird. Sobald er den Leuten vor dem Gesicht herumwogt, kannst du scharfe Fotos vergessen. Hier hilft dann in der Regel nur noch die anschließende Bildbearbeitung, um Kontraste in das Bild zu bekommen.
  • Rotes Licht. Der Feind aller digitalen Kameras, rotes Licht ergibt nämlich schnell Pixelmatsche. Bisweilen rettet es ein Bild, wenn du es in schwarz/weiß konvertierst.
  • Gar kein Licht. Gibt es auch zuweilen. 😀 Da kannst du dann getrost die Kamera runternehmen und die Musik genießen.
Konzertfotografie: Battlelore @ Summer Breeze 2009

Battlelore (2009)

Und sonst so…

Was klar sein sollte: veröffentliche keine Fotos, auf denen die Musiker unvorteilhaft aussehen. Belämmerter Blick, fliegende Speicheltropfen, Dreifachkinn – Outtakes können witzig sein, aber stell niemanden bloß. Du willst ja schließlich auch noch ein nächstes Mal akkreditiert werden.

Nachdem ich dezent überrascht war, auf wie vielen Webseiten die Google-Bildersuche überall meine Fotos zu Tage förderte, habe ich mir vor einigen Jahren angewöhnt, Fotos grundsätzlich nur noch mit Wasserzeichen ins Internet zu stellen. Traurig aber wahr ist, dass man Bilderklau nicht verhindern kann. Und zu dem Kosten-Nutzen-Faktor hinsichtlich Geld und Zeit bei rechtlichen Schritten gegen irgendeine Fanseite von Teenagern, die Fotos zusammenklauben ohne einfach mal zu fragen, darf sich auch jeder seine eigenen Gedanken machen. Daher habe ich da irgendwie resigniert und knall halt mein Wasserzeichen drauf und entsprechende EXIF-Daten in die Datei, dann ist es wenigstens Werbung für die Seite.

Zur häufig gestellten Frage, ob du deine Konzertfotos dann später verkaufen darfst, verweise ich mal auf Martin Black.
Der ist ein großartiger Fotograf, hat auf YouTube einige Videos rund um die Konzertfotografie eingestellt und ist in natura noch sympathischer als in den Videos.

Und noch ein kleiner Tipp, sofern du nicht nur zum Fotografieren vor Ort bist, sondern auch einen Konzertbericht schreiben wirst: versuche, ein Foto von der Setlist zu machen. In der Regel klebt so ein DIN A4-Zettel mit einer Liste aller gespielten Songs irgendwo am vorderen Bühnenrand, wo die Musiker ihn sehen können. Das erleichtert dir nachher das Schreiben.


Ich hoffe, mit diesem Beitrag habe ich deine brennendsten Fragen zur Konzertfotografie beantwortet! 🙂

Hast du schon mal ein Konzert geshootet? Welche Tipps kannst du noch ergänzen?

Anne Schwarz

Geschrieben von Anne Schwarz

Merry meet! Ich bin 31 Jahre alt und wohne mit meinem Mann, Hund und Katze in einem kleinen Dorf im Bergischen Land. Das ♥ schlägt für die Natur, die Fotografie & das Schreiben. Ich bin viel draußen unterwegs, baue unser eigenes Obst und Gemüse an und tobe mich gern kreativ aus - egal ob mit Papier oder Quellcode. » Magst du mehr erfahren?

27 Kommentare

  1. Ein super interessanter Post. Und ich muss auch sagen die Bilder sind echt der Wahnsinn, hab vorher noch nie so gute Konzertfotos gesehen, wirklich nicht. Die Sache mit dem Blitz. 😀 Ich muss immer in mich reingrinsen wenn sie alle sei es auf Konzerten oder bei anderen Sachen wo man lieber keinen Blitz verwenden sollte, mit Blitz fotografieren und sich dann wundern dass das Bild nix wird.
    Aus deinem Artikel geht finde ich auch klar hervor, das sowas nicht jeder machen kann. Da braucht man schon richtig gute Fotografie Kenntnisse und mir wird wieder einmal klar wie wenig ich als Amateurfotografin über Fotografie weiß. 🙁
    Liebe Grüße,
    Nina

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  2. Hach, deine Konzertbilder sehen sooo klasse aus. Wirklich welche von den besten, die ich je gesehen habe!!
    Und danke für die tollen Tipps. Ich würde zwar mal sehr gerne mich im Fotograben versuchen, aber dazu fehlt mir auch etwas an Ausrüstung und ja, auch Zeit, so etwas dauerhaft zu machen.
    Vielleicht, eines Tages mal… 🙂

