Bloggen in Zeiten der Coronakrise

21. März 2020- aktualisiert: 21. März 2020 Leben 20 Kommentare

Wohl kaum ein Thema wird derzeit so angespannt verfolgt wie die Ausbreitung des Coronavirus mitsamt der damit verbundenen gesellschaftlichen Auswirkungen. Die Zeitungen und Nachrichten sind voll davon, auf Twitter trenden #coronavirus, #coronadeutschland und #SocialDistancing.

Bloß in einem Bereich scheint Sars-CoV-2 bislang kaum eine Rolle zu spielen: in der Blogosphäre. Nanu?!

Um dem belastenden Thema Corona etwas entgegenzusetzen, habe ich diesen Beitrag bewusst mit Frühlingsfotos einer wunderschön blühenden Schlehe bebildert. Denn auch der Frühling passiert gerade um uns herum und ist genauso real wie das Coronavirus.

Schlehe - Blüte im März

Corona und die Blogger: meine Filterblase oder eine allgemeine Situation?

Dass die Coronakrise auf den meisten Blogs keine Rolle spielt, ist zumindest mein Eindruck, wenn ich so durch meinen Feedreader scrolle. Rund 100 Blogs verfolge ich dort.
Es geht um Rezepte, den Frühling im Garten, um gelesene Bücher, wie man seinen Yogalehrer in Indien findet, um die Kommunikation mit Pferden und so weiter. Kurzum: die gleichen Themen wie immer.

Natürlich mag es daran liegen, dass ich nun mal hauptsächlich Fachblogs lese bzw. Blogs mit Themenschwerpunkten, die mich interessieren: Garten, Selbstversorgung, Nachhaltigkeit und so weiter. Da gibt es naturgemäß einfach wenige thematische Überschneidungen mit der aktuellen Lage.

Ein paar persönlichere Blogs sind auch darunter, aber auch hier wird Corona allenfalls am Rande erwähnt.

Schon irgendwie merkwürdig. Die Blogosphäre wirkt wie eine heile Parallelwelt.

Dazu sei gesagt: ich habe diesen Artikel bereits vor anderthalb Wochen, am 12. März, angefangen zu schreiben. Aus verschiedenen Gründen wurde er aber erst jetzt fertig. Seitdem hat sich die Lage verändert und es gibt nun doch verschiedene Beiträge zur Coronakrise. Ich habe sie dir weiter unten verlinkt.

Schlehe - Blüte im März

Bloggen in Zeiten von Corona: business as usual oder die Pandemie thematisieren?

Auch ich habe überlegt, ob ich die Coronakrise hier im Blog aufgreifen soll oder nicht. Mit Gartenthemen hat das Ganze ja nun nichts zu tun – und das Internet ist doch eh schon voll von Corona-Content.

Wie verhält man sich da als Blogger? Befeuern wir die Krise am Ende noch, indem wir mit noch mehr Artikeln dazu aufwarten?! Oder sind wir weltfremd und irgendwie auch nicht mehr authentisch, wenn wir einfach nur den ganz normalen Redaktionsplan abspulen?
Es ist eine Gratwanderung, und wir haben keine Erfahrung damit, über eine Pandemie zu bloggen. Es gibt keine erprobten Best Practices.

Auf der einen Seite ist es definitiv gut, ein Stück weit Normalität aufrechtzuerhalten. Es muss jetzt nicht auf Biegen und Brechen ein reißerischer Corona-Artikel nach dem nächsten rausgehauen werden, nur weil das Thema gerade hohe Klickzahlen verspricht.
Covid-19 ist ohnehin schon omnipräsent. Da ist es gesund, sich auch mal mit etwas anderem zu beschäftigen.

Gleichzeitig fühlt es sich auch sehr unaufrichtig an, das ganze Weltgeschehen einfach auszuklammern und so weiterzumachen, als sei nichts geschehen.

Letztlich habe ich mich daher entschlossen, das Thema auch hier aufzugreifen. Denn Themenfokus hin oder her – hinter einem Blog stecken halt immer ein Mensch und sein Erleben. Und das wird von einer globalen Krise, die uns vor die größte Herausforderung seit dem Zweiten Weltkrieg stellt, nun mal unweigerlich beeinflusst.

