Digital Detox: Sinn und Unsinn

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Digital Detox - Sinn und Unsinn

Digital Detox ist dieser Tage das Buzzword schlechthin. Ironischerweise vor allem auf Blogs und in den sozialen Netzwerken. Blogger berichten von der Front, wie sie ein ganzes Wochenende lang Digital Detox ausgehalten haben, und werden dafür gefeiert wie Helden.

Was ist Digital Detox überhaupt?

Detox, das klingt ja nach Stars und Sternchen, die sich mehr oder minder abgefuckt zum Drogenentzug in irgendeine Klinik begeben, nach tragischem Glamour. Wahlweise auch nach hippen Instagram-Accounts, die mit schicken Fotos von geschreddertem Selleriegesöff eine von Wissenschaftlern als Humbug bezeichnete „Entschlackungskur“ zum Lifestyle verklären.

Und Digital, das nehmen wir jetzt mal nicht ganz so ernst. Ignorieren wir mal, dass schließlich auch der Kurzzeitmesser in der Küche, das Thermometer im Wohnzimmer, die Spülmaschine, die Steuerung der Klimaanlage etc. pp. alle digital sind… auf die will natürlich keiner verzichten. Was eigentlich gemeint ist: Smartphones, Computer und überhaupt das Internet. Die Technologie, die uns mit der Welt vernetzt.

Digital Detox beschreibt den Verzicht auf das dauernde Googeln, Instagrammen, facebooken, Whatsappen und wie sie nicht alle heißen. Kein Internet = kein Stress, das ist das Versprechen.

Gemeint ist letztlich also ein schnödes „einfach mal offline sein“.
Fun fact: es gibt sogar Apps dafür. Ernsthaft.

Hofgut Quirnheim

Digital Detox passt zum Zeitgeist

Achtsamkeit und die Verklärung des guten, einfachen Lebens von früher sind ja gerade schwer angesagt.

Es gibt dazu haufenweise Bücher, man kann entsprechende Urlaube (beispielsweise im Kloster) oder sogar spezielle Digital Detox-Camps buchen und nicht zuletzt haben auch Zeitschriften wie die Flow oder die unzähligen „Auf dem Land ist die Welt noch in Ordnung“-Magazine das Umsatzpotential hinter diesem Trend erkannt.

Ehrlich, ich lese diese Zeitschriften auch ganz gerne. Wie ich überhaupt wesentlich lieber echte Bücher aus Papier lese als eBooks – auch wenn es für mich als Pendlerin sicherlich deutlich praktischer wäre, einfach einen Kindle in die Handtasche zu stecken als einen gebundenen 600-Seiten-Wälzer. Nein, danke, ich mag nicht den ganzen Tag nur auf Bildschirme starren.

Hof Tüschenbonnen - ein Garten im Bergischen Land

Achtsamkeit ist ein verdammt guter Ansatz, keine Frage. Aber das Internet mit all seinen Begleiterscheinungen als etwas Toxisches deklarieren? Etwas, von dem man in einer Entziehungskur entgiften sollte, um gesund zu werden? Quasi auf einer Stufe mit Heroin und Koks – ungesund, sollte man nicht machen, klar, aber halt leider geil? Hmm. Und das vermeintlich beschauliche Landleben als das Nonplusultra? Hmmmmm.

Sehnsuchtsort „auf dem Land“

Ich lebe auf dem Land. Genauer gesagt, bin ich in einem winzigen Dorf aufgewachsen, zum Studieren in die Großstadt gezogen und schließlich wieder zurückgekehrt aufs Land.

*Oma-Modus an*

Früher als ich noch jung war während meiner Schulzeit bedeutete Landleben: da wohnen, wo nix los ist. Wo abends um neun die Bürgersteige hochgeklappt werden (sofern es überhaupt welche gibt). Wo man für ausgefallene Lebensmittel oder halbwegs passable Kleidung eine halbe Tagesreise in die nächstgrößere Stadt unternehmen muss. Wo vom Puls der Welt herzlich wenig zu spüren ist.

