Herbstzeit

Herbst 2014

Mein Atem bildet weiße Wölkchen in der kalten, klaren Herbstluft. Unter meinen Füßen raschelt bei jedem Schritt das Laub, und ich kneife die Augen etwas zusammen, geblendet von der tiefstehenden, grellen Morgensonne. Mit eisigen Fingern justiere ich die Kamera und mache eine Aufnahme. Klick. Halte den Moment fest. Klick.

Herbst 2014

Herbstzeit heißt Abschied nehmen. Vom Sommer, von diesem Jahr.
Ein Abschnitt in meinem Leben geht zu Ende.

Ich bin nicht gut in letzten Malen. Bei manchen Momenten in meinen Leben wusste ich nicht, dass sie gerade zum letzten Mal passierten. Dass wir uns zum letzten Mal sahen, zum letzten Mal zusammen waren, dass es der letzte Kuss war. Im Nachhinein fragte ich mich, ob es den Moment besser oder schlechter gemacht hätte, wenn ich gewusst hätte, dass es ein letztes Mal war-
Bei anderen Situationen wusste ich, dass ich sie gerade zum letzten Mal erlebe. Das hat es auch nicht einfacher gemacht. Meistens habe ich dann Fotos aufgenommen, den Moment eingefangen.

Vermutlich fotografiere ich deshalb so viel.
Weil alles immer gerade zum letzten Mal sein könnte und weil ein Foto der Endgültigkeit ein kleines Aber abtrotzt.

Herbst 2014

Letzte Male tun weh und manchmal blicke ich mit Wehmut zurück, würde die Zeit gerne noch einmal zurückdrehen.
Aber auf jedes letzte Mal folgt auch immer ein erstes Mal.
Ein Lebensabschnitt geht zu Ende, und dafür beginnt ein neuer. Mit neuen Chancen, neuen Herausforderungen, neuen Möglichkeiten.

Herbst 2014

Die Sonne ist mittlerweile so weit aufgegangen, dass ihre Strahlen mein Gesicht berühren. Eben noch tauverhangen im Schatten, werden jetzt auch die Äste neben mir in strahlenden Morgenlicht getaucht und entflammen in Rot und Grün und Gold.

Herbst 2014

Ich genieße die warmen Sonnenstrahlen auf meiner kalten Haut, sage dem Sommer ein lautloses Danke für dieses Abschiedsgeschenk, und gehe der Sonne entgegen.

(Alldieweil mir gerade auffällt, dass man den Text so interpretieren könnte – nein, der Beste und ich haben uns nicht getrennt, ganz und gar nicht. 😉 )