Meine Sony alpha 6000

Meine Kamerafamilie ist neulich mal wieder um ein Mitglied angewachsen. 🙂
Hinzugekommen ist die Sony alpha 6000, ihres Zeichens eine Systemkamera, mit zwei Objektiven (16-50mm und 55-210mm).

Wie komme ich denn zu einer Systemkamera?

Erstmal klingt es ja etwas merkwürdig, von einer Vollformat-Spiegelreflex auf eine kleine Systemkamera zu wechseln.

Und ich liebe meine Canon 5D Mk III ja auch. Die Bildqualität ist großartig, insbesondere das Rauschverhalten war damals für mich der Kaufgrund. Es gibt keine Funktion, die an der Mk III vermissen würde. Bloß: das elende Gewicht. Die Mk III nehme ich nicht mal eben so mit, das erfordert immer die XL-Kameratasche und eine ziemliche Schlepperei. Nicht, dass ich das für gute Bilder nicht auf mich nehmen würde, aber mei… ich träumte halt trotzdem von einer leichteren Kamera.

Nachdem ich auf der photokina ja sowohl die Sony alpha 6000, als auch die Kompaktkamera Fuji X100S ausprobiert habe, war meine Wahl eigentlich auf die Fuji (bzw. deren Nachfolgerin X100T) gefallen. Back to the basics, sozusagen, weil hier nämlich ein 35mm-Objektiv fest verbaut ist und das war’s. Klang reizvoll, irgendwie, und würde mich auch nicht mehr in Versuchung führen, einen Haufen Objektive mitzuschleppen.

Also bestellte ich die X100T vor… und wartete… und wartete… und währenddessen überlegte ich hin und her, googelte… der Liefertermin verschob sich von Anfang auf Ende November… und dann entschied ich mich um.

Herbstimpressionen – Schloss Morsbroich in Leverkusen
Sony alpha 6000 & Photoshop

Denn wenn ich mir so meine Bilder ansehe, habe ich viele meiner liebsten Fotos außerhalb der Landschaftsfotografie mit dem Teleobjektiv aufgenommen. Portraits zum Beispiel – gerade bei Feiern und Hochzeiten kann ich es nicht leiden, wenn sich der Fotograf immer zwischen die Leute drängt. Lieber etwas am Rand bleiben und mit einem Tele arbeiten, ohne jemanden zu irritieren. Auch bei der Tierfotografie kommt man oft nicht nah genug heran – weil man die Tiere aufschreckt oder sich ja auch nicht heldenhaft mit der Kamera im Anschlag genau vor ein galoppierendes Pferd werfen will. ^^

Also – langer Rede kurzer Sinn, ich wollte eine kleine Kamera mit der Flexibilität verschiedener Objektive.
Und nach einigem Recherchieren kristallisierte sich die Sony alpha 6000 als klare Favoritin heraus.

Und was genau habe ich mir da jetzt gekauft?

Eine sogenannte Systemkamera, kurz DSLM (digital single lens mirrorless), ist die Sony alpha 6000 also. Heißt: eine handliche Kamera mit Wechselobjektiven, sozusagen die kleine Schwester der Spiegelreflexkameras.

Man kann sowohl durch den elektronischen Sucher blicken, als auch das Display auf der Rückseite des Gehäuses nutzen. Dabei erkennt die Kamera übrigens, sobald sich vor dem Sucher ein Auge befindet, und schaltet ihn erst dann ein. Coole Sache.
Ehrlich gesagt, komme ich mir aber etwas komisch vor, mir so eine verhältnismäßig kleine Kamera vor’s Auge zu halten, weswegen ich lieber das Display verwende. 😉
Selbiges lässt sich übrigens neigen, was ich recht praktisch finde.

Sony alpha 6000
Auch ein schöner Rücken kann entzücken 😉

Richtig begeistert bin ich davon, dass sich die Einstellungen von Blende, ISO und Belichtungsdauer direkt auf die Live-Vorschau auswirken – sowohl, wenn man das Display verwendet, als auch beim Blick durch den Sucher. Das ist vor allem dann hilfreich, wenn man im manuellen Modus arbeitet.

Fokus!

Zuerst was ich etwas irritiert, dass sich die Fokuspunkte – also das, worauf die Kamera scharfstellen soll – nicht auf Anhieb manuell festlegen lassen. Bei der Spiegelreflex bin ich es ja gewohnt, den Fokuspunkt über ein Scrollrädchen schnell anzupassen, um beispielsweise bei einem Portrait auf die Augen scharfzustellen.

