Dolida im Februar 2021

Dolida oder Der Weg zum eigenen Pferd

zuletzt aktualisiert am 6 Kommentare

Ende Dezember 2020 stand fest: ich kaufe ein Pferd! 🤩 Wie es dazu kam, kannst du in diesem Beitrag nachlesen.

Was für ein Pferd sollte es werden?

Eine Liste mit meinen groben Kriterien war schnell erstellt:

  • Stute oder Wallach, kein Hengst (ich tendierte zu einer Stute)
  • mindestens 8 Jahre alt – raus aus dem Flegelalter
  • Stockmaß zwischen 1,45m und 1,65m
  • ausgeglichen, ohne eine Schlaftablette zu sein
  • Freizeitpferd

Ich suchte nach einem pferdigen Partner, mit dem ich auch alleine ins Gelände gehen kann.
Gymnastizieren und feinfühliges Reiten finde ich unglaublich wichtig, aber Dressurreiten um des Dressurrreitens willen ist nicht so mein Ding. Auch Springreiten nicht, abgesehen vielleicht von dem ein oder anderen Baumstamm im Gelände. Also habe ich auch keine Turnierambitionen.

Ich bin mehr der Typ Freizeitreiter mit Natural Horsemanship-Einschlag. 🙂

Wie wäre es mit dem Reitbeteiligungs-Tinker?

Ich dachte natürlich darüber nach, den Reitbeteiligungs-Tinker zu kaufen. Schließlich hatte ich ihn trotz allem ins Herz geschlossen und er sollte ja ein neues Zuhause finden.

Ein Pferd zu kaufen, was man schon länger kennt, ist natürlich immer auch besser als die sprichwörtliche “Katze im Sack”. So richtig gut kann man ein Pferd bei ein-, zweimal Probereiten einfach nicht kennenlernen. Bekannte von mir sind damit auch schon ganz schön auf die Nase gefallen.

Dass die Verkäufer keine wildfremden Menschen wären und das Pferd nicht wer weiß wie weit im Hänger reisen müsste, wäre natürlich ein weiteres Argument.

Ehrlicherweise ist der Tinker aber vom Typ her einfach nicht “mein” Pferd – mir liegen eher die Feinfühligen als die Dickköpfigen. 😀

Verkaufsanzeigen durchforsten…

Also begann ich, mich online durch Verkaufsanzeigen aus der Region zu wühlen. Es gibt ja gleich mehrere Portale, auf denen Pferde inseriert werden.

Auf Anhieb fand ich erstmal nichts, aber mei, gut Ding will schließlich Weile.

Ich stellte mich auf rund ein halbes Jahr Suche ein und machte mir keinen Stress – wenn das richtige Pferd für die nächsten Jahre und Jahrzehnte vor mir stand, war es doch egal, ob ich es einen Monat früher oder später fand.

“Was ist denn mit der Dolida?!”

Am Telefon erzählte ich einer Freundin von meinen Pferdeplänen, die ihr Pferd in dem gleichen Stall zu stehen hat wie der Tinker. Ihre erste Reaktion war: “Was ist denn mit der Dolida??? Wäre die nix für dich?!” – Dolida ist das andere Pferd, das ein neues Zuhause suchte.

Ehh… gute Frage, warum ich die so gar nicht auf dem Schirm hatte. Manchmal sieht man ja den Wald vor lauter Bäumen nicht. 🙈

Bis dato hatte ich Dolida ein paar Mal geputzt und dabei ihre Eleganz bewundert, viel mehr hatten wir aber noch nicht miteinander zu tun gehabt.

In der Theorie klang sie aber schon mal perfekt: eine 14jährige P.R.E.-Stute (P.R.E. = Pura Raza Española, salopp gesagt: Andalusier mit nachgewiesener Abstammung). Sie ist sensibel, aber souverän und ehrlich. Ihre frühere Reitbeteiligung, die mittlerweile leider keine Zeit mehr hatte, ist mit ihr oft alleine ausgeritten. In letzter Zeit wurde sie Englisch geritten, kennt aber auch die Westernreitweise und hatte just einen neuen Westernsattel bekommen. Yay, nach 25 Jahren Englischreiten wollte ich ja eh liebend gern auf Western umsteigen. 🙂

Dolida im Januar 2021

Dass Dolida immer noch so menschenbezogen und freundlich ist, ist schon ein kleines Wunder: der Tierschutz hat ihr vor einigen Jahren wortwörtlich das Leben gerettet. Sie hatte massive Huf- und Rückenprobleme und sollte zum Schlachter.

