Unser Bodengutachten ist da – aber das falsche?

Wie neulich in meinem Beitrag über den geschassten Architekten versprochen, gibt’s heute einen Post zu unserem Bodengutachten.

Wieso ein Bodengutachten?

Ich dachte ja, Haus bauen geht ungefähr so: Loch buddeln, Beton reingießen, Haus draufstellen. Nun ja – fast. 😀

Bevor es losgehen kann, braucht man ein Bodengutachten – nicht zuletzt, um zu wissen, ob der Untergrund so ein Haus überhaupt tragen kann. Ohne Bodengutachten kann und will nachher niemand für die Statik des Hauses garantieren.

Und woher bekommt man so ein Bodengutachten?

Der Architekt (ja, der erste) vermittelte uns eine entsprechende Gutachterfirma. De facto sah das so aus, dass er uns das von ihm ausgefüllte Antragsformular zuschickte, in dem etliche Angaben nicht ganz stimmten oder – aus unserer Sicht – hätten ergänzt werden müssen. Auf unsere entsprechenden Nachfragen reagierte er nicht, nur ein „Unterschreiben Sie das einfach“. Nun ja. Unsere Ansprechpartnerin bei Danhaus beruhigte uns damals, der Mensch wisse schließlich was er tue.

Zwei Wochen würde das Gutachten etwa dauern, meinte der Architekt.
Als wir uns nach dieser Zeitspanne bei ihm nach dem Stand der Dinge erkundigten, kam – natürlich – keine Antwort. Also bei der Gutachterfirma selber angerufen: wie, zwei Wochen? Sowas dauere immer vier bis fünf Wochen und das hätte der Architekt doch eigentlich auch von früheren Aufträgen her wissen müssen. Und, ach hoppla, man hatte unseren Antrag falsch abgeheftet und noch gar nicht bearbeitet. Würde man jetzt aber tun.

[…]

Letzte Woche erhielten wir dann endlich Post: „Geotechnischer Bericht zum Bauvorhaben Schwarz“, sehr ordentlich gebundene knappe 30 Seiten mit viel Text, etlichen Tabellen und ein paar Bildern. Hurra! 🙂

Ja, wo bohren sie denn?

An zwei Stellen wurde bis in ungefähr dreieinhalb Meter Tiefe gebohrt.
Etwas irritiert war ich ja, dass auf einem Geländeplan die beiden Bohrstellen genau markiert sind – und zwar an der vorderen linken und hinteren rechten Ecke eines eingezeichneten Hauses. Leuchtet durchaus ein. Bloß, dass an dieser Stelle unser Haus gar nicht stehen soll… 🙂

Der Architekt hatte uns ja überhaupt nicht gefragt, wie wir uns die Grundstücksgestaltung vorstellen. