Nachhaltig… einkaufen? #Bestandsaufnahme

8. August 2017- aktualisiert: 14. Juni 2018 Nachhaltigkeit 13 Kommentare

Weiter geht es mit meiner Bestandsaufnahme-Serie zur Frage, wie nachhaltig wir aktuell leben – was gut läuft, was wir ausprobieren, woran es noch hapert.
Heute soll es um das Thema Einkaufen gehen: naturgemäß liegt genau hier der Hund begraben, denn beim Einkaufen schleppen wir den ganzen Krempel ja schließlich erst nach Hause!

Da ich aber keinen XXL-Beitrag über alle möglichen Anschaffungen schreiben will, stehen hier jetzt explizit generelle Tipps und Überlegungen zum Einkaufen im Mittelpunkt.

Wann fängt Einkaufen an?

In dem Moment, in dem der Euro mit einem Klicken im Einkaufswagen einrastet und wir unsere Drahtkarre in Startposition zerren? Beziehungsweise in dem Moment, in dem wir Amazon oder einen sonstigen Onlineshop aufrufen?

Eigentlich nicht.

Eigentlich fängt einkaufen schon vorher an – mit der Überlegung, überhaupt etwas anschaffen zu wollen. Wobei das oft gar nicht mit sonderlich viel Überlegen zu tun hat; Einkaufen ist so selbstverständlich, dass wir es einfach nebenbei erledigen und gar nicht großartig in Frage stellen.

In den letzten Monaten habe ich versucht, bewusster einzukaufen. Mir zu überlegen, ob ich das, was ich da gerade kaufe, wirklich brauche und ob es eine nachhaltigere Alternative gibt. Und ja, es ist mitunter verflucht unangenehm, sich das eigene Konsumverhalten schonungslos klarzumachen.

Einkaufswagen

In meinem Instagram-Feed gefunden – irgendwann 2014

Der tägliche Bedarf und die Extrawünsche

Ziemlich schnell hat sich herauskristallisiert, dass sich meine Einkäufe in zwei Kategorien aufteilen:

  • das, was wir zum täglichen Leben brauchen – Lebensmittel, Klopapier und Konsorten
  • Extrawünsche: Kleidung, Bücher, Schreibwaren, …

Der Löwenanteil unserer Einkäufe entfällt auf die erste Kategorie. Daher hat es wohl die größten Auswirkungen, wenn wir hier etwas an unserem Konsumverhalten ändern. Allerdings finde ich das auch deutlich schwieriger – alle naselang sind die Vorräte aufgebraucht und im Eifer des Gefechts bleibt oft keine Zeit, wer weiß wie lange nach Alternativen zu suchen.

Bei den Extrawünschen geht das leichter, die braucht man nur selten wirklich dringend. Aber auch hier kann die Suche nach ressourcensparenden Versionen mitunter verdammt kompliziert werden…

Am einfachsten finde ich es daher in beiden Kategorien, von vornherein einfach auf bestimmte Dinge zu verzichten. Das erspart es mir, ewig lange nach nachhaltigen Alternativen forschen zu müssen. Kein Konsum ist ja sowieso sogar noch besser als nachhaltiger Konsum, und auch den Geldbeutel freut’s. 🙂

Einkaufsband

Noch mehr altes Instagram-Zeug – so würden wir heute nicht mehr einkaufen

Extrawünsche: jetzt sofort auf der Stelle, aber dalli?!

Für die “Extrawünsche” habe ich Anfang Juli damit begonnen, mir im Notizbuch eine Wunschliste anzulegen. Vier einfache Spalten:

  • Was will ich haben?
  • Seit wann will ich es?
  • Trägt es zu einem nachhaltigeren Lebensstil bei?
  • Gibt es eine Alternative zum Neukaufen?