Das kann man bei der a6000 zwar auch, aber nur vergleichsweise umständlich: Menü –> Kamera-Einstellungen –> Fokusfeld –> Flexible Spot. Über die Pfeiltasten am Wahlrad auf der Kamerarückseite kann man den Fokuspunkt dann verschieben.

Herbstimpressionen – Sony alpha 6000
Der Autofokus hat brav auf den Vordergrund scharfgestellt (leicht nachgeschärft in Photoshop)

Tatsächlich finde ich die Arbeit mit dem automatischen Fokus deutlich angenehmer: erstaunlicherweise erwischt die Kamera nämlich in 95% der Fälle tatsächlich das, worauf ich fokussieren wollte. Vor allem bei unbewegten Motiven bei ausreichend Licht klappt das hervorragend, auch bei stillhaltenden Menschen und Tieren erkennt die a6000 zuverlässig die Augen, um darauf scharfzustellen. Bei schummerigem Licht und einer herumspringenden Katze hatte ich dann aber doch ziemlich viel Ausschuss, sprich verwackelte Fotos.

Bildeinstellungen

Fotografieren kann man sowohl im JPEG-, als auch im RAW-Modus. Im Falle von JPEGs bietet die a6000 denn auch gleich ein paar Bildeffekte an, beispielsweise für Schwarz-Weiß oder Aufnahmen im Retro-Look. Wenn man keine Lust hat, genau diese Effekte später erst in Lightroom oder Photoshop zu erarbeiten, kann das eine willkommene Sache sein.

Herbstimpressionen
Okay, hier war ein bisschen Photoshop im Spiel 😉

Das Moduswahlrad auf der Oberseite der Kamera erlaubt das Wechseln zwischen den üblichen Verdächtigen:

  • M (manuell)
  • P (Blende und Verschlusszeit werden automatisch angepasst)
  • A (Blendenpriorität – die Blende legt man selber fest, den Rest passt die Kamera an)
  • S (Zeitpriorität – man stellt nur die gewünschte Verschlusszeit ein)
  • Automatik (sowohl “intelligente Automatik”, als auch “überlegene Automatik” – so ganz ist mir der Unterschied noch nicht klargeworden)

Darüber hinaus gibt es allerdings noch weitere Optionen:

  • MR (Aufnahme mit vorgewählten Einstellungen, die man im Menü speichert)
  • SCN (Voreinstellungen für verschiedene Szenen wie Sport, Nachtaufnahmen etc.)
  • Panorama
  • Über eine Videofunktion verfügt die Kamera ebenfalls, mit der habe ich mich aber noch nicht wirklich beschäftigt.
Sony alpha 6000 mit SELP1650
Die Sony alpha 6000 mit dem Objektiv SEL-P1650

Insgesamt drei Einstellräder und diverse Knöpfe gibt es, die man größtenteils auch frei mit denjenigen Optionen belegen kann, auf die man schnell zugreifen möchte.

Entgegen meiner anfänglichen Befürchtungen ist die a6000 keinesfalls zu friemelig, sondern liegt gut in der Hand. Auch wenn die Kombination eines so kleinen Gehäuses mit einem Teleobjektiv erstmal witzig aussieht – aber dazu später. 😉

Herbstimpressionen
Habe ich schonmal erwähnt, dass ich das Spiel mit Schärfe und Unschärfe liebe?

Rauschverhalten

Hochdrehen lässt sich die ISO bis auf 25.600, wobei man ehrlicherweise sagen muss, dass die Aufnahmen in diesem Extrembereich nicht mehr ganz so superb sind. 😉

Aber bis 6.400 hält sich das Rauschen durchaus im Rahmen, wenn man anschließend bei der Bildbearbeitung eine Rauschreduzierung durchführt, kann man auch durchaus noch guten Gewissens weiter gehen.

Die Objektive

Es gibt für die a6000 eine ganze Reihe an Objektiven, die im Preis den DSLR-Objektiven auch durchaus das Wasser reichen können. 😉


Für den Anfang und um zu sehen, ob ich mich mit einer Systemkamera anfreunden kann, habe ich mich für ein Kit mit zwei Zoom-Objektiven* entschieden:

  • Das SEL-P1650 deckt den Bereich 16-50mm ab und fungiert derzeit als mein Immerdrauf.
  • Das SEL-55210 ist mit 55-210mm ein klares Teleobjektiv.

Beide sind verglichen mit meinen DSLR-Objektiven, die alle eine Blende von f/2.8 haben, nicht allzu lichtstark: das 16-50er liegt bei 3.5-5.6, das 55-210er sogar nur bei 4.5-6.3 (sprich: je nachdem, wie weit der Tubus beim Zoomen ausgefahren ist, liegt die größte Blende zwischen 4.5 und 6.3 – was genau das bedeutet, habe ich vor einiger Zeit hier erklärt: ISO, Blende & Belichtungsdauer verständlich erklärt ).

