Steckdose

Die Sache mit dem Stromverbrauch

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Wenn es um einen nachhaltigeren Lebensstil geht, gibt es ja jede Menge Ansatzpunkte: weniger Müll verursachen. Mehr Regionales und Saisonales essen. Weniger neues Zeug anschaffen. Öfter das Auto stehen lassen. Weniger Strom verbrauchen. Und und und…

In diesem Beitrag geht es um das Stromsparen und unsere Schritte in diese Richtung.

Stromsparen?! Wieso überhaupt?

Wir verbrauchen heutzutage so viel Energie, dass wir unseren Planeten damit kaputtmachen. CO₂-Ausstoß, Treibhauseffekt, Klimawandel, … du weißt schon. Wenn wir weniger Strom verbrauchen, muss logischerweise gar nicht erst so viel Strom erzeugt werden.

Es gibt ja das Vorurteil, dass ein umweltbewusster Lebenswandel teurer sei – etwa, weil die Preise im Biomarkt höher sind als beim Discounter. Beim Stromverbrauch gilt das definitiv nicht. Jede nicht verbrauchte Kilowattstunde hat nämlich auch einen unmittelbar spürbaren Effekt – sie spart bares Geld, wenn die nächste Stromrechnung ins Haus flattert.

Beim Stromsparen tun wir also nicht nur der Umwelt etwas Gutes, sondern auch dem eigenen Geldbeutel.

Nicht selbstverständlich

Wir Menschen ticken ja nunmal so, dass das, womit wir aufwachsen, für uns “normal” ist. Ich bin in den Achtzigern geboren und elektrische Geräte waren für mich immer selbstverständlich.

Hand aufs Herz – ohne Strom sähe mein Alltag komplett anders aus. Weder gäbe es mein Studienfach (Informatik), noch die Branche, in der ich arbeite (E-Commerce). In Sachen Hobbys gäbe es kein Bloggen und keine Digitalfotografie, und überhaupt hätte ich dazu wahrscheinlich gar keine Zeit, weil selbst so banale Dinge wie das Wäschewaschen viel, viel aufwändiger wären.

Nichtsdestotrotz sind Tausende Generationen vor uns ohne Elektrizität ausgekommen. Wenn ich mir das mal bewusst vor Augen führe, verschiebt das die Perspektive auf mein eigenes Leben.

Auf dem Teppich bleiben

Strom sparen zu wollen heißt nicht, alles zu verteufeln, was einen Stecker hat.
Solche radikalen Ansätze führen nur zu Polemik à la “Oh, dann müssen wir wohl wie die Steinzeitmenschen wieder in Höhlen wohnen!” und das bringt uns nicht weiter.

Genau wie Zero Waste, wenn wirklich gar kein Abfall erzeugt werden soll, sind solche radikalen Ansätze abschreckend bzw. für viele Leute einfach nicht umsetzbar. Es kann und will nicht jeder sein Leben komplett auf den Kopf stellen.
Ich denke, dass viele kleine, einfach umzusetzende Schritte da deutlich mehr bringen. Um die soll es auch hier in den kommenden Blogartikeln gehen.

Ich bin verdammt dankbar für die Möglichkeiten, die aus so einer Steckdose kommen. Ich finde es nur wichtig, dass wir verantwortungsbewusst damit umgehen und keine Energie gedankenlos verschwenden.

Wofür verbrauchen wir Strom?

Wenn ich mir bewusst mache, wofür ich alles Strom verbrauche und wie abhängig ich damit bin, macht mich das schon nachdenklich.

Morgens wache ich vom Alarm meines Handyweckers auf. Während ich erst im Bad, dann in der Küche und danach in meinem Arbeitszimmer bin, schalte ich jeweils das Licht ein. Dank Heizung ist es dabei angenehm warm. In der Küche koche ich mir einen Kaffee, nehme die Milch dazu aus dem Kühlschrank und frühstücke vor dem Computer.

Danach putze ich mir die Zähne mit der elektrischen Zahnbürste, dusche mit heißem Wasser und föne mir die Haare. Weil es draußen noch dunkel ist, nehme ich auf die Hunderunde eine Taschenlampe mit und löse erstmal die Bewegungsmelder vor der Haustür und der Garage aus. Vom Hügel aus sehen die von Weihnachten übrig gebliebenen Lichterketten in den Gärten nett aus.