Mit einem Wort: es war saulangweilig.

Klar, uns ist schon etwas eingefallen. Wir haben als Kinder ganz klischeehaft fast immer draußen gespielt – sind im Wald auf Bäume geklettert, mit Ponys über die Wiesen geritten und im Winter rodeln gegangen. Aber gefühlt war niemand stolz darauf, auf dem Land zu wohnen. Spätestens im Teenageralter haben wir nämlich neidisch auf das „richtige“ Leben in der Stadt geschielt und so gut es ging versucht, es nachzumachen.

Tja – wenn dann im Hobbykeller Opas Werkbank zur Seite gerückt wurde und drei futzelige Discokugeln aufgehangen wurden, um einen auf Großraumdisco zu machen, dann hatte das rückblickend betrachtet einen gewissen naiven Charme. 😉 Damals fühlte es sich eher frustrierend an.

Nach rund zehn Jahren in verschiedenen Städten bin ich jetzt wieder aufs Land gezogen, freiwillig. Und ich bin verdammt glücklich hier. Aber: so ganz ohne Internet würde ich auch nicht hinterm Mond wohnen wollen.

Radtour: Kraftwerksrunde - 100km!

Ist wirklich alles besser ohne Internet?

Argh, wenn ich jetzt schon wieder von „früher“ erzähle, komme ich mir allmählich wirklich alt vor. 😀

Ich bin 1987 geboren und erstmal ohne Computer und Internet aufgewachsen. Auch wenn beides heutzutage wie selbstverständlich zu meinem Alltag mit dazugehört – ich weiß noch wie es war, als wir noch nicht einmal ein Wort für „offline“ hatten, weil es der Normalzustand war.
Allerdings frage ich mich, wie das eigentlich für die jüngere Generation ist – die so um 2000 herum geboren ist?

Erst in meiner Schulzeit ab der 5./6. Klasse fing das mit dem Internet und Computern im Alltag so allmählich an. Wie fortschrittlich man sich fühlte, als für unsere Klasse damals ein ausrangierter Computer angeschafft wurde! Der stand dann erstmal wichtigtuerisch in der Ecke und konnte de facto herzlich wenig, außer einzustauben und uns im Lehrplan etliche Wochen weit zurückzuwerfen. Die Englischstunden wurden nämlich für unzählige Versuche genutzt, auf dieser lahmarschigen Kiste irgendein sicher ganz tolles Vokabel-Lernprogramm ans Laufen zu bekommen (#fail).

Um Referate vorzubereiten, hatten wir damals alle Microsoft Encarta zu Hause auf dem Computer installiert. Na, wer kennt’s noch? 😀 Das Programm war quasi eine Art Wikipedia Light, und wer sich den entsprechenden Artikel vorher durchgelesen hatten, wusste schon genau, was im Referat erzählt werden würde.

Die Herausforderung lag darin, an Informationen heranzukommen. Da eröffnete das Internet plötzlich ungeahnte Möglichkeiten. Heute haben wir stattdessen viel zu viele Informationen und müssen vielmehr zusehen, wie wir sie irgendwie für uns sortiert und verarbeitet bekommen. Und ja, das bedeutet potentiell Stress.

Wanderung an der Wahnbachtalsperre

Trotzdem möchte ich das Internet auf keinen Fall missen!
Es fängt an bei den kleinen Dingen wie der DB-App, die mir verrät, dass meine eigentliche Bahn Verspätung hat und ich daher von vornherein entspannt zu einem anderen Bahnsteig gehe, ohne frustriert zurück hetzen zu müssen.

Bei Harry Potter gibt es diese magische Karte des Rumtreibers, auf der man sieht, wo im Schulgebäude sich jemand aufhält. Wenn das schon Magie ist – na, was ist dann bitte dieses kleine Kästchen, in dem ich eine Freundin auf der anderen Seite der Weltkugel in Echtzeit sehen und hören und ganz normal mit ihr reden kann, so als säße sie gerade neben mir?