Was soll man denn eigentlich über Sars-CoV-2 bloggen?

… habe ich mich dann gefragt, ebenso wie vermutlich auch viele andere Blogger.

Die wenigsten von uns sind Virologen oder sonstige einschlägige Experten. Als Hobby taugen Pandemien nun auch nicht unbedingt. Das heißt, wir können anders als sonst keine Fachbeiträge liefern, keine Erfahrungen weitergeben.

Was wir auf unseren Blogs tun können, ist unsere persönliche Situation zu schildern.

Was ich noch letzte Woche dazu in meinem Entwurf tippte, stimmt jetzt definitiv nicht mehr:

Für die allermeisten dürfte sich aber noch nicht viel geändert haben, über das es sich lohnen würde zu berichten. Im Großen und Ganzen läuft der Alltag hierzulande ja noch so weiter wie bisher.

Mittlerweile spüren wir nämlich deutliche Auswirkungen der Coronakrise.

Schlehe - Blüte im März

Unser derzeitiger Alltag

Schulen & Kitas sind geschlossen, Sportstätten haben zu, ebenso die Gemeindebücherei, der Wertstoffhof und viele Geschäfte. Unser Tennistraining und mein Yogakurs fallen also flach, auch das Schwimmbad sehen wir erstmal nur noch von außen.
Ehrlicherweise habe ich meine 4 Buchstaben bis jetzt noch nicht hochbekommen, zu Hause Sport zu machen. Aber Gartenarbeit ist ja auch ein Workout! 😀

In unserer Firma arbeiten wir rund um den Globus alle von zu Hause aus. Das klappt soweit gut – ein Hoch auf eCommerce, wir sind halt zum Glück nicht von physischen Zulieferungen oder so abhängig.
Man merkt aber, dass einigen Kollegen schon jetzt die Decke auf den Kopf fällt. Mit meinem Team starte ich deswegen mit einem kurzen informellen Videocall in den Tag und gestern Abend hat sich die ganze Firma zu einem virtuellen Feierabendbier im Videochat getroffen. Sprich, jeder saß mit einem durchaus realen Bier vor dem heimischen Rechner und es wurde sich zugeprostet. 😉

Der Beste arbeitet ja auf der Intensivstation. Nicht notwendige Operationen wurden dort verschoben, noch ist es von den Fallzahlen her ruhig. Drücken wir die Daumen, dass es so bleibt… auch wenn die Prognosen leider dagegen sprechen. Und selbst jetzt zeichnen sich schon Engpässe beim Personal und der Materialversorgung ab-

In den Supermärkten sind hier, wie vermutlich überall, Nudeln und Klopapier weitestgehend ausverkauft. An der Kasse trennen Plexiglasscheiben und behelfsmäßige Barrikaden aus Leergutkisten die Kassierer von den Kunden. Es hängen Zettel mit maximalen Abgabemengen von Milch, Reis & Co. aus sowie der Hinweis, nach Möglichkeit bitte nicht mit Bargeld zu bezahlen und Abstand voneinander zu halten.
Von einer aggressiven Stimmung habe ich hier aber nichts gespürt, man ist freundlich und geht rücksichtsvoll miteinander um.

In den nicht weit von uns entfernten Städten Köln und Leverkusen sind Treffen von mehr als zwei Personen unter freiem Himmel verboten. Eine mögliche Ausgangssperre wird ja gerade diskutiert.
Vor gerade einmal zwei Wochen habe ich noch auf einer Goldhochzeit gefeiert, inklusive Liveband und Schunkeln… das kommt mir schon jetzt vor wie eine andere Zeit.

Insgesamt fühlt sich dieses New Normal sehr surreal an. Ich finde es krass, innerhalb wie kurzer Zeit sich der Alltag so komplett verändert hat-

Um meine Mom mache ich mir viele Sorgen, da sie COPD hat und somit zur Risikogruppe zählt. Vorhin war ich für sie einkaufen, wir halten allerdings viel Abstand und telefonieren stattdessen täglich.