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  3. Danke für den Artikel, ich hab schon immer überlegt wie man an sowas rangehen könnte, dein Artikel hat einen schonmal weiter gebracht 🙂

    Nur gleich die nächste Frage, viell hast du da auch Erfahrung…wie funktioniert das ganze im Fußballstadion ? Ist es da das gleiche Prinzip, oder ist es da doch nur für die Presse exklusiv ? Wobei, ich hab ja mal Fotos beim Fußball von dir gesehen. Wäre dir dankbar wenn du mir da noch helfen könntest 🙂

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    • Uff, von Fußballstadien hab ich (noch) keine Ahnung. ^^ Die Spiele, die ich bislang fotografiert habe, fanden in einem kleineren Rahmen statt. In den unteren Ligen sollte es aber nicht sonderlich schwer sein, eine Akkreditierung zu bekommen, schätze ich.

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      • Mir geht es jetzt auch nicht um die Bundesliga, sondern 3. bzw. 4. Liga. Also einfach mal nachfragen, vielleicht kann einem ja jemand etwas sagen, ich versuch mal mein Glück 😉

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  4. Pingback: Konzertfotografie – die Band ins recht Licht gerückt | your-foto.de

  5. Ach, wie wunderbar, dass gleich meine Lieblings-Band Combichrist als Beispiel verwendet wird. 🙂
    Toller und umfangreicher Bericht.
    Nun ja, es sieht so aus, als ob mein Traum von der Konzertfotografie dieses Jahr an den unerfüllten Zusagen anderer scheitern wird.
    Schade, denn gerade Combichrist hätte ich zu gern mit meiner Canon abgelichtet und nicht immer nur mit einer schlechten Kompakt.
    Deshalb würde es mich wirklich interessieren, wie man denn den Kontakt zu Magazinen findet und darüber die Chance hat, sich akkreditieren zu lassen.
    Danke vorab und vielleicht sieht man sich beim nächsten Amphi. Ich bin da. 🙂

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    • Hallo Dagmar,
      mh, ich habe mich nie über „fremde“ Magazine akkreditiert, sondern hatte mit BlackLive halt mein eigenes Magazin. Ich würde dir empfehlen, dich mit ein paar Arbeitsproben einfach mal initiativ bei verschiedenen Magazinen zu bewerben – neben den großen Printmagazinen wie Zillo, Sonic Seducer & Co. ruhig auch bei Online-Magazinen.

      Beim Amphi bin ich dieses Jahr nicht, aber viel Spaß dir! 🙂

      Liebe Grüße

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  6. Ah sehr cool! Da sind viele wertvolle Tipps bei und du hast offenbar so einiges erlebt, was ich auch kenne. =D Ich hab ja fast nur Festivals fotografiert, da ist es meist entspannter, sowas wie Kamera abgeben hab ich noch nicht erlebt, dafür aber so Scherze wie „Fotografieren nur vom Technikturm! Tele-Objektive sind verboten.“ Naja, geile Crowdfotos.

    „Konzerte sind meistens eher dunkel“ – hehe, ja. Schön, dass du darauf hinweist, auch mal aufzugeben, wenn nix zu holen ist. An der Auswahl der Bands sehe ich, du hast auch bevorzugt Bands fotografiert, die du zumindest einigermaßen gerne hörst. Allerdings sind kommerzielle Konzerte doch meistens (nicht immer) sehr dankbar, was Licht angeht, zumindest ist es anständig hell – in irgendwelchen Jugendclubs gilt auch gerne mal: Wir haben doch hier diese 4er-LED-Bar… mit 50 Watt.

    Ich habe mich auch sehr über deinen Kommentar zum Umgang mit anderen Fotografen gefreut. Socialisen liegt mir null, aber in der Regel waren das doch alles freundliche Leute, wenngleich man von manchen als Online-Mensch oder einfach weil man jung ist schief angeguckt wird. Hingegen hat ausgerechnet ein Profi der dpa mit einer irre dicken Kamera mir einen Rat gegeben, der mein Ego daraufhin gegen alle doof guckenden verteidigt hat, und das rate ich auch allen, die sich auch an Konzertfotografie versuchen: Fühl dich nicht lächerlich, nur weil deine Ausrüstung nicht riesig ist. Natürlich braucht man eine anständige Kamera, mit dem Smartphone gehört man nicht in den Fotograben. Aber besagter dpa-Mensch hat mal die Ärzte mit ner Kompaktkamera fotografiert – weil die wasserdicht war und es unfassbar geregnet hat. Das fand ich einfach sehr cool, wie der da sitzt mit seinen irgendwas-50 Jahren, weißem Bart und 5000€-Kamera, und meint so, ist doch egal.