Es ist ein verfluchter Luxus, kostenlos und in nullkommanix zu allen möglichen Themen Informationen frei Haus zu bekommen! Vom Gitarrenkurs mit Noten plus Video über Updates zur politischen Lage in den USA und sämtlichen Sonetten von Shakespeare bis hin zu drölfzighundert Rezepten, einem Übersetzungstool in hundert Sprachen und der Möglichkeit, mir jeden noch so abgelegenen Ort auf Satellitenbildern oder sogar Street View anzusehen.

What. The. Fuck. Was für uns heute so dermaßen selbstverständlich ist, war für Tausende von Generationen vor uns schlicht undenkbar. Das muss man sich einfach mal bewusst machen!

FOMO – die Angst, etwas zu verpassen

Wie gesagt – so großartig das alles auch ist: dass diese Trilliarden von Informationen zu jedem nur erdenklichen Thema nur einen Mausklick weit entfernt sind und dass es da draußen einen Haufen von Plattformen gibt, auf denen wir aktiv sein können / dürfen / sollten, ist trotzdem nicht nur toll. Es ist potentiell belastend.

Aber warum? Uns zwingt doch niemand, davon Gebrauch zu machen… außer uns selbst?

In einem Artikel auf utopia.de wird dieses Phänomen ganz gut erklärt:

Es gibt einen Namen dafür, warum wir ständig am Bildschirm hängen: FOMO, ausgeschrieben „Fear Of Missing Out“ – die Angst, etwas zu verpassen. Sie lässt uns in jeder freien Sekunde auf das Handy starren. Wir sind so auf das Klingeln, Summen und Blinken unseres Smartphones konditioniert, dass wir auch zum Handy greifen, wenn gerade nichts passiert. Die Reizüberflutung mit ständiger Information, mit Texten, Bildern, Videos überfordert uns derart, dass wir dauernd gestresst sind – und gedanklich immer woanders.

Es liegt nicht am Internet. Das ist eine verdammt großartige Technologie, bei der ich mir sicher bin, dass sie das Leben von unzähligen Menschen bereits entschieden verbessert hat und noch unglaublich viel Potential birgt.

Es liegt an uns. Wir müssen lernen, angemessen mit diesen ganzen genialen Möglichkeiten umzugehen.

Sich für eine gewisse Weile mal auszuklinken, kann dabei sicherlich helfen. Einen Schritt zurücktreten, die Perspektive wechseln. Hier ist ein Wochenende ohne Smartphone vielleicht ein guter Einstieg.

Pusteblumen im Mai 2017

Ob man das nun als wer weiß wie krasse Selbsterfahrung darstellen muss, sei einmal dahingestellt… und auch, ob man das paradoxerweise tunlichst gleich die Internetgemeinde wissen lassen muss. Allein auf Instagram über 30.000 Fotos zum Thema #digitaldetox. Ja, is‘ klar. 😀

Übrigens lebe ich seit rund einem Jahr mit einem kaputten Handyakku, dank dem meine Smartphone-Aktivitäten auf ein Minimum reduziert wurden. Nach unserem Umzug war ich im Januar eine Woche lang komplett offline (da ich Urlaub hatte und hier in unserem Funkloch nicht einmal mobile Daten empfangen kann) und insgesamt rund einen Monat lang ohne Internetanschluss daheim im Tal der Ahnungslosen.
Man überlebt das alles, sehr gut sogar. 🙂

Fazit: die Menge macht das Gift

Unterm Strich, denke ich, kommt es wie so oft im Leben auch hier einfach auf eine Balance an. 24/7 bei jeder Push-Nachricht aufzuspringen halte ich ebenso für Mumpitz wie Social Media & Konsorten komplett zu verteufeln.
Diese Erkenntnis hatte der gute Paracelsus übrigens bereits vor fast 500 Jahren:

[blockquote align=“none“ author=“Paracelsus“]Alle Dinge sind Gift, und nichts ist ohne Gift; allein die dosis machts, daß ein Ding kein Gift sei.[/blockquote]

In diesem Sinne… geh ich jetzt mal ganz analog raus in den Garten, um den Phlox einzupflanzen, den mir meine Mom gestern geschenkt hat. Die optimalen Standortbedingungen habe ich vorher gegoogelt. 😉

Wie siehst du das? Verbringst du viel Zeit online und hast du das Gefühl, bis zu einem gewissen Grad davon abhängig zu sein?
Hast du dich vielleicht schon einmal an einem Digital Detox versucht? Was hältst du davon?