Heute hat sie immer noch einen Senkrücken und benötigt eine sorgfältige Hufpflege, ist ansonsten aber wieder fit. Unglaublich, dass jemand ein so tolles Pferd einfach aufgegeben hätte-

Das Kennenlernen

Ich fuhr also noch am gleichen Tag zum Probereiten in den Stall (der arme Tinker guckte etwas irritiert, als ich ein anderes Pferd sattelte 😀 ).

Es war stürmisch und eisig kalt und nach einer Viertelstunde auf dem Platz war ich heillos durchgefroren. Aber der erste Test mit uns beiden war definitiv super ausgefallen und ich konnte es kaum erwarten, bei besserem Wetter mit Dolida auszureiten.

Einige Tage später war es soweit, der erste Ritt im Gelände stand an. An Dolidas raumgreifenden Schritt musste ich mich erstmal gewöhnen, ebenso wie an den Westernsattel und die westernypischen split reins, also zwei einzelne Zügel anstelle eines durchgehenden Exemplars im Englischreiten.
Mit Ausnahme einiger kleiner Kommunikationsmissverständnisse (sie ist wirklich sensibel 😀 ) kamen wir ganz gut miteinander klar und im Galopp zeigte Dolida, was für ein Temperament und Go in ihr stecken.

In den folgenden Tagen und Wochen machten wir Bodenarbeit auf dem Platz, ritten draußen und auf dem Platz oder gingen spazieren. Und natürlich wurde ganz viel Zeit mit Putzen und Schmusen verbracht. 🥰
Dolida ist einfach ein unglaublich tolles Pferd – intelligent, neugierig und entspannt.

Dolida im Januar 2021

Auf dem Weg zum Dreamteam

Es ist der Wahnsinn, wie gut sie ausgebildet ist! Bei der Bodenarbeit reichen ganz feine Hilfen, um Seitengänge, Vorhand- und Hinterhandwendungen und Co. abzurufen. Dolida hat richtig Spaß daran, mitzuarbeiten, und ist so gar nicht der Typ “ich schlunz das jetzt irgendwie hin und bin in Gedanken schon wieder an der Heuraufe”. Sie ist genau so eine kleine Streberin wie ich. 😀

Unterm Sattel ist genau das auch unsere Herausforderung… weil sie so extrem sensibel reagiert, verwirre ich sie manchmal noch mit unbeabsichtigten widersprüchlichen Hilfen, wenn ich etwa mein Gewicht nicht exakt und fein genug verlagere oder mit den Zügelhilfen eine Millisekunde zu spät dran bin.

Dolida und ich im Januar 2021

Tatsächlich ist Dolida eines dieser ganz besonderen Pferde, die quasi “Gedanken lesen” können – also auf die kleinsten, auch unbewussten Änderungen in der Körperhaltung reagieren. Wenn wir im Flow sind, reicht es, konzentriert zu denken: “da vorne biegen wir auf den Zirkel” – und Dolida biegt ohne bewusste Hilfengebung ab. Das ist ein wahnsinnig schönes Gefühl, eine so feine Verbindung zu haben.

Ganz so harmonisch läuft es aber noch nicht immer. 😀
Manchmal müssen wir noch ganz schön diskutieren, wenn das Pferdle partout in eine andere Richtung will als ich. Denn bei aller generellen Freude an der Mitarbeit ist Dolida halt auch recht dominant und entwickelt ihre eigenen Ideen, auf die sie aktuell teils noch mehr vertraut als auf meine. Dabei auf einen Nenner zu kommen und ein Dreamteam zu werden, kriegen wir aber schon noch hin – challenge accepted. 😊

Mit Dolida auf dem Platz - Januar 2021

Dolida wird mein Pferd!