    Hast du übrigens irgendeinen Rat zum Thema LED-Licht? Das finde ich im Allgemeinen noch viel viel schlimmer als rotes Licht. Durch das schmale Spektrum hat man da einfach keine Chance.

    Oh und… mein Lieblingsfoto ist das von Megaherz. Sehr geil. 🙂

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    • Haha, ja, solche abstrusen Anweisungen hab ich auch ein paar Mal erlebt. Die Fotos sind entsprechend geworden und man darf sich fragen, wie herzlich sich die Bands später wohl beim Veranstalter bedankt haben… 😀

      Mhm, mir ging es halt in erster Linie immer darum, die Bands zu shooten, die ich auch sehen / hören mag. Und dafür habe ich dann lieber nicht ganz so optimale Lichtbedingungen in Kauf genommen als bei irgendeiner Veranstaltung zu sein, bei der ich am liebsten drei Paar Ohrenstöpsel gleichzeitig getragen hätte. 😉

      Wobei ich so richtig kleine Bühnen à la Schulaula zum Fotografieren aber auch blöd finde, nicht nur des Lichts wegen, sondern auch wegen der Atmosphäre. Aber lustig können so kleine Auftritte echt sein – mein Favorit: es spielte eine recht unbekannte Metalband, das Publikum bestand aus mir, der Freundin des Sängers und einem Kumpel des Bassisten. Es war tatsächlich in einem Jugendclub, wo es keine Getränke gab. Mitten im Auftritt nach einem Song brüllt der Kumpel: „EH! Könnt ihr mal grad warten? Mein Bier ist leer!“ – Die Band grinst, hört auf zu spielen, der Kumpel marschiert zum Kiosk gegenüber, holt Bier für alle und dann konnte es weitergehen. 😀

      Die Geschichte mit der Kompaktkamera ist gut. 😀 Und Recht hat er. Bei einigen ist das Fotografieren im Graben auch so eine Art Schaulaufen… ganz ehrlich, in so einem engen Bühnengraben häng ich mir doch nicht drei DSLRs + Tasche + mehrere Objektivhalfter um, so viel Platz zum Hantieren ist da gar nicht und ständig knallt man irgendwem eine Kamera ans Knie oder bleibt mit irgendeinem Riemen an einem Gitter hängen… weniger ist mehr.

      LEDs sind tricky – da hilft imho nur jede Menge Rumfuppeln an den Lichtroom-Reglern (manueller Weißabgleich, die einzelnen Farbkanäle separat nachziehen und, wenn alles nix mehr hilft, teilweise auch einfach ein S/W draus machen).

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      • Man mag gar nicht glauben, wie viele abstruse Anweisungen tatsächlich von der Band kommen und nicht vom Veranstalter. Bei Festivals ist es üblich, dass für die Headliner gesonderte Verträge unterschrieben werden müssen, die von der Band oder deren Management kommen und einem typischerweise etliche Rechte wegnehmen und Pflichten auferlegen. Ich war da sehr froh, dass meine Redaktion gleich am Anfang gesagt hat, dass wir nichts unterschreiben sollen, was uns nicht passt, und dass es dann eben keine Fotos gibt. Manchmal hat man darüber aber sogar mehr Rechte bekommen (mehr Songs, meistens).

        Die Geschichte mit dem Bier ist geil. 😀 Das toppt auch meine Lieblingsgeschichte, wo wir auch mal nur zu viert im Publikum waren.

        Und jo stimmt, in die Richtung hatte ich gar nicht gedacht, dass manche ja auch mehrere DSLRs anschleppen und Scheiß… das bringt’s halt einfach nicht. Es gibt eh bloß wenig, was live gut funktioniert, mir fallen gar keine drei Objektive ein, die sich für die selbe Art Veranstaltung eignen, die ich auf drei DSLRs schrauben könnte. 😀

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        • Ja, sowas hatte ich bspw. bei Placebo… Freigabe vor der Veröffentlichung der Fotos und Publikation nur in diesem einen Artikel in diesem einen Magazin. Tja, wenn’s denn sein muss…

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  7. Hey, toller Artikel und wahnsinns Fotos.

    Ich fotografiere auch mit einer 40D und einem f/2.8 von Tamron . Das Problem bei Konzertfotos ist, dass ich die ISO auf 800 schrauben muss, damit sie richtig belichtet sind. Allerdings werden mir die Bilder bei der hohen ISO dann doch schon wieder zu matschig. Irgendwie bin ich damit unzufrieden, umso erstaunter war ich als ich deine Bilder gesehen habe.
    Hast du ansonsten noch Tipps?