Dieser Beitrag wurde bereits 17mal kommentiert - was denkst du? Hau in die Tasten! 🙂

Anne Schwarz

Geschrieben von Anne Schwarz

Merry meet! Ich bin 31 Jahre alt und wohne mit meinem Mann, Hund und Katze in einem kleinen Dorf im Bergischen Land. Das ♥ schlägt für die Natur, die Fotografie & das Schreiben. Ich bin viel draußen unterwegs, baue unser eigenes Obst und Gemüse an und tobe mich gern kreativ aus - egal ob mit Papier oder Quellcode. » Magst du mehr erfahren?

17 Kommentare

  1. Schöner Artikel, der ganz genau meine Meinung wiedergibt. Und da ich auch als Dorfkind geboren wurde, auch so ziemlich meine Erfahrung. Das erste Mal eine Internetflatrate hatte ich, als ich zum Studium auszog. In meinem Heimatdorf gibt es bis heute kein DSL.

    Die Dosis macht es, so wie bei fast allem. Klar, wer alle 2 Minuten aufs Handy guckt (während er am Laptop sitzt), für den ist „Detox“ sicherlich gut. Kalter Entzug sozusagen. Aber alle anderen tun sich damit doch nur wichtig. Im Sommer „detoxe“ ich fast jedes Wochenende, denn da habe ich schöneres zu tun als online zu sein. Und trotzdem ist das Handy dabei, denn wenn man in der Pampa mit dem Rad liegen bleibt ist es gut, wen anrufen zu können. 😉

    Manche Dinge muss man halt auch aufbauschen, damit sie einen Artikel wert sind. So kommen mir die „Detox-Berichte“ zumindest oft vor. Viel heiße Luft um überhaupt was zu schreiben.

    LG Lexa

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    • Hallo Lexa,

      mh, ja, genau diesen Gedanken hatte ich auch desöfteren… im Grunde genommen ist es ja nun wirklich keine weltbewegende Angelegenheit, einfach mal das Handy ausgeschaltet zu lassen. Wird da dann auf Biegen und Brechen gleich ein Beitrag draus gemacht, weil halt der Hashtag einigermaßen viel Traffic verspricht? (Ha, nicht dass ich meinen eigenen Artikel deswegen geschrieben hätte! 😀 )

      Andererseits frage ich mich in Anbetracht mancher dieser Erfahrungsberichte schon, ob ich da nicht etwas zu vorschnell urteile. Denn dass ich selber keine sonderlichen Probleme damit habe, auf Instagram & Co. zu verzichten, muss so ja nicht für andere gelten. Und wenn ich dann lese, wie jemand sein Handy in der eigenen Wohnung verschusselt hat und deswegen mehrere Tage lang panisch und unkonzentriert war… oder dass jemand anders in ein riesiges Gefühlsloch fiel, weil das Handy mal für 24 Stunden im Flugmodus bleiben sollte… puh.

      Da scheint teils echter Leidensdruck dahinter zu stehen, eine wirkliche emotionale Abhängigkeit. Das ist schon krass. Da versuche ich dann halt auch, mein Kopfschütteln sein zu lassen und mir zu sagen, dass ich selber ja schließlich auch so meine Problemchen mit einigen Dingen habe, die für andere piepnormal sind. Und egal ob mir selber etwas leicht fällt – wenn es für jemand anders eine Herausforderung ist und er sich ihr stellt, dann hat das schon einen gewissen Respekt verdient.