Ziemlich bald stand also fest: Dolida ist genau das Pferd, nach dem ich gesucht habe und sie wird ein Teil unserer Familie. 🥰

Klar, ihre Gesundheit erfordert eine Extraportion Aufmerksamkeit. Damit ihr Senkrücken nicht schlimmer wird, werde ich sie vom Boden und vom Sattel aus gut gymnastizieren.
Ihre Hufe waren früher in einem schlimmen Zustand. Seit ein paar Monaten geht Dolida nun barhuf statt mit Eisen, zum Ausreiten trägt sie dabei schützende Hufschuhe. Jeden Tag werden ihre Hufe nicht nur gründlich gereinigt, sondern derzeit auch mit einer Emulsion gegen Strahlfäule behandelt. Dadurch sind ihre Hufe schon deutlich besser geworden und sie läuft mittlerweile richtig entspannt. Auch die Hufpflegerin, die alle 4 Wochen kommt, ist sehr zufrieden mit der Entwicklung.

Selbst wenn das Pferdle im worst case in einigen Jahren nicht mehr reitbar sein sollte – dann gehen wir eben nur noch spazieren und machen Bodenarbeit. Hauptsache, Dolida geht es gut.

Dolida im Februar 2021

Ich ließ noch einen Tierarzt drübergucken, dann wurde es offiziell: Mitte Januar unterschrieb ich den Vertrag vom Tierschutz, schloss eine Pferdehaftpflichtversicherung ab und auch eine OP-Versicherung.

Tja – und damit war ich auf einmal Pferdebesitzerin.
Alles in allem dauerte es also nicht einmal einen Monat, mein Vorhaben in die Tat umzusetzen – das ist schon irre und fühlt sich immer noch ein bisschen surreal an.

Willkommen in der Familie, Dolida! 🥰

Dolida und ich im Januar 2021

6 Gedanken zu “Dolida oder Der Weg zum eigenen Pferd”

  1. Ach Mensch Anne, das ist soooo schön zu lesen!!!! Ich war in jungen Jahren auch so eine Pferdeliebhaberin. Mein ganzes Leben drehte sich um Pferde und ich habe als junges Mädchen einen kleinen frechen Shettie gepflegt und geritten. Irgendwann wurde mein Traum wahr (meine Eltern hatten nie viel Geld) und ich durfte mit ein paar Freundinnen in einen Reiterurlaub fahren, auf einen Pferdehof irgendwo im Sauerland. Dort ist ein Pferd (das wohl viel zu lange schon im Stall gestanden hatte) mit mir dermaßen durchgegangen, dass ich einen schlimmen Reitunfall hatte… Gehirnerschütterung, blaues Auge, gebrochener Knöchel, Prellungen überall. Ich bin runtergefallen und noch kurz im Reitbügel hängen geblieben – das Pferd ist noch versehentlich über mich drüber gelaufen.

    Als ich nach Hause kam – ich kann Dir nicht sagen, wieso, denn ich mag Pferde immer noch total gerne – verschwanden ganz schnell alle Pferdeposter von der Wand und meine neue große Liebe war die Rockmusik! ;-))) Auf ein Pferd bin ich nie wieder gestiegen. Trotzdem lieeeebe ich Pferde und Tiere im allgemeinen und für mich gibt es nichts Schöneres, als unterwegs in der Natur zu sein. Ich freue mich nun auch riesig, unseren Garten anzulegen.

    Ich finde es so toll, dass Du Deine Pferdeseele gefunden hast und das letzte Foto ist einfach zum Knuddeln. Da hat Dolida ein wirklich schönes Zuhause gefunden!!

    Ganz liebe Grüße an Euch zwei 😉
    Lony x

    1. Hallo Lony,

      och Mensch, das tut mir Leid zu hören, dass du so schlechte Erfahrungen beim Ausreiten machen musstest!
      Vielleicht gibst du einem ausgeglicheneren Pferd ja nochmal eine Chance? 🙂

      Mit deinem Garten wünsche ich dir ganz viel Spaß und Erfolg!! Auf der einen Seite bin ich ja froh, dass in unserem Garten nach 4 Jahren jetzt das Gröbste geschafft ist und die wirklich anstrengenden größeren Arbeiten erledigt sind – sowas wie das Abstechen des Rasens für den Bauerngarten. Das war schon Knochenarbeit bei unserem Lehmboden. Aber gleichzeitig ist es natürlich einfach unglaublich toll, wenn noch alle Optionen zum Gestalten offen sind und man sich nach Herzenslust austoben kann mit der Planung! 😀

      Ich freue mich auf jeden Fall schon sehr darauf, bei dir mitzulesen und Fotos zu sehen von deinem Gartenparadies. 🙂

      Liebe Grüße
      Anne

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