    Antworten

    • Ja, ich kenne das Problem. 😀
      Teilweise kann man die Bilder nachher in Lightroom / Photoshop noch etwas ent-matschen: etwas an der Klarheit drehen, ein bisschen die Kontraste erhöhen, auf alles außer dem Gesichtsbereich Rauschreduzierung und im Gesicht gezielt die Augen etwas nachschärfen.
      Ein paar der Fotos hier in dem Artikel sind halt auch auf Festivals bei Tageslicht entstanden und generell verzeiht die MK III deutlich höhere ISO-Bereiche.

      Antworten

      • Ja klar, aber im Grunde bleibt ein matschiges Foto matschig.
        Dass die MK III da besser aufgestellt ist ist natürlich klar, aber die ist halt vom Preis her nicht drin^^
        Danke für deine Bemühungen

        Antworten

  8. Ich finde deine Konzertfotos echt Hammer! Und deinen Beitrag auch sehr interessant.
    Selbst wäre Konzertfotografie net so mein Ding, ich fummle dafür viel zu viel an der Kamera herum, bis ich die passende Einstellung gefunden habe. Bis ich fertig wäre, wäre das Konzert sicher schon vorbei 😁
    Da bleibe ich dann lieber beim Konzertrocken 🤘und betrachte dafür lieber deine tollen Fotos 😉

    Lieben Gruß, nossy

    Antworten

    • Haha, ja… das ist witzigerweise tatsächlich so, dass ich beim Fotografieren nicht viel von der Musik mitbekomme. Selbst bei Bands, deren Repertoire ich in- und auswendig kenne, bin ich dann manchmal nach den drei Songs aus dem Graben gegangen und hab mich gefragt… ehh… was hatten die jetzt gerade eigentlich gespielt?! 😀

      Da frag ich mich, wie das für die Handy-hochhalt-Fraktion ist, die ganze Konzerte vom Publikum aus mitfilmt oder -fotografiert…

      Antworten

  9. Hallo Anne,
    wirklich klasse Fotos!
    Den Text finde ich sehr interessant und die Kommentare (warten auf das Bier) 1 A. Solltest du vielleicht auch mal ein Artikel aus solchen Begebenheiten machen.

    Viele Grüße
    Dirk

    Antworten

  10. Wirklich ein interessanter Artikel. Ich hoffe ja, dass ich auf dem Hessentag dieses Jahr auch Konzerte fotografieren darf. Allerdings ist mein Objektiv vielleicht gar nicht Lichtstark genug 🙁

    Liebe Grüße

    Antworten

    • Ich drück dir die Daumen! 🙂
      Finden die Konzerte auf dem Hessentag denn draußen bzw. bei Tageslicht statt? Dann kommst du auch mit weniger lichtstarken Objektiven gut hin.

      Liebe Grüße
      Anne

      Antworten

  11. Hallo Anne!

    Das sind großartige Fotos! Wie konnte mir dies Posting bisher nur entgehen?

    Ich hab keine Ahnung, wann ich endlich mal wieder ein Konzert besuchen werde (ich bekomme das hier immer zu kurzfristig mit, und dann stürzen sich alle Westler drauf und *oops, ausverkauft*, und ich werde mich vermutlich auch nicht akkreditieren lassen (können), schon gar nicht hier in Peking. In Hamburg hab ich immer nur aus der Crowd mit dem Handy geknipselt, entsprechend sieht’s aus… Aber da permanent mitfilmen? Wie soll man dabei dann mitgehen, das geht doch gar nicht! 🙂 Als ich es bei Apocalyptica mal in die erste Reihe geschafft hatte, war ich so geflasht, dass ich überhaupt gar nicht ans Fotografieren gedacht hab. 🙂

    Trotzdem ist dein Artikel hilfreich für mich, weil ich deine Tipps auch für die Fotografie bei Schulaufführungen hier anwenden kann – dankeschön! 🙂

    LG aus Peking
    Linni

    Antworten

    • Hallo Linni,

      dann wünsche ich dir schon mal viel Spaß und gutes Gelingen! 🙂

      Gehen bei euch zu den Auftritten westlicher Bands dann tatsächlich hauptsächlich eher Westler und gar nicht so sehr die Einheimischen?!

      Liebe Grüße
      Anne

      Antworten

  12. Pingback: Hessentag - Vorfreude :)

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