Sony alpha 6000 mit SEL-55210
Die Sony a6000 mit dem Zoom-Teleobjektiv PEL-55210

Aufgrund der doch relativ großen Blende hatte ich ein paar Bedenken, wie die Sache mit dem Bokeh aussehen würde – sprich, dass man auf ein Motiv im Vordergrund scharfstellt und der Hintergrund nur zu verschwommenen Farbflecken wird. Mit diesem Stilmittel arbeite ich ja sehr gerne.
Das klappt aber problemlos – hier mal ein paar Bilder out of cam, sprich bis auf die Verkleinerung und das Wasserzeichen komplett unbearbeitet:

Sony alpha 6000 – Hundefoto out of cam
ISO 3200 – 1/320sec – f/6.3 (SEL55-210 @ 170mm)
Sony alpha 6000
ISO 100 – 1/160sec – f/6.3 (SEL-55210 @ 210mm)

Beim Teleobjektiv lag die passende Gegenlichtblende übrigens gleich bei. Thumbs up, für meine Canon-Objektive musste ich die immer separat kaufen.

Blitzdings

In der Kamera ist ein Blitz verbaut, sie verfügt aber zudem über einen normalen Blitzschuh für Aufsteckblitze.
Da ich gerne indirekt blitze, den Blitz also beispielsweise gegen die Decke richte, habe ich mir einen Aufsteckblitz gekauft, den Metz mecablitz 44 AF-1 für Sony Multi Interface Shoe. Allerdings muss ich gestehen, ihn bislang nur kurz ausprobiert zu haben.

Größe & Gewicht

Kommen wir zu dem Punkt, weswegen ich mir die a6000 ja überhaupt gekauft habe: die Handtaschentauglichkeit.

Ich liebe dieses Foto (das ich wiederum mit dem iPhone aufgenommen habe):

Canon 5D Mk III vs. Sony alpha 6000
Canon 5D Mk III vs. Sony alpha 6000

Es sagt alles, oder? 😀

Engage!

Betrieben wird die a6000 mit einem Spezialakku. Anders als bei meinen Canon-DSLRs liegt dem Paket aber kein Ladegerät bei – man lädt die Akkus, indem man die Kamera an eine Steckdose oder via USB an einen Rechner anschließt. Demzufolge kann man also nicht gleichzeitig fotografieren und einen zweiten Akku aufladen.

Hier werde ich mir wohl noch ein Ladegerät nachkaufen, denn in Anbetracht der nicht allzu langen Akkulaufzeit nehme ich lieber einen Ersatzakku mit.

Herbstimpressionen
Die Farben kommen so intensiv direkt aus der Kamera

Apps

Zu guter Letzt sei erwähnt, dass die Kamera Wi-Fi besitzt und mit Apps ausgestattet werden kann.

Auf meinem iPhone 6 habe ich also zuerst die kostenlose PlayMemories-App installiert und mich dann via WiFi mit der alpha6000 verbunden.
Fortan konnte ich Bilder von der Kamera auf das Smartphone übertragen.

Über die ebenfalls kostenlose und bereits vorinstallierte App Smart Remote lässt sich die Kamera über das Handy bedienen, was ziemlich cool ist.

Die meisten der anderen Apps – die man übrigens direkt über das Kameramenü herunterladen kann, nachdem man sich mit dem WLAN verbunden hat – kosten zwischen 5 und 10 Euro. Ich wollte eine der kostenlosen Apps herunterladen, dafür braucht man jedoch einen Sony Entertain-Account und den wiederum konnte ich nicht erstellen, weil die Webseite derzeit einige Probleme hat. Gnarf. An dieser Stelle gibt es also einen kleinen Punktabzug.

Fazit

Die Sony alpha 6000 liefert bemerkenswert gute Bilder ab, die sich mit einer mittleren DSLR durchaus messen können. Dabei bietet sie sehr viele Einstellungsmöglichkeiten, die am Anfang zwar etwas verwirrend sein können, die Kamera aber sehr flexibel machen.
In Hinblick auf die leider etwas maue Akkulaufzeit solltest du am besten ein oder zwei Ersatzakkus mit einpacken – dank der geringen Größe der a6000 sollte dafür in der Tasche ja noch mehr als genug Platz sein. 😉

Vom Thomas weiß ich ja, dass er ebenfalls mit der a6000 fotografiert – sonst noch jemand hier? 😉