Waldfotografie: Tipps für tolle Bilder

Nebelmorgen im Wald

Im Wald zu sein, ist eine wunderbare Auszeit für die Seele… und genauso großartig ist es auch, dort zu fotografieren! Selbst ein von außen unscheinbares Waldstück wartet mit unzähligen Details und Perspektiven auf. Und hast du gewusst, dass du auch bei trübem Wetter im Wald geniale Bilder aufnehmen kannst?

In diesem Beitrag verrate ich dir meine Tipps, wie dir stimmungsvolle Waldfotos zu jeder Jahreszeit gelingen. 🙂

Welche Herausforderungen bringt das Fotografieren im Wald mit sich?

Allem voran hast du es mit besonderen Lichtbedingungen zu tun: an sonnigen Tagen kommt es im Wald schnell zu einem harten Kontrast zwischen hellen und dunklen Bereichen, beispielsweise zwischen den Bäumen und dem Himmel. Wenn du nicht aufpasst, werden manche Teile deiner Fotos also viel zu hell oder andere viel zu dunkel.

Gleichzeitig ermöglichen dir die Bäume aber auch tolle Effekte mit schräg einfallenden Sonnenstrahlen:

Luminar im Test - Bildbearbeitung Wald

Bei trübem Wetter ist es im Wald oft so schummrig, dass die Bilder generell zu dunkel werden. Wenn du das einfach durch eine hohe ISO-Zahl ausgleichst (was viele Kameras im Automatikmodus tun), rauschen die Fotos schnell ohne Ende und du kloppst den Pixelsalat beim Betrachten am Rechner enttäuscht in die Tonne. Keine Sorge – du erfährst gleich, wie du deine Kamera stattdessen ganz einfach selber optimal einstellen kannst.

Waldfotografie - Pilze

Die vielen Details stellen dich zudem vor eine Herausforderung in Sachen Bildaufbau: knippst du im Wald einfach so aus der Hüfte, wird dein Foto schnell ein nichtssagendes Getümmel aus Gestrüpp, Blättern und Baumstämmen. Hier helfen dir gezieltes Fokussieren und ein Trick mit der Blendenöffnung… auch dazu mehr weiter unten. 🙂

Herbstspaziergang 2018

Nicht zuletzt leben im Wald mit Eichhörnchen, Rehen & Co. natürlich ganz besondere Fotomotive – aber die meisten Waldbewohner sind scheue Gesellen, die dir nicht gerade geduldig posieren werden.

Ach so… und natürlich ist es im Wald gerne mal matschig. Aber hey – davon lässt du dich sowieso nicht abschrecken, oder? 🙂

Nebel im Wald - Taunus

Welche Objektive und andere Ausrüstung brauche ich für die Waldfotografie?

Die pragmatische Antwort: was immer du hast, kannst du auch im Wald sinnvoll einsetzen. Selbst mit einem Handy kannst du im Wald tolle Aufnahmen erzielen. Dieses Bild hier habe ich mit meinem iPhone 12 Pro aufgenommen:

Waldfotografie mit dem Smartphone - iPhone 12 Pro

Der Hingucker sind hier die leuchtenden Farben und das Spiel mit Schärfe und Unschärfe.

Generell bist du mit einer vernünftigen Kamera aber natürlich besser beraten. Zum Einen ist die Bildqualität höher, insbesondere bei wenig Licht. Du kannst auch gezielter auf die einzelnen Komponenten wie etwa die Belichtungsmessung einwirken. Und natürlich stehen dir durch Wechselobjektive viel mehr Möglichkeiten zur Verfügung:

  • Ein Teleobjektiv hilft dir, scheue Waldbewohner wie etwa Vögel oder Eichhörnchen aus größerer Entfernung abzulichten.
  • Die Stimmung der vielen Bäume nebeneinander kommt mit einem Weitwinkelobjektiv gut rüber. Hier passt einfach mehr Umgebung aufs Bild.
  • Und mit einem Makro kannst du Details wie die Baumrinde oder die Blattadern festhalten.

Ein Stativ bietet sich an, wenn du an trüben Tagen oder auch in der Dämmerung im Wald fotografierst, weil du dann verwackelungsfrei länger belichten kannst.

Das war es eigentlich auch schon… mehr nehme ich nicht mit in den Wald. Schließlich will der ganze Krempel ja auch geschleppt werden. 😀

#fotoprojekt17 - Herbstspaziergang - Fliegenpilz

Welche Kameraeinstellungen sind im Wald am besten?

Ganz grundsätzlich solltest du nach Möglichkeit im RAW-Modus fotografieren, statt JPEGs zu erzeugen. In den Rohdateien werden nämlich viel mehr Informationen gespeichert, die dir beim Bearbeiten später zur Verfügung stehen. Dadurch kannst du beispielsweise gleichzeitig zu helle Bereiche im Himmel etwas abdunkeln, zu dunkle Stellen auf Baumstämmen aufhellen und erkennst bei beiden noch Strukturen wie Wolken oder Rinde. Bei JPEGs geht das nicht, da hätte die Kamera einfach für dich entschieden und diese Stellen knallhart als „weiß“ oder „schwarz“ abgespeichert – basta.

Die ISO-Zahl solltest du so niedrig wie möglich halten, damit die Fotos nicht verrauschen. Bis zu welcher ISO du noch brauchbare Fotos erhältst, hängt von deiner Kamera ab. Das kannst du einfach mal testen, indem du eine Fotoreihe mit unterschiedlichen ISO-Stufen aufnimmst und dir anschließend am Rechner anschaust. Auf dem kleinen Kameradisplay lässt sich die Qualität nicht beurteilen – und nichts ist ärgerlicher, als wenn du beim Fotografieren mit den Bildern zufrieden bist und erst daheim die große Enttäuschung über verpixelte Bilder kommt.

Damit deine Fotos trotz niedriger ISO-Zahl nicht zu dunkel werden, brauchst du entweder eine möglichst offene Blende (je kleiner die Zahl, desto größer die Blendenöffnung) oder eine längere Belichtungszeit.

Waldfotografie - Fliegenpilz

Mit einer Offenblende (bspw. f/1.8) gelangt nicht nur mehr Licht auf den Sensor. Sie ermöglicht dir auch einen tollen Schärfeverlauf, bei dem der Hintergrund unscharf verschwimmt. Diese Bokeh-Technik mag ich persönlich sehr gerne und sie bietet sich auch im Wald für Detailaufnahmen an. Möchtest du allerdings Vorder- und Hintergrund gleich scharf haben, musst du abblenden.

Die Belichtungszeit ist dann dein Freund. Probier aus, was du noch verwackelungsfrei aus der Hand fotografieren kannst – ab 1/80 Sekunde wird es schwierig. Für längere Belichtungszeiten kannst du entweder ein Stativ mitnehmen (was mir persönlich im Wald meist aber zu umständlich ist) oder die Kamera beispielsweise auf einem Baumstamm ablegen.

Fokus auf Details

Zweige, Blätter, Gestrüpp im Unterholz, Pilze, Farne, … so ein Wald bietet unzählige Details. Das wird schnell unübersichtlich – und dadurch nichtssagend.

Waldfotografie - Herbstlaub

Stattdessen kannst du gezielt mit dem Schärfeverlauf und Bokehs arbeiten, um das Auge des Betrachters auf einzelne Kleinigkeiten zu lenken.

Wie funktioniert das? – Du wählst die größtmögliche Blende, die dein Objektiv zu bieten hat. Wie gesagt – je kleiner die Zahl, desto größer die Blende. Das heißt, bei einer Blendenöffnung von f/2.8 fällt mehr Licht auf den Sensor als etwa bei einer kleineren f/10. Gleichzeitig hat das den wunderbaren Nebeneffekt, dass die Tiefenschärfe abnimmt. Dadurch wird das Objekt, auf das du fokussierst, knackescharf – und der Rest verschwimmt. Mit diesem Trick zauberst du Fotos mit einem unscharfen Hintergrund.

Hier habe ich auf das Moos im Vordergrund scharfgestellt:

Waldfotografie - Moos fotografieren
Herbstspaziergang 2018 - Moos

À propos Moos: es lohnt sich, wenn du im Wald auch mal in die Hocke gehst und dir die Dinge aus der Nähe anschaust… Moos, Farne oder Baumrinden etwa.

Waldfotografie - Moos
Farn im Herbst
Waldfotografie - Baumrinde

Mit dem Licht spielen

In wenigen Situationen hast du so viele Möglichkeiten, mit dem Lichteinfall zu arbeiten, wie in der Waldfotografie!

Gegenlicht bringt Blätter zum Leuchten und hebt die feinen Strukturen der Blattadern hervor. Dazu stellst du dich am besten so hin, dass die Sonne von den Blättern verdeckt wird und nicht direkt im Bild zu sehen ist. Andernfalls werden die Kontraste zu stark und die gleißende Sonne überstrahlt die Blätter.

