Nachhaltig… in der Küche? #Bestandsaufnahme

Roomtour im Danhaus: unsere Küche

Ich freue mich sehr, dass mein erster Bestandsaufnahme-Beitrag in Sachen Nachhaltigkeit, nämlich im Bad, bei euch so gut angekommen ist und auf so viel Interesse stößt! 🙂
Heute geht es weiter – mit einem Blick in unsere Küche und Vorratskammer und der Frage, wie nachhaltig wir da bereits leben, was wir umgestellt haben, wo noch Potential ist.

Das leidige Thema Müll

Ich schätze, 80% unseres Plastik- und Haushaltsmülls entstehen tatsächlich in der Küche: nämlich in erster Linie durch die Verpackungen von Nahrungsmitteln. Urgh!

Milchkartons, Konservendosen vom Gemüse, leere Gläser von Kaffeepulver, Würstchen und Senf, die Folien von Wurst und Käse, und und und… hier können wir noch verdammt viel verbessern.

Allerdings sind wir halt zu zweit. Zwei verschiedene Menschen, zwei teilweise verschiedene Einstellungen.
Ich muss mich manchmal zusammenreißen und etwas zurückhalten – ich bin ja gern so ein Hoppla-di-hopp-ab-jetzt-alles-anders-Typ, der Dinge von jetzt auf gleich radikal umstellt. Den Besten nervt das bisweilen, wenn ich auf einmal alles in Frage stelle und ganz anders machen will.

Kompromissbereitschaft ist hier das Stichwort, und Babysteps.

Und ich freue mich total, wenn der Beste jetzt auch immer öfter auf unnötige Verpackungen achtet, im Discounter nicht einfach zu den Kartoffeln aus Neuseeland greift und gute Ideen hat, wo wir unsere Umweltbilanz verbessern können. 🙂

Wie ernähren wir uns überhaupt?

Beim Thema Ernährung gibt es Vieles, was den Besten und mich gleichermaßen betrifft. Der grundsätzliche Unterschied zwischen uns ist, dass ich halt kein Fleisch esse. Ich mache da aber kein großes Brimborium drum… ich esse es halt einfach nicht und fertig. Ohne dass ich es verurteilen würde, wenn sich der Beste halt sein Schnitzel auf den Teller packt.

Wenn wir gemeinsam kochen, entscheiden wir uns entweder von vornherein gemeinsames für ein vegetarisches Gericht, oder ich variiere meinen Teil einfach – bspw. mit einer Tomaten- statt Hackfleischsoße zu den Nudeln, oder ich schnippele mir einfach einen bunten Salat zusammen.

Da der Beste im Schichtdienst arbeitet und daher zu sehr unterschiedlichen Zeiten daheim ist, essen wir oft zu unterschiedlichen Zeiten und nicht immer gemeinsam. Zu einem gemütlichen Abend zu zweit gehört ein leckeres Essen für uns dann auch mit dazu. Gerne selber gekocht – na gut, etwa einmal im Monat siegen Jieper und Faulheit und wir bestellen etwas beim Pizzadienst.

Seit sechs oder sieben Jahren besitzen wir einen Thermomix und diese Anschaffung hat sich wirklich gelohnt! Böse Zungen behaupten ja gern, ein Thermomix sei etwas für Leute, die zu doof sind zum Kochen. Für uns ist es einfach eine Küchenmaschine, die Zeit spart: Pürieren und Häckseln geht in nullkommanix, und beim Kochen muss man nicht nebendran stehen bleiben, weil das Ding von selbst umrührt.
In einer idealen Welt stünden wir natürlich total gechillt und achtsam rührend am Herd – in der Realität haben wir nach Feierabend aber noch  x andere Dinge zu erledigen und keinen Nerv, ewig in der Küche zu stehen.

Essenspläne

Seit etwa anderthalb Jahren schreiben wir einen Essensplan für die kommende Woche. Während der Bau- und Umzugsphase haben wir damit geschludert, finden aber gerade wieder zu diesem Rhythmus zurück.