Mir selber macht das Social Distancing ansonsten noch nicht sonderlich zu schaffen. Tatsächlich hat sich abgesehen vom Job und den Sportkursen an meinem Alltag nicht allzu viel geändert. In meiner freien Zeit bin ich viel im Garten, bei den Pferden oder bespaße den Hund. Da bin ich extrem dankbar, dass wir so abgeschieden ländlich wohnen und einen Garten haben!

Allerdings fühlt es sich schon weird an, dass wir dieses Jahr im Dorf wohl keinen Tanz in den Mai haben werden, kein Sommerfest, kein Feierabendbierchen auf dem Dorfplatz, keine Clubmeisterschaft vom Tennis und vermutlich überhaupt kein Tennistraining, und so weiter…

Naja. Ja, wir haben mit vielen Einschränkungen und Belastungen zu kämpfen. Vor allem der Verzicht auf Sozialkontake im Real Life ist belastend; auch bestimmte Berufsgruppen oder gestresste Eltern im Home Office machen jetzt eine Menge durch.
Aber: die allermeisten von uns haben zum Glück noch keine schweren Covid 19-Erkrankungen oder gar Tote im Bekanntenkreis zu verzeichnen. Noch geht es uns letztlich gut. Das müssen wir uns einfach mal klarmachen.

Schlehe - Blüte im März

Wer bloggt sonst so über Corona?

Jetzt zur versprochenen Zusammenstellung von Lesefutter!
In meinem Feedreader sind mir die folgenden Beiträge über die Coronakrise begegnet:

Außerdem seien noch genannt:

  • Linnis Eindrücke auf ombidombi.de waren damals die ersten, die ich über Corona las. Sie lebt seit einiger Zeit in Peking, wo aufgrund von Covid-19 schon der Ausnahmezustand herrschte, als eine ähnliche Situation hier in Deutschland noch völlig unmöglich schien.
  • Auf smarticular.net finden sich viele Tipps für mehr Nachhaltigkeit im Alltag. Aktuell werden dort vor allem Artikel rund um die Coronakrise veröffentlicht, etwa über Hausmittel gegen Viren oder nachhaltige Vorräte.

In diesem Sinne: passt auf euch auf, bleibt gesund.
Nehmt das Coronavirus bitte ernst. Haltet physischen Abstand voneinander und seid dafür einfach noch ein Stück weit netter, aufmerksamer, menschlicher in der übrigen Kommunikation.

We’re #InThisTogether, #TogetherAtHome.

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Zu diesen Themen gibt’s noch mehr Artikel:

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21. März 2020 Leben 20 Kommentare

Wohl kaum ein Thema wird derzeit so angespannt verfolgt wie die Ausbreitung des Coronavirus mitsamt der damit verbundenen gesellschaftlichen Auswirkungen. Die Zeitungen und Nachrichten sind voll davon, auf Twitter trenden #coronavirus, #coronadeutschland und #SocialDistancing.

Bloß in einem Bereich scheint Sars-CoV-2 bislang kaum eine Rolle zu spielen: in der Blogosphäre. Nanu?!

Um dem belastenden Thema Corona etwas entgegenzusetzen, habe ich diesen Beitrag bewusst mit Frühlingsfotos einer wunderschön blühenden Schlehe bebildert. Denn auch der Frühling passiert gerade um uns herum und ist genauso real wie das Coronavirus.

Schlehe - Blüte im März

Corona und die Blogger: meine Filterblase oder eine allgemeine Situation?

Dass die Coronakrise auf den meisten Blogs keine Rolle spielt, ist zumindest mein Eindruck, wenn ich so durch meinen Feedreader scrolle. Rund 100 Blogs verfolge ich dort.
Es geht um Rezepte, den Frühling im Garten, um gelesene Bücher, wie man seinen Yogalehrer in Indien findet, um die Kommunikation mit Pferden und so weiter. Kurzum: die gleichen Themen wie immer.

Natürlich mag es daran liegen, dass ich nun mal hauptsächlich Fachblogs lese bzw. Blogs mit Themenschwerpunkten, die mich interessieren: Garten, Selbstversorgung, Nachhaltigkeit und so weiter. Da gibt es naturgemäß einfach wenige thematische Überschneidungen mit der aktuellen Lage.

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