Nachdem ich mit dem elektrischen Türdrücker das Garagentor geöffnet habe, fahre ich mit dem Auto zum Bahnhof und von da aus weiter in die Firma. Dort verbringe ich den ganzen Tag abwechselnd vor meinem eigenen Laptop und den großen Monitoren in Konferenzräumen.

Abends kochen der Beste und ich Nudeln auf dem Herd, erhitzen die Soße schnell in der Mikrowelle und entspannen uns bei einer Netflix-Folge vor dem Fernseher. Das Geschirr wandert danach in die Spülmaschine, während des Küchemachens hören wir Musik über Handy & Soundbox. Zwischendurch klingelt das Telefon.

Und so weiter…

Und das ist nur unser direkter Stromverbrauch. Hier ist noch nicht berücksichtigt, dass so ziemlich alle Gegenstände um mich herum – von der Kloschüssel über Bücher, unsere Treppenstufen, die Möbel bis hin zur Tasse und Tastatur – mit Hilfe von Maschinen hergestellt wurden, die dafür ebenfalls Strom verbraucht haben. 😧

Ich finde das krass. Die gute Seite daran ist, dass das jede Menge Möglichkeiten zur Optimierung bietet. 🙂

Wie viel Stromverbrauch ist normal – und was verbrauchen wir?

Beruflich beschäftige ich mich ja viel mit Datenanalyse und eines meiner liebsten Zitate lautet:

What’s measured, improves.

Peter Drucker

Der erste Schritt in Sachen Stromsparen ist für mich daher, einen Überblick darüber zu bekommen, wie viel Strom wir überhaupt verbrauchen, wofür und wie die Werte einzustufen sind.

Das “wie viel” ist einfach, dafür gibt es die jährliche Stromrechnung bzw. den Blick auf den Stromzähler im Keller. Und genau das hat auch den Anstoß gegeben, mich überhaupt näher mit diesem Thema zu beschäftigen: unser Stromverbrauch ist deutlich höher, als er es sein sollte.

Für einen Zweipersonenhaushalt werden als Richtwert pro Jahr 2.700 kWh angegeben. Wir kommen auf 5.200 kWh, also fast das Doppelte. 🙈 Und das ist nur der normale Strom, denn unsere Wärmepumpe läuft über einen eigenen Zähler. Update: mittlerweile haben wir herausgefunden, dass nur die Heizung über den Zweitzähler läuft. Das Warmwasser läuft tatsächlich über den Hausstrom.

Unsere Stromrechnung war schon so krass, als wir noch in einer deutlich kleineren Wohnung statt in einem Haus lebten, keine Spülmaschine hatten und noch nicht regelmäßig den Backofen angeheizt haben, um unser eigenes Brot zu backen. Seitdem ist es aber nicht besser geworden.

Das Thema Stromverbrauch ist mir nicht nur seit längerem ein Dorn im Auge. Vor allem ist es mir auch ein Rätsel. Ich habe nämlich eigentlich nicht das Gefühl, als würden wir wer weiß wie verschwenderisch bzw. krasser als andere Leute leben. Die Durchschnittswerte stammen ja vermutlich nicht aus den 1920ern. 🤔

Das ist mir jetzt etwas peinlich, aber: ich habe es bis heute nicht geschafft, dahinterzukommen, wofür wir eigentlich so viel Energie verballern.

Deswegen ist das mein erstes Projekt für 2020. 🙂

Unseren Stromverbrauch nachvollziehen: hallo Stromzähler, hallo Excel

Um dem Rätsel auf die Spur zu kommen, habe ich einen Stromzähler angeschafft.

Stromzähler

Das ist ein handliches Gerät, das man einfach zwischen Steckdose und Stecker einstöpselt und das dann den Stromverbrauch misst.


Meine Oma führte früher ein Heft, in dem sie sämtliche elektrischen Geräte in ihrem Haushalt auflistete. Wozu genau sie das getan hat, weiß ich nicht. Früher belächelte ich das… aber was soll ich sagen? Mittlerweile habe ich selber so eine Liste.

Um die Daten zu erfassen, habe ich nämlich eine Excel-Datei angelegt (jaah, ich liebe die Dinger! 😀 ). Darin habe ich alle Räume und sämtliche darin jeweils enthaltenen Elektrogeräte aufgelistet: von den Deckenlampen und dem Drucker über unsere beiden Laptops, Ladegeräte und LED-Lichterketten bis hin zu Wecker und Wasserkocher.