Am Wochenende blättern wir gemeinsam in unserer Kochbuchsammlung und überlegen uns, mit unseren jeweiligen Dienstplänen und Kalendern in der Hand, an welchem Tag wir was kochen wollen. Manchmal muss es schnell gehen, manchmal muss es etwas sein, was man gut zur Arbeit mitnehmen kann und manchmal wollen wir bestimmte Vorräte aufbrauchen, damit sie nicht schlecht werden.

Anhand dieses Essensplans erstellen wir die Einkaufsliste. In der Regel kommen wir damit aus, zweimal pro Woche einkaufen zu gehen.
Um dafür nicht unnötig Sprit zu verballern (oder schwer bepackt mit dem Fahrrad unsere ganzen Berge hier hoch keuchen zu müssen 😀 ), erledigen wir die Einkäufe auf unserem Arbeitsweg. Wir kommen beide an einer ganzen Reihe von Supermärkten vorbei.

Obst und Gemüse

Einiges an Obst und Gemüse bauen wir selber im Garten an: Salat, Kartoffeln, Tomaten, Kohlrabi, verschiedene Beerensorten, Äpfel, diverse Kräuter, Zwiebeln, Möhren, Sellerie, Rosenkohl, … Bei den meisten Sorten stehen wir noch vor der ersten Ernte und sind sehr gespannt, wie das so klappen wird.

Pflücksalat und Rauke haben wir jetzt schon im Garten, hiervon brauchen wir aber definitiv mehr. Derzeit müssen wir noch Salat dazukaufen. Auch Salatgurken fehlen uns aktuell.

Nächstes Jahr werde ich die Gemüsebeete vergrößern. Wir werden den kompletten Bereich links von der Terrasse mit einer Pforte abtrennen, sodass der Hund nicht durch den Wirsing latscht, und dann werde ich verdammt viel Platz für mehr Gemüse haben. Yay! 🙂

Nachhaltigkeit in der Küche
Noch keine eigenen Kartoffeln, unsere sind noch nicht so weit

Ernte aus dem eigenen Garten spart nicht nur die Transportwege und die Verpackung, sondern wir können auch sichergehen, dass keine Chemie an unsere Nahrung gelangt ist. Da schmeckt es nochmal so gut!

Beim Einkaufen achten wir seit Längerem beide auf die Herkunft von Obst und Gemüse: über Äpfel aus Neuseeland oder Gurken aus Spanien können wir beide nur den Kopf schütteln und greifen lieber zu regionalen Produkten.

Was beim Schnippeln und Schälen an Abfall zusammenkommt, landet übrigens auf dem Kompost statt in der Tonne. So nutzt es unserem Garten noch und wir haben ein wenig Müll vermieden.

Brot

Brot ist so ein Thema. Vieles vom Bäcker schmeckt uns einfach nicht. Als wir noch in Leverkusen gewohnt haben, hatte der fußläufig erreichbare Bäcker ein leckeres Brot, aber hier haben wir kein Pendant gefunden.
Eigentlich würde ich unser Brot daher gern einfach selber backen. Zum Einzug haben wir selbst gebackenes Brot von Bekannten geschenkt bekommen, und das hat auch dem Besten wirklich gut geschmeckt.

Nachhaltigkeit in der Küche

Uneigentlich siegt bislang allerdings meine Faulheit bzw. die Tatsache, dass ich eh schon nicht allzu viel Freizeit habe, und wir kaufen preiswertes Brot vom Discounter. Möp.
Als Kompromiss habe ich mir vorgenommen, im Winter – wenn nicht mehr so viel Zeit für den Garten draufgeht – mit dem Brotbacken anzufangen. In der Hoffnung, bis zum Frühling eine Routine entwickelt zu haben, um die dann beizubehalten.

Hat jemand von euch empfehlenswerte Rezepte?