      Ja, bei Radtouren bin ich auch immer ganz beruhigt, wenn ich mein Handy zumindest für Notfälle dabei habe. Beim Laufen könnte zwar theoretisch auch etwas passieren, aber da schleppe ich es nicht mit, schließlich bin ich naturgemäß ja zumindest immer in fußläufiger Entfernung von daheim unterwegs und nicht jwd. 😉

      Liebe Grüße
      Anne

      Antworten

      • Moin Anne,
        okay, wenn ich lese, was du schon gelesen hast, dann war meine Einschätzung wohl wirklich etwas lapidar. Bei den Berichten, die ich bisher dazu gelesen habe, war ein echter Leidensdruck, eine Abhängigkeit, nicht spürbar. Die waren wirklich mehr so „Guckt her, wie cool ich bin! Ich bin so wichtig und beliebt, dass ich mir eine Auszeit von der Technik nehmen muss.“
        Und solche Aussagen kann ich nunmal nicht ernst nehmen.
        Und deswegen lese ich solche Berichte auch nicht mehr, weil ich mir jedes Mal veralbert vorkam. 😉

        LG Lexa

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        • Moin moin,

          vermutlich gibt es „sone und solche“. 😉 Die Schilderung von Lady Blog fand ich zum Beispiel schon ziemlich krass.

          Liebe Grüße
          Anne

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  2. ich bin auch recht ländlich aufgewachsen – wenn auch mitten im Pott, außerhalb halt. Bis ich 2008 auszog hatte ich ein 56k-Modem. Mittlerweile gibt es dort wenigstens LTE- aber kein DSL. Was mir am Anfang tierisch auf den Sack gingen waren die gefühlt 8000 YouTube-Links, die ich pro Tag geschickt bekam. Ich hatte keine Lust, mir ständig anzugucken, wie Jugendliche von einem Kinderkarrussel geschleudert werden, weil sie es mit einem Motorrolle antreiben oder wie ein Welpe minutenlang von Seite zu Seite pendelt, weil er zu dick zum Aufstehen und seine Beine zu kurz sind…

    Ich bin viel online, allein schon bei der Arbeit. Da ist das Internet eine unglaubliche Erleichterung – zum Beispiel, wenn man Fahrtkosten berechnen möchte und dafür die Distanz wissen muss. Dafür gab es früher ein gigantisches Buch, in dem die Distanzen der PLZ drinnen standen. Von jeder PLZ in Deutschland zu jeder anderen!

    Was ich nicht tue/abgestellt habe: Smartphone-Benachrichtigungen für alles. Ich schreibe eh sehr ungern mit dem Ding sondern deutlich lieber am Rechner. Daher bekommen per Smartphone nur die wichtigsten Leute Antwort per WhatsApp o.ä. – und die lassen sich an einer Hand abzählen. Ansonten habe ich nur so ein Warn-Programm bei Katstrophen das mir Nachrichten schicken darf.
    Und Bücher lese ich auch noch auf Papier.

    Ein Gedanke, der mir oft kommt: was hätten die Leute vor 50 oder 100 oder 500 Jahren gesagt, wenn wir ihnen sagen würden, dass wir ein Gerät, mit dem wir auf alle Informationen und soviel Wissen zugreifen können, in der Tasche haben – aber damit spielen und Katzen-Videos angucken?

    Antworten

    • Moin moin,

      ha, ja, das gute alte 56k-Modem… krrrr-düüüü-diiiep— krrr—zz–…
      Das hat mich auch jahrelang begleitet. Erst als ich zum Studium nach Köln gezogen bin, kam ich zum ersten Mal in den Genuss von DSL… huuuuuiiiii! 😀

      Krass, dieses PLZ-Buch. Wobei ja allein schon die Tatsache, dass man diese Informationen über die verschiedenen Entfernungen überhaupt hatte, selber eine immense Errungenschaft ist. So alt ist die Landvermessung ja auch noch nicht, und was war das nicht für ein aufwändiges Unterfangen…

      Liebe Grüße
      Anne

      Antworten

  3. Echt schön geschrieben, Anne. Du beleuchtest viele Aspekte, das gefällt mir wirklich. Ich bin nicht mit Computern aufgewachsen, Schule ohne Computer geschafft, auch Referate und Abitur. Ich erinnere mich an den ersten Kontakt zum WWW an der Unibibliothek. Stone age, ich weiß.