Ich hatte es irgendwann selber satt, dass bei mir gar keine wirkliche Vorfreude mehr auf irgendwelche neuen Dinge aufkam. Früher träumte ich monatelang von diesem neuen Objektiv, jenem Spiel oder was auch immer, was dann erst anlässlich Weihnachten oder eines Geburtstags Einzug hielt. Und heute? Sehen, klicken, haben… schulterzucken.

Daher habe ich mir vorgenommen, mir solche Extrawünsche erst dann zu erfüllen, wenn ich sie nach ein paar Wochen immer noch haben will. Ehrlicherweise brauche ich das Wenigste davon, und oft genug sind mir in der Vergangenheit überflüssige Spontankäufe untergekommen. Wie etwa diese ganz bestimmten Filzstifte, mit denen eine talentierte Bloggerin ihre wahnsinnig hübschen Zeichnungen coloriert… musste ich dann unbedingt auch haben, bloß sehen meine Strichmännchen davon halt auch nicht besser aus. 😀

Second Hand & Ausleihen statt Neukaufen

Und muss wirklich alles immer neu gekauft werden? Zugegebenermaßen war ich seit Ewigkeiten in keinem Second Hand-Laden mehr (weil ich da früher nie etwas gefunden habe) und Kleiderkreisel habe ich auch noch nie ausprobiert. Aktuell tendiere ich stark dazu, nur noch fair und ökologisch verträglich produzierte Kleidung zu kaufen; mal sehen, ob man die auch Second Hand findet – wobei ich eh nur ein, zwei Mal im Jahr Kleidung einkaufe.

Bücher landen bei mir jetzt nicht mehr im digitalen Warenkorb, sondern auf einer Liste, mit der ich zur hiesigen Bücherei gehe. Und wenn’s ein Buch dort nicht gibt und es auch niemand im Freundeskreis verleihen kann, bietet die örtliche kleine Buchhandlung definitiv ein netteres Einkaufserlebnis als Amazon. Dort bestellt der Beste zwar ganz gerne, setzt aber in der Regel auch auf Gebrauchtkäufe.

Bei einigen Dingen habe ich nicht zuletzt auch meine Mom gebeten, mal in ihrem Bekanntenkreis herumzufragen… in der kalten Jahreszeit will ich dieses Jahr mit Stricken und Häkeln beginnen. Bevor ich mir da aber jetzt die ganze Ausstattung neu kaufe, finde ich vielleicht noch jemanden, der Nadeln & Co. ungenutzt im Schrank herumzuliegen hat und froh ist, einen Käufer zu finden.

Von Einkaufszetteln & Essensplänen

Kommen wir zum täglichen Bedarf. Allem voran sind das Lebensmittel.

Früher sind wir locker drei, vier Mal pro Woche spontan zum Supermarkt gefahren und haben in den Einkaufswagen gelegt, was uns gerade so ins Auge lachte. Weil das dann teilweise abends nach Feierabend war und uns beiden schon der Magen knurrte, hatten wir dann keine große Lust mehr zum Selberkochen und haben einfach zu Fertiggerichten oder dem Bestellzettel des Pizzalieferanten gegriffen.

Dass Fertiggerichte oft ein Dutzend dubioser Zusatzstoffe enthalten und nicht wirklich gesund sind, ist die eine Sache. Der Preis und der ganze Verpackungsmüll nach so einer Pizza-Pommes-Orgie kommen noch hinzu.

Seit etwa anderthalb Jahren kochen wir deutlich mehr selber, und auch wenn wir durch den Hausbau und Umzug zeitweise aus dem Takt kamen, pendelt sich das in den letzten Monaten wieder sehr schön ein:

Am Wochenende planen wir, was wir in der kommenden Woche kochen wollen. Auf einen “Essensplan” von Montag bis Sonntag notieren wir, was es geben soll – inklusive der benötigten Zutaten. Dabei stöbern wir nach Herzenslust in unserer Kochbuch-Sammlung und mischen Altbewährtes mit neuen Gerichten.
Entsprechend der Rezepte schreiben wir eine Einkaufsliste und überlegen, wer von uns wann einkaufen geht. Meistens kommen wir mit zweimal Einkaufen pro Woche aus (hängt immer vom frischen Gemüse ab).