Vorräte

Wie gesagt, grundsätzlich kochen wir viel selbst und verzichten auf Fertiggerichte. Die schmecken größtenteils einfach nicht so gut und sind verhältnismäßig teuer.

Allerdings bin ich mit unseren Zutaten oft noch nicht glücklich… auch beim Selberkochen kommt halt schnell relativ viel Müll zusammen: Dosen von Gemüsekonserven, Kokosmilch und Co., Plastiktüten vom Tiefkühl-Gemüse, Tuben vom Tomatenmark und so weiter.

Nachhaltigkeit in der Küche
Room for improvement…

Teilweise könnten wir die Dinge selber herstellen – für passierte Tomaten beispielsweise braucht’s eigentlich keinen Tetrapack, die kann man sich ja auch selbst einkochen. Oft hapert es nur am zeitlichen Aufwand.

Ich möchte stärker darauf achten, welches Gemüse gerade Saison hat und welches nicht. Wenn es den Blumenkohl gerade frisch gibt, müssen wir ihn schließlich nicht im Plastikbeutel aus der Tiefkühltheke angeln.

Nachhaltigkeit in der Küche
Honig aus unserer Gemeinde

Im Rewe gibt es hier ein Regal mit regionalen Produkten; beim Honig beispielsweise greifen wir viel lieber zu einer Sorte, die nur einige Dörfer weiter hergestellt wurde, als zu einer kruden Mixtur von „Honig aus EU-Ländern und Nicht-EU-Ländern“ (brrrr).

Getränke

Ohne Kaffee kommen wir beide morgens nicht aus dem Quark. Zu Studentenzeiten habe ich mir angewöhnt, Instantkaffee mit einem Schuss Milch zu trinken… und irgendwie schmeckt er mir sogar besser als normaler Kaffee. Ich versuche, nicht mehr als zwei Tassen pro Tag zu trinken.

Der Beste liebt den Kaffee aus der Dolce Gusto. Ich selber trinke ihn gar nicht, da ich keine Kaffeespezialitäten brauche und mir der Müll einfach zu viel ist. Je nach Sorte fallen pro Sorte ein oder zwei Plastikkapseln an… das ist schon heftig.

Für die Baustelle haben wir damals eine normale Kaffeemaschine angeschafft und die läuft jetzt auch alleweil. Das Kaffeepulver werfen wir nicht in den Abfall, sondern nutzen es als Dünger und zur Schneckenabwehr in unseren Beeten.

Milch für den Kaffee kaufen wir aktuell mit 1,5% Fett in Tetrapacks im Discounter. Zufrieden bin ich damit nicht. Der Beste mag den Gedanken, jederzeit Milch auf Vorrat zu haben – da ist was dran. Rohmilch hält sich halt nur zwei bis drei Tage im Kühlschrank.
Hier in der Nähe gibt es frische Milch vom Bauernhof bei einer „Milch-Tankstelle“… wir haben die mal bei einer Nachbarin probiert und sie ist wirklich verdammt lecker. Auch oder gerade weil sie deutlich mehr Fett enthält. 😉
Hier wollen wir öfter mal hinfahren.

Wir trinken viel Leitungswasser: das Trinkwasser hier in der Region ist sehr gut und kommt übrigens aus der Wahnbachtalsperre, wo ich ja unter anderem an meinem Geburtstag wandern war.

Nachhaltigkeit in der Küche

Derzeit kaufen wir aber noch Mineralwasser dazu, weil der Beste gerne auch mal Sprudelwasser trinkt. Wir überlegen, uns über kurz oder lang vielleicht einen SodaStream mit Glasflaschen anzuschaffen. Das spart nicht nur Geld und die Schlepperei, sondern leuchtet uns in Sachen Transportwege des Wassers auch deutlich mehr ein. Wozu Wasser aus der Eifel oder sonstwo herkarren, wenn wir hier doch wunderbares Wasser direkt vor der Haustür haben.

Und auf der Arbeit?