    Nach dem Studium habe ich Research gemacht und dabei Reuters und Bloomberg genutzt. Heute nutze ich das Internet sehr gerne, ich liebe die Möglichkeiten, die ich damit habe. In welchem Rahmen ich es nutze, ist mein Ding – Detox hin oder her. Solche Trends nehme ich wahr und das ist es. Viele ziehen ihren Blogs an solchen Schlagworten auf, ich tippe es generiert Klicks 😉

    Damit es nicht zu viel wird mit dem Handy sind die Benachrichtungstöne ausgeschaltet, ich gucke dann, wenn ich Zeit und Lust habe.

    Antworten

    • Hallo Bee,

      danke für die Blumen. 🙂

      Ja, die meisten Push-Benachrichtigungen habe ich auch ausgeschaltet und tatsächlich ist mein Handy so gut wie immer auf lautlos gestellt. Ab und an verpasse ich dadurch halt mal einen Anruf, aber wayne… wenn ich erst eine Stunde später zurückrufe, geht die Welt auch nicht unter. Und ich habe vorher meine Ruhe und kann mich auf etwas anderes fokussieren.

      Liebe Grüße
      Anne

      Antworten

  4. Ich bin auch noch ohne Internet aufgewachsen und erinnere mich sehr gut daran, wie ich einst mit meinem Rad regelmäßig zur Stadtbibliothek fuhr um dort in Fachbüchern zu wälzen, damit ich genug Input für anstehende Referate hatte. Viele Schulkameraden nutzten derweil bereits dieses Internet. Ich war neidisch, irgendwie. Heute spielt das alles keine Rolle mehr.

    Heute nutze ich Smartphone, dem ich anfangs gar nichts abgewinnen konnte, und blogge regelmäßig, lese andere Blogs und Internetseiten. Weiß ich etwas nicht, frage ich Onkel Google. Der verweist meist auf Tante Wiki(-pedia). Und ich bin wieder ein Stück schlauer geworden.
    Ganz ehrlich, die Einfachheit die das Internet bietet, ist purer Luxus. Das Wissen was uns geschenkt wird – überall und jederzeit – einfach unbezahlbar.
    Gleichzeitig birgt es eine riesige Gefahr. Früher war Tante Wiki auch eine große Falle für mich. Durch die vielen Querverweise verlor ich mich in den Artikeln und merkte kaum wie die Stunden vergingen. Ich spielte textbasierte LOGD-Rollenspiele und wurde süchtig.
    Diese Zeit ist glücklicherweise überstanden.

    Mein Smartphone und ich sind uns ganz grün. Wir haben eine gute und ausgewogene Beziehung, mit genug Nähe und oftmals aber auch reichlich Abstand zueinander. Besonders dann, wenn ich es mal wieder zu Hause vergessen haben.

    Mein Tablet und ich müssen solch eine Beziehung erst noch aufbauen. Gerade Abends, ruft es mich so oft und lockt mich mit der bunten Bloggerwelt. Dann lese und lese ich und merke wie die Stunden wieder einmal an mir vorrüber gestrichen sind. Die Suchtansätze sind für mich allgegenwertig. Das merke ich insbesondere dann, wenn ich nichts bestimmtes zu tun habe. Dann erwische ich mich dabei, wie ich wieder mittels Tablet im Internet irgendwelche Blogs lese, die es dann doch nicht schaffen mein Interesse dauerhaft zu halten. Ich ziehe sozusagen von Blog zu Blog und die Zeit streicht einfach dahin. Früher zappte ich im TV herrum, heute ist er nur noch bei Nachrichten an oder um eine gute Serie zu gucken.

    Ich bin nicht danach süchtig ständig online sein zu müssen, ich muss mich nicht präsentieren oder bemerkbar machen, ich brauche auch kein Feedback (klar Kommentare auf meinem Blog wünsche ich mir dennoch, denn ohne Feedback ist das bloggen nur halb so erfreulich) um mich toll zu fühlen. Ich gebrauche das Internet aber dennoch öfter als mir eigentlich lieb ist, einfach für einen abendlichen Zeitvertreib.

    Liebe Grüße, nossy 🙂

    Antworten

    • Hallo nossy,

      oh ja, dieses immer weiteren Verweisen Folgen kenne ich… teilweise öffne ich mir die Querverweise eines Artikels in neuen Tabs und habe am Ende drölfzig verschiedene Artikel offen, bei denen ich teilweise gar nicht mehr weiß, in welchem Zusammenhang ich sie überhaupt geöffnet hatte.

      So ein mehr oder minder zielloses Herumlesen auf Blogs mache ich auch ganz gerne… teilweise starte ich bei Bloglovin‘ mit einer Stichwortsuche zu einem bestimmten Thema, oder ich klicke mich durch interessante Artikellinks in einschlägigen facebook-Gruppen. Da geht mitunter schon echt viel Zeit drauf, das stimmt. Gleichzeitig genieße ich es aber auch, mich ab und an einfach mal durchs Internet treiben zu lassen. Normalerweise ist mein Alltag ziemlich durchgetaktet und timeboxed, wie es neudeutsch so schön heißt – da ist das dann für mich eine Form von Auszeit.

      Liebe Grüße
      Anne

      Antworten

  5. Ein super Thema – da bin ich vorhin gleich neugierig geworden, als ich hier vorbei geschaut habe, um den Link zum #fotoprojekt17 für meinen Post, der demnächst kommt, rauszusuchen.

    Irgendwie liest man ja echt fast jede Woche davon, dass irgendwie sich eine Auszeit vom Online-Sein genommen hat – entweder wirklich ganz oder eben doch nur in der abgeschwächten Version (Whatsapp und Mails sind okay, Insagram, Twitter & Blogs verboten)…

    Ich selbst weiß immer nicht, was ich mit solchen Posts anfangen soll, wenn ich ehrlich bin. Wenn jemand sich ohne all diese sozialen Medien besser fühlt, warum integriert er dann nicht mehr solcher Phasen in seinen Alltag. Zum Beispiel nur eine halbe Stunde in sozialen Netzwerken verbringen statt in jeder freien Minute da rein zu schauen… oder warum zum Teufel nutzt man überhaupt 1000 Netzwerke, wenn sie nur Druck verbreiten?

    Aber auch von Detox im Sinne von „Ich esse kein xxx, kein yyy, kein zzz und kein gar nichts, um meinem Körper eine Pause zu gönnen“ halte ich irgendwie nichts… ich bin eher jemand, der versucht, im Alltag so zu leben, dass alles nur in Maßen mich schädigen kann und eben solche „Reset“-Tage und -WOchen nicht nötig sind.

    Trotzdem, vor drei Jahren habe ich mit einem besten Freund mal gemeinsam eine Woche das Internet gestrichen… also Laptop durfte an, aber eben nur im Flugmodus. Und Handys hatten wir damals noch nicht…

    Schön finde ich ja, dass du hier auch den Begriff erklärst. Bei „Digital“ würde ich nie an eine Spülmaschine denken oder an Waagen und manche Uhren… aber du hast natürlich recht. Digital hat für mich irgendwie immer etwas mit Datenspeicherung und Übertragung zu tun… Kameras, Fernseher, Computer, Server…

    Wie soll die App mir denn hefen? Sind das solche, die dann einfach das Handy eine gewisse Zeit sperren?

