Mischkultur im Gemüsebeet: schlau pflanzen, mehr ernten!

7. April 2018- aktualisiert: 4. September 2018 Gartentipps 11 Kommentare

Neulich habe ich ja darüber geschrieben, wie du ein Gemüsebeet anlegen kannst und wie ich meine Beete plane. In diesem Artikel versprach ich dir einen eigenen Beitrag über das Thema Mischkultur und was es mit den sogenannten guten Nachbarn und schlechten Nachbarn im Gemüsebeet auf sich hat. Here we go! 🙂

Was ist denn Mischkultur?

Bei uns in der Gegend wird viel Mais angebaut. Riesengroße Felder, auf denen Jahr für Jahr ausschließlich Mais steht – ein klassischer Fall von Monokultur. Hier wächst nur eine einzige Sorte.  Zum Ernten großer Mengen mag das praktisch sein, aber eine Monokultur bringt auch Nachteile mit sich: der Boden wird einseitig beansprucht und es muss mit viel Dünger und Pestiziden gearbeitet werden, um Krankheiten und Schädlingsbefall vorzubeugen.

Bei einer Mischkultur hingegen wachsen unterschiedliche Pflanzen neben- und nacheinander. Dadurch kann nicht nur der Platz besser ausgenutzt werden, was insbesondere in kleinen Gärten praktisch ist. Vor allem profitieren die Pflanzen voneinander – sei es, weil sie sich gegenseitig auf natürlichem Weg Schädlinge fern halten, oder weil die eine Pflanze Nährstoffe produziert, die die andere braucht.

Erbsen beispielsweise geben Stickstoff an den Boden ab, was sie zu idealen Nachbarn für Kohlsorten macht.

Gemüsegarten im Freilichtmuseum Lindlar
Mischkultur im Gemüsegarten vom Freilichtmuseum Lindlar

Eine spezielle Form der Mischkultur ist die Zwischenkultur: hier werden innerhalb einer Reihe schnell wachsende Gemüsesorten mit solchen kombiniert, die langsamer wachsen. Dadurch kannst du die erste Sorte bereits ernten, während die zweite noch zu klein ist, um ihr den Platz wegzunehmen.

Einige Pflanzen ergänzen sich gut, weil sie unterschiedlich groß sind: auf dem Boden unter Tomaten oder Stangenbohnen kannst du gut Feldsalat unterbringen. Den stört die verbaute Sicht nach oben nicht weiter und du kannst nicht nur den Platz geschickt ausnutzen, sondern sorgst auch noch dafür, dass die Erde nicht ungeschützt daliegt.

An der gleichen Stelle kannst du pro Saison auch durchaus mehrere Pflanzen nacheinander setzen. Das nennt sich dann Vorkultur (Frühjahr), Hauptkultur (Sommer) und Nachkultur (Herbst bis Winter). Immer wenn eine Sorte abgeerntet ist, kannst du die nächste aussäen bzw. pflanzen.

Rapsfeld
Raps ist eine klassische Vorkultur für Weizen, da er den Boden verbessert

Die Fruchtfolge solltest du immer beachten: bestimmte Sorten dürfen nur alle paar Jahren an der gleichen Stelle wachsen, beispielsweise Kartoffeln oder Möhren. Einige Gemüsesorten wollen auch nicht dort gepflanzt werden, wo zuvor bestimmte andere Pflanzen standen. Andernfalls wächst anstelle der Pflanze vielmehr das Risiko für Krankheiten und einen geringen Ertrag.

Was sind gute Nachbarn?

Pflanzen, die gut miteinander auskommen, werden gute Nachbarn genannt.