Da wir auf unserem Arbeitsweg beide an einem halben Dutzend Supermärkten vorbeikommen, brauchen wir in der Regel nicht eigens zum Einkaufen loszufahren. Außer, wir wollen gemeinsam zu “besonderen” Läden wie etwa der Getreidemühle, in der wir neulich zum ersten Mal waren.

Kochbücher

Unsere Kochbuch-Sammlung

Und wo kaufen wir ein?

Was uns zu der spannenden Frage bringt: wo kaufen wir eigentlich ein, allem voran die Dinge des täglichen Lebens?

Da wir auf dem Land wohnen, spaziere ich natürlich regelmäßig mit einem geflochtenen Korb unterm Arm auf den idyllischen Wochenmarkt oder zum Hofladen umme Ecke. Dort bekomme ich alles unverpackt, alles bio und regional, und natürlich viel preiswerter als in der Großstadt, weil ja die Transportwege entfallen. 🙂

Äh… nein.

Auch wenn einschlägige Zeitschriften einem ja gerne ein anderes Bild vom Landleben weismachen wollen – Einkaufen auf dem Land heißt in erster Linie: in jedem größeren Kaff ein Aldi, ein Lidl, dazu ein Rewe oder Edeka.
Hofläden gibt es tatsächlich auch, allerdings bekommt man natürlich im einen Laden nur Mehl, im anderen nur Gemüse und im dritten nur Honig. Dazwischen liegen dann schon mal zwanzig Kilometer. Die Preise in den kleinen Läden betragen gut und gerne das Doppelte bis Dreifache von dem, was man aus Discountern kennt.

À propos Preis: klar, im Discounter herrscht oft eine Schleuderpreis-Moral, die dem tatsächlichen Wert eines Produkts nicht gerecht wird und die kleinere Betriebe ausbootet, die nicht alles auf Kosten der Tiere und Natur bis zum Erbrechen optimieren.
Der Moral und der Gesundheit wegen versuchen wir, mehr Regionales einzukaufen und damit die kleinen Läden zu unterstützen. Allerdings muss man sich aber klar machen, dass das tatsächlich mehr Geld kostet und bis zu einem gewissen Grad ein Luxus ist, den sich leider nicht jeder leisten kann. Zwischen 1,20€ für ein einfaches Kilo Brot beim Supermarkt und knapp 4€ für einen 500g-Bio-Laib liegt ein gewisser Unterschied. Hoffen wir mal, dass sich das in den nächsten Jahren durch gestiegene Nachfrage noch ändert und auch regionale Bioprodukte erschwinglicher werden.

Ehrlicherweise muss ich zugeben, dass der Großteil unserer Einkäufe aus dem Supermarkt stammt. Nudeln, Tomatenmark, Klopapier, Joghurt, … und auch Obst und Gemüse. Hier achten wir allerdings darauf, dass es möglichst aus der Region oder zumindest aus Deutschland kommt und nicht schon wer weiß wie viele Hundert Kilometer Transportweg zurückgelegt hat.

Der Gemüseertrag aus dem eigenen Garten reicht einfach (noch) nicht aus, als dass wir ohne Zukäufe auskommen würden. In den nächsten Jahren will ich unsere Gemüsebeete ja vergrößern, aber aktuell ist es auch noch sehr praktisch, die Paprika dann halt schnell im Supermarkt zu bekommen, wenn wir dieses oder jenes Rezept kochen wollen. Grob orientieren wir uns zwar jetzt schon daran, was gerade Saison hat und was nicht. Da haben wir aber noch einiges an Potential.