Herbstfotos - Blatt im Gegenlicht

Hier habe ich wieder mit Offenblende fotografiert, damit der Hintergrund unscharf wird und der Bokeh-Effekt entsteht. Übrigens funktioniert das nicht nur mit Blättern… schau dich mal um, was du sonst noch im Wald findest. Beispielsweise Federn:

Feder im Gegenlicht

Morgens früh oder gegen Abend kannst du toll mit schräg einfallenden Lichtstrahlen spielen. Hier ergeben sich auch spannende Motive, wenn viele Baumstämme ein Schattenmuster zeichnen.

Wanderung an der Wahnbachtalsperre

Und selbst an trüben Tagen ist das Licht perfekt für die Waldfotografie: dann gelingen dir nämlich melancholische, stimmungsvolle Bilder ohne harte Schatten.

Waldfotografie - Pilz

Linienführung

Waldwege und Baumstämme kannst du nutzen, um gezielt mit Linien in deinem Foto zu arbeiten. Damit lenkst du wieder das Auge des Betrachters und bringst Dynamik in deine Bilder.

Waldweg
Hof Tüschenbonnen - Waldgarten
Im Wald

Auch im Winter bei Schnee wirkt das eindrucksvoll:

Winter - verschneiter Wald

Waldfotos richtig bearbeiten

Das Fotografieren ist heutzutage ja nur die halbe Miete. Beim anschließenden Bearbeiten kannst du noch sehr viel mehr Stimmung in ein Bild bringen.

Ganz wichtig ist die Farbtemperatur. Möchtest du eher düstere Waldfotos, zieh sie ins Bläuliche. Warmes Licht unterstreicht hingegen vor allem herbstliche Szenen mit buntem Laub. Und in schwarz-weiß kommen Formen und Strukturen besser zur Geltung, tendentiell wirken sie aber auch melancholischer.

Hier habe ich dir zum Vergleich mal ein Foto out of cam, also unbearbeitet, mitgebracht…

Waldfotografie - Blätter

… es einmal in warmen, herbstlichen Tönen bearbeitet…

Waldfotografie - Blätter

… und einmal in schwarz-weiß:

Waldfotografie - Blätter

Das gleiche Motiv wirkt dadurch völlig unterschiedlich und transportiert eine ganz andere Atmosphäre.

Wie bei allen anderen Aufnahmen auch, retuschiere ich auch bei Waldfotos störende Elemente heraus. Etwa, wenn ein viel zu helles Blatt ins Bild ragt, was vom eigentlichen Motiv ablenkt. Oder wenn generell der Bildausschnitt noch nicht optimal ist.

Wenn du ein bisschen tiefer in die Trickkiste greifen möchtest, kannst du beispielsweise bei Gegenlichtfotos den Sonnenstrahlen auf die Sprünge helfen. Das habe ich beispielsweise bei dem Foto von weiter oben getan:

Luminar im Test - Bildbearbeitung WaldLuminar im Test - Bildbearbeitung Wald

Kurzum – da sind deiner Kreativität mal wieder keine Grenzen gesetzt.

Und welche Software nutze ich dafür? – Grundsätzlich bearbeite ich meine Bilder in Lightroom, Luminar und Photoshop nach. Hier kannst du entweder alle möglichen Regler selber justieren, von der Belichtung und Gradationskurve über die Farbtemperatur und einzelnen Farbkanäle bis hin zu Effekten wie dem „Leuchten“, bei dem helle Bereiche etwas überstrahlen. Oder du setzt auf Filter, bei denen verschiedene Einstellungen zu einem bestimmten Effekt zusammengefasst wurden.


Ich hoffe, dieser Artikel hat dir weitergeholfen und dich dazu inspiriert, gleich mit der Kamera in den Wald zu ziehen. 🙂

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2 Kommentare

  1. Meine Kamera ist zurück aus der Reinigung, Zeit mal wieder loszuziehen. 🙂 Lustigerweise hat die Fotografie-Zeitschrift von heise auch gerade einen Artikel zum selben Thema gebracht, deren Fokus lag aber sehr auf starker Nachbearbeitung, nix für mich. Ich habe da nie Interesse dran und Geduld für… mal schauen, was sich trotzdem einfangen lässt.

    • Yay, dann wünsche ich dir schon mal viel Spaß & gute Motive!

      Nach der Zeitschrift muss ich mal schauen, wenn ich beim Einkaufen dran denke… ich bearbeite ja schon ganz gerne ein wenig nach. Wobei ich kein Freund davon bin, wenn es zu künstlich aussieht oder plötzlich landauf, landab alle Fotos den gleichen Himmel haben, weil der in den einschlägigen Softwares halt als Austausch-Version vorhanden ist…

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