    Bei Büchern ticke ich genau wie du… das müssen echte Seiten sein! Aber diese Achtsamkeits-, Spirituelle Schiene geht mir doch mehr auf die Nerven als irgendwas anderes… Es ist einfach zu viel.
    Für mich ist aber die Internetwelt wirklich nicht mit einer schädlichen Substanz wie Heroin gleichzusetzen…

    Hihi, und ich wohne ja doch eher ländlich (Kleinstadt) und liebe die Natur um mich herum, aber in einem Dorf so wie früher würde ich nicht mehr leben wollen. So viel Ruhe ist mal ein paar Tage schön, aber kann auch echt unpraktisch sein, was einkaufen und Hobbys betrifft. Daher ist das Land für mich echt was, was nur für junge Kinder wirklich schön ist auf Dauer – denn damals habe ich das Spielen im Matsch, die Ausritte und alles auch geliebt.

    ALso ich bin ja mit Internet groß geworden… 98 geboren, erster PC mit fünf zum Spielen (gemeinsam mit meiner 3-jährigen Schwester und ohne Internet), erste Mailadresse mit 8 am PC meiner Mama… also quasi seit der dritten Klasse durfte ich Mails schicken und wir haben auf spielen.com Spielchen gespielt. In der siebten Klasse kam dann der eigene Laptop mit Internet – und seither hatte ich immer irgendwelche sozialen Netzwerke und wenn ich nicht weiter weiß, dann google ich fast automatisch, sofern ich nicht Mama eine Whatsapp schicke 😉
    Dass man Informationen früher mal nicht zu Hauf fand, ist für mich aber echt unvorstellbar… oder die Speichergrößen von damals. 128MB hatte die uralte Festplatte unseres alten Computers… selbst meine Kamera hat heute mehr und die Karte ist trotzdem ständig randvoll 😀

    Die DB-App brauche ich auch immer, wenn ich irgendwo hin will – dann muss ich mir in Hessen keinen Fahrplan ausdrucken, denn ich kann da Dank Semesterticket ja kostenlos fahren und will nur wissen, zu welchen Gleisen ich muss. Aber auch der Rest, den du ansprichst, ist echt genial, wenn ich mal so drüber nachdenke. Was heutzutage alles möglich und sogar selbstverständlich ist.

    Dein Fazit ist echt schön und beschreibt genau meinen Standpunkt!

    Liebe Grüße

    Antworten

    • Guten Morgen Tabea,

      ah, dann bin ich schon mal gespannt auf deinen Beitrag zum #fotoprojekt17! 🙂

      Soweit ich das herausgefunden habe, ohne mir die entsprechenden Apps herunterzuladen, unterdrücken sie wohl für einen gewissen Zeitraum Benachrichtigungen anderer Apps oder deaktivieren das Handy für einige Zeit komplett, sodass nur noch Notrufe möglich sind.

      Haha, ja, die Speicherkapazitäten… das ist schon irre. Ich weiß noch, wie ich damals so um 2003 herum meine erste Digitalkamera bekommen habe. Das war eine ziemlich maue Knipse vom Discounter, aber immerhin. Die mitgelieferte Speicherkarte fasste ganze 16MB – sweet, ein einziges RAW-Foto mit meiner 5D MK III ist um die 28MB groß. 😀

      Liebe Grüße
      Anne

      Antworten

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  7. Hallo!

    Ich war letzten Sommer ein Monat lang offline, Smartphone besitze ich sowieso nicht.

    Mir hat das sehr gut getan und ich werde auch dieses Jahr wieder eine Auszeit nehmen, vor allem auch vom Bloggen.

    Detox würde ich das nicht nennen, aber mir ist es wichtig Zeiten zu haben, wo mehr Raum ist für das reale Leben.

    lg
    Maria

    Antworten

    • Hallo Maria,

      super, wenn du eine solche Auszeit für dich als Ressource zum Krafttanken entdeckt hast! 🙂
      Wobei das Bloggen für mich tatsächlich sehr real ist – mit echten Menschen (die ich zum Teil auch persönlich kennenlernen durfte) über Erlebnisse, Erfahrungen und Gedankengänge zu schreiben, ist für mich nicht weniger real als bspw. ein Telefonat oder ein Brief.

      Liebe Grüße
      Anne

      Antworten

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