Für jedes Gerät messe ich jetzt, wie viel Energie es verbraucht. Manche, wie etwa der Kühlschrank, laufen rund um die Uhr. Für andere Geräte berechne ich, wie viele Stunden pro Jahr sie durchschnittlich im Einsatz sind.

Allerdings gibt es einige Geräte, die entweder gar keinen Stecker haben (wie etwa die Deckenlampen) oder wo ich nicht drankomme / der Stromzähler nicht dranpasst (schöne Grüße an die Spülmaschine!). Da arbeite ich nolens volens mit der Angabe von den Datenblättern, die beim Kauf beilagen. Wobei die natürlich ungenau sind, weil der Stromverbrauch je nach Modus / Helligkeit / etc. variiert.

Auf diese Weise will ich verstehen, wie sich unser Stromverbrauch überhaupt zusammensetzt und auch, wo etwas faul ist. Denn wir fangen ja nicht bei Null an, sondern haben in den letzten Jahren schon an etlichen Stellschrauben gedreht.

Wo sparen wir schon Strom?

All unsere Lampen sind Energiesparlampen. Das Licht schalten wir aus, wenn wir einen Raum verlassen (womit ich den Besten manchmal zum Wahnsinn treibe 😀 ). Der Fernseher oder die Musik laufen auch nicht einfach im Hintergrund weiter, wenn keiner dabei ist.

Am Fernseher und einigen anderen Geräten ist eine ausschaltbare Steckdosenleiste angebracht, sodass die Geräte nicht im Stand-By bleiben.

Eine schaltbare Steckdosenleiste hilft beim Stromsparen

Die Waschmaschine läuft im Eco-Modus und meist nur auf 30°C, auch die Spülmaschine läuft auf Eco. Generell werden die beide nur angestellt, wenn sie auch wirklich voll sind.

Beim Backofen versuchen wir, die Energie sinnvoll zu nutzen. Also etwa erst den Auflauf zubereiten und dann direkt im Anschluss Brot backen, sodass wir nur einmal anheizen müssen. Wenn nur ein einzelnes Brötchen aufgebacken werden soll, schmeißen wir dafür nicht extra den Backofen an.

Mittlerweile sind wir übrigens auch endlich auf Ökostrom umgestiegen. Das macht den Verbrauch zwar nicht niedriger, aber immerhin ein kleines bisschen weniger umweltschädlich.

Wo sehe ich noch Verbesserungspotential in Sachen Stromverbrauch?

Eventuell stelle ich beim Messen fest, dass irgendein Gerät an sich einfach unglaublich viel Strom frisst. Davon unabhängig suche ich aber auch nach Möglichkeiten, um die vorhandenen Geräte einfach sparsamer zu nutzen:

Aus Faulheit habe ich meinen Rechner meist nur in Stand-By versetzt, statt ihn herunterzufahren und beim nächsten Mal dann darauf zu warten, dass sämtliche Dateien wieder geladen werden. Das habe ich jetzt begonnen zu ändern. Wenn ich tagsüber eh nicht am Rechner bin sowie über Nacht wird er jetzt konsequent ausgeschaltet.
Vermutlich macht das nicht 1.000 kWh im Jahr aus, aber Kleinvieh macht bekanntlich auch Mist.

Der Trockner läuft einmal in der Woche, weil der Beste auf flauschigen Handtüchern statt kratzigem Frottee von der Stange besteht. Da experimentiere ich gerade mit anderen Betriebsmodi herum.

An den Tagen, wo ich morgens keinen Wecker brauche, schalte ich mein Handy jetzt nachts aus.

Statt mindestens einmal pro Woche mit dem Staubsauger herumzufuhrwerken, will ich öfter einfach mal fegen. Wir haben ja fast nirgendwo Teppiche, da sollte das ganz gut gehen.

Ich gespannt, was ich in den nächsten Wochen so herausfinde.

Natürlich werfe ich jetzt auch regelmäßig einen neugierigen Blick auf unseren Stromzähler im Keller, um zu sehen, welche Auswirkungen das alles hat. 🙂

Mit dem Stromzähler im Keller habe ich den Stromverbrauch im Auge

Wie ist das bei dir – achtest du auf den Stromverbrauch?

Mit diesem Artikel nehme ich teil an der #EiNaB, der Blogparade zu den Themen grünes Leben, DIY und Nachhaltigkeit.

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