In Unverpackt-Läden war ich bislang noch nicht, einfach weil die für uns nur umständlich zu erreichen sind. 90km mit dem Auto von hier bis nach Köln und wieder zurück sind ja nun auch nicht gerade das Nonplusultra in Sachen Umweltfreundlichkeit… und mit den Öffentlichen mit dreimal Umstiegen will ich den Krempel nun auch nicht schleppen. Hmm.

Und die Moral von der Geschicht’?

Tja. Weniger zu konsumieren bzw. auf einige Dinge schlichtweg zu verzichten finde ich tatsächlich oft einfacher, als nachhaltige Produkte zu finden.

In den letzten Monaten achten wir beim Einkaufen verstärkt darauf, unnötigen Verpackungsmüll zu vermeiden (Klassiker: die eingeschweißte Bio-Gurke neben ihren naggischen Normalo-Kollegen…) und, wenn möglich, zu regionalen Produkten zu greifen. Ich muss mich da aber selber teilweise ein bisschen ermahnen, es nicht zu übertreiben – ich bin ja schnell so ein Ganz-oder-gar-nicht-Typ, zum Leidwesen meiner Familie. 😉

Vor ein paar Tagen etwa sollte es Salat zum Abendessen geben und weil der im Garten leider geschossen ist (gnarf), musste ich eben welchen kaufen. Nach der Arbeit bog ich also zum XXL-Rewe ab… und stellte fest, dass der zwar drölfzighundert Salatsorten in allen Varianten hat – aber allesamt in Plastikfolie verschweißt. Der stinknormale Eisberg ebenso wie der Bio-Kopfsalat oder der Lollo Rosso.
Eigentlich habe ich mich darüber so geärgert, dass ich am liebsten gar keinen Salat gekauft hätte. Uneigentlich hatte ich aber auch keinen Nerv, nach einem 11-Stunden-Tag noch auf gut Glück den nächsten Supermarkt abzuklappern oder dem Besten zu eröffnen, dass es aus Plastikgründen doch keinen Salat gibt. Ergo marschierte ich dann halt doch mit einem abgepackten Salatkopf zur Kasse… und mit dem Vorsatz, das nächste Mal nicht mehr so spontan nach Feierabend einkaufen gehen zu müssen.


Wie ist das bei euch? Wo kauft ihr ein und achtet ihr beim Einkauf darauf, dass die Produkte ökologisch und fair sind? Welche Tipps habt ihr?

Zu diesen Themen gibt’s noch mehr Artikel:

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8. August 2017- aktualisiert: 14. Juni 2018 Nachhaltigkeit 13 Kommentare

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Heute soll es um das Thema Einkaufen gehen: naturgemäß liegt genau hier der Hund begraben, denn beim Einkaufen schleppen wir den ganzen Krempel ja schließlich erst nach Hause!

Da ich aber keinen XXL-Beitrag über alle möglichen Anschaffungen schreiben will, stehen hier jetzt explizit generelle Tipps und Überlegungen zum Einkaufen im Mittelpunkt.

Wann fängt Einkaufen an?

In dem Moment, in dem der Euro mit einem Klicken im Einkaufswagen einrastet und wir unsere Drahtkarre in Startposition zerren? Beziehungsweise in dem Moment, in dem wir Amazon oder einen sonstigen Onlineshop aufrufen?

Eigentlich nicht.

Eigentlich fängt einkaufen schon vorher an – mit der Überlegung, überhaupt etwas anschaffen zu wollen. Wobei das oft gar nicht mit sonderlich viel Überlegen zu tun hat; Einkaufen ist so selbstverständlich, dass wir es einfach nebenbei erledigen und gar nicht großartig in Frage stellen.

In den letzten Monaten habe ich versucht, bewusster einzukaufen. Mir zu überlegen, ob ich das, was ich da gerade kaufe, wirklich brauche und ob es eine nachhaltigere Alternative gibt. Und ja, es ist mitunter verflucht unangenehm, sich das eigene Konsumverhalten schonungslos klarzumachen.