Der Beste nimmt sich Brote, Joghurt oder Vorgekochtes mit.

Ich muss gestehen, dass es da bei mir noch hapert. Bei meinem Talent fürs Kleckern und Matschen mag ich nichts in Dosen in der Handtasche mit zur Arbeit transportieren. 😀
Oft gehe ich mit den Kollegen zusammen essen (einen Bulgursalat beim Kiosk nebenan, oder ein Sandwich). Eine Zeitlang habe ich mir in der Firmenküche einfach ein Brot geschmiert oder Obst und Müsli zusammengeschnibbelt (netterweise stellt die Firma das alles bereit)… das will ich wieder öfter machen. Das spart schließlich nicht nur Verpackungsmüll, sondern auch Geld.

Tuppern statt folieren

Immerhin verbrauchen wir seit einigen Jahren deutlich weniger Frischhalte- und Alufolie. Wir sind dazu übergegangen, übrig gebliebenes Essen entweder in Vorratsdosen zu packen oder direkt in eine kleine Keramikschüssel, die wir mit einem Abendbrotteller abdecken. So kann das Essen dann am nächsten Tag direkt aus dem Kühlschrank in die Mikrowelle wandern, ohne dass zusätzliches Geschirr anfällt.

Wir haben eine ganze Menge Tupperdosen (okay, meistens sind es deren No Name-Vettern) und dazu etliche Schüsseln aus Glas. Die können praktischerweise sowohl in den Backofen, als auch in die Mikrowelle und ins Gefrierfach. Wir lieben solche Multitalente! Unterm Strich reduziert das die Anzahl des benötigten Geschirrs und die Schränke bleiben übersichtlich.

Angeschnittene Zitronen oder halbierte Äpfel müssen auch nicht in Folie verpackt werden, die stellen wir einfach mit der Schnittfläche auf ein Tellerchen.

Unterm Strich

Tja… in Sachen Ernährung finde ich Nachhaltigkeit in der Praxis oft wirklich schwierig umzusetzen.

Bei anderen Produkten wie beispielsweise Kleidung oder Kosmetik kann ich ja einfach erstmal auf das Neukaufen verzichten und mir ganz in Ruhe Gedanken machen, wo ich vielleicht dann doch irgendwann mal etwas Neues kaufe – oder eben auch nicht.
Beim Happishappi hingegen muss es zackzack gehen, da soll schließlich jeden Tag etwas auf dem Tisch landen. Bedingt durch die Tatsache, dass wir beide in Vollzeit arbeiten und – zeitlich versetzt – jeweils 10-12 Stunden am Tag außer Haus sind, muss es dann oft schnell gehen und wir machen gewisse Abstriche. Hinzu kommt eben, dass wir manchmal unterschiedliche Vorstellungen davon haben, was bewusster Verzicht ist und was ein „Mangel“.

Zufrieden bin ich damit nicht, aber ich sage mir: jede kleine Veränderung ist besser als gar nichts. Jede Schüssel Salat aus dem eigenen Garten ist ein kleiner Fortschritt, ebenso wie jedes einzelne Plastikpöttchen, was wir im Supermarkt stehen lassen und nicht in unseren Einkaufswagen befördern.

Wenn ich daran denke, dass wir uns der Problematik vor ein paar Jahren noch überhaupt nicht bewusst waren und jeden Gedanken an das, was da eigentlich an merkwürdigen Zusatzstoffen im Essen steckt und an die Müllberge, die wir produzieren, tunlichst beiseite geschoben haben… da sind wir heute schon einen Schritt weiter.

Die Erkenntnis ist das eine und geht verhältnismäßig flott – die Umsetzung hingegen ist ein langer Prozess. Aber wir sind dabei. Immer öfter regionale Produkte, immer öfter selbst hergestellte Nahrung, immer öfter eine müllsparende Alternative.

Wie sieht das bei euch aus? Achtet ihr bei eurer Ernährung auf nachhaltige Produkte? Welche Tipps habt ihr?