Grundsätzlich sollten die Pflanzen nebeneinander stehen, die ungefähr die gleichen Ansprüche an die Beschaffenheit von Boden und Luft haben. Wenn Gemüse A trockenen, sandigen Boden bevorzugt und Gemüse B schwere, feuchte Erde, dann werden die beiden an der gleichen Stelle nicht glücklich. Entweder verdurstet der eine oder der andere ersäuft.
Im Gewächshaus kann es beispielsweise schwierig sein, Tomaten und Gurken gleichzeitig zu pflanzen – Tomaten lieben nämlich trockene Luft und Gurken eher feuchte. Einer von beiden bekommt dann eher Schädlinge.

Ein Klassiker der Mischkultur: Zwiebeln und Möhren, die sich gegenseitig die Schädlinge fern halten

In Sachen Wurzeln und Blätter sollten sich direkte Nachbarn nicht ins Gehege kommen – wenn beide Pflanzen ausladend in der gleichen Tiefe wurzeln, treten sie sich sonst halt gegenseitig auf die Füße bzw. Wurzeln.

Was sind schlechte Nachbarn?

Analog zu den guten Nachbarn gibt es auch Pflanzen, die sich gegenseitig schaden. Petersilie beispielsweise scheidet scharfe ätherische Öle aus, unter denen der empfindliche Salat leidet.

Zwischen Kartoffeln und Tomaten sollte möglichst viel Abstand liegen, da Kartoffeln über den Wind Tomaten oft mit Pilzerkrankungen wie Kraut- und Braunfäule anstecken.

Neutrale Nachbarn

So etwas wie Schweizer gibt es auch im Gemüsebeet: neutrale Nachbarn. Diesen Pflanzen ist es relativ wurscht, ob sie nebeneinander stehen oder nicht. Weder schaden sie einander, noch helfen sie sich.

Unterm Strich sind die meisten Gemüsesorten neutral zueinander und es gibt mehr gute als schlechte Nachbarn.

Was passiert, wenn ich schlechte Nachbarn nebeneinander setze?

“Wenn man einen Fehler macht, gibt es auch eine kleine Explosion. Es macht puff, und die Kühe fallen um und die kleinen Häuser und Bäume. Da ist dann immer ein großes Hallo.” – So wie bei Familie Hoppenstedt läuft das natürlich nicht. 😉

Wenn du Glück hast, passiert überhaupt nichts. Aber das Risiko steigt, dass deine Pflanzen nicht gut wachsen. Sie können eher krank werden und von Schädlingen befallen werden und du wirst weniger ernten können.

Welche Rolle spielen Kräuter und Blumen in der Mischkultur?

Auch wenn das Ganze “Gemüsebeet” heißt – auch Kräuter und normalsterbliche Blumen wie etwa Tagetes solltest du mit dazu pflanzen. Davon profitiert nämlich dein Gemüse!

Borretsch beispielsweise lockt jede Menge Insekten an, die wichtig zum Bestäuben von Zucchini, Gurken, Tomaten & Co. sind. Ringelblumen und Tagetes schützen Tomaten vor Nematoden (kleine Fadenwürmer, die den Pflanzen schaden). Die stark duftende Zitronentagetes hält zudem die Weiße Fliege von den Tomaten und der Paprika ab. Außerdem sehen die bunten Blüten natürlich auch hübsch aus. 🙂

Hummel am Borretsch
Borretsch zieht Bienen und Hummeln an

Auch Obst darf gerne mit ins Beet: so klingt die Kombination aus Erdbeeren und Knoblauch zwar erstmal nach kulinarischen Abwegen, im Beet verstehen die beiden sich aber prächtig. Knoblauch schützt die Erdbeeren nämlich vor Grauschimmel und Pilzerkrankungen wie Mehltau.

Okay, so viel zur Theorie. Und nu?

Wie gesagt, am Anfang klingt das alles erstmal unheimlich kompliziert. Ich habe mich gefragt, wie um alles in der Welt ich  mir das jemals alles merken soll. Das Ganze schien mindestens ein Studium vorauszusetzen. 😀

Ich habe aber festgestellt, dass es mit der Zeit tatsächlich besser wird. Über den Winter habe ich unheimlich viel über Gemüseanbau gelesen – und wenn du zum fünften Mal darüber stolperst, dass Kartoffeln und Kohl nicht nebeneinander gehören, dann bleibt das irgendwann hängen. Ebenso, wie du irgendwann den Dreh raus hast, welche Pflanze zu welcher Familie gehört und sich deswegen höchstwahrscheinlich nicht mit ihren Verwandten versteht.

Eine gut gemachte Übersicht über gute Nachbarn und schlechte Nachbarn findest du beispielsweise hier beim Gartenjournal.

Hat dir dieser Beitrag gefallen? Dann nimm ihn doch mit auf Pinterest und speichere ihn, damit du ihn später wiederfindest und auch andere Leute ihn entdecken! 🙂

Achtest du in deinem Garten auf Mischkulturen?
Wenn ja, welche Erfahrungen hast du damit gemacht?

Mit diesem Artikel nehme ich teil an der #EiNaB, der Blogparade zu den Themen grünes Leben, DIY und Nachhaltigkeit.

Zu diesen Themen gibt’s noch mehr Artikel:

Mischkultur im Gemüsebeet: schlau pflanzen, mehr ernten!

7. April 2018- aktualisiert: 4. September 2018 Gartentipps 11 Kommentare

Neulich habe ich ja darüber geschrieben, wie du ein Gemüsebeet anlegen kannst und wie ich meine Beete plane. In diesem Artikel versprach ich dir einen eigenen Beitrag über das Thema Mischkultur und was es mit den sogenannten guten Nachbarn und schlechten Nachbarn im Gemüsebeet auf sich hat. Here we go! 🙂

Was ist denn Mischkultur?

Bei uns in der Gegend wird viel Mais angebaut. Riesengroße Felder, auf denen Jahr für Jahr ausschließlich Mais steht – ein klassischer Fall von Monokultur. Hier wächst nur eine einzige Sorte.  Zum Ernten großer Mengen mag das praktisch sein, aber eine Monokultur bringt auch Nachteile mit sich: der Boden wird einseitig beansprucht und es muss mit viel Dünger und Pestiziden gearbeitet werden, um Krankheiten und Schädlingsbefall vorzubeugen.

Bei einer Mischkultur hingegen wachsen unterschiedliche Pflanzen neben- und nacheinander. Dadurch kann nicht nur der Platz besser ausgenutzt werden, was insbesondere in kleinen Gärten praktisch ist. Vor allem profitieren die Pflanzen voneinander – sei es, weil sie sich gegenseitig auf natürlichem Weg Schädlinge fern halten, oder weil die eine Pflanze Nährstoffe produziert, die die andere braucht.

Erbsen beispielsweise geben Stickstoff an den Boden ab, was sie zu idealen Nachbarn für Kohlsorten macht.

Gemüsegarten im Freilichtmuseum Lindlar
Mischkultur im Gemüsegarten vom Freilichtmuseum Lindlar

Eine spezielle Form der Mischkultur ist die Zwischenkultur: hier werden innerhalb einer Reihe schnell wachsende Gemüsesorten mit solchen kombiniert, die langsamer wachsen. Dadurch kannst du die erste Sorte bereits ernten, während die zweite noch zu klein ist, um ihr den Platz wegzunehmen.

Einige Pflanzen ergänzen sich gut, weil sie unterschiedlich groß sind: auf dem Boden unter Tomaten oder Stangenbohnen kannst du gut Feldsalat unterbringen. Den stört die verbaute Sicht nach oben nicht weiter und du kannst nicht nur den Platz geschickt ausnutzen, sondern sorgst auch noch dafür, dass die Erde nicht ungeschützt daliegt.

An der gleichen Stelle kannst du pro Saison auch durchaus mehrere Pflanzen nacheinander setzen. Das nennt sich dann Vorkultur (Frühjahr), Hauptkultur (Sommer) und Nachkultur (Herbst bis Winter). Immer wenn eine Sorte abgeerntet ist, kannst du die nächste aussäen bzw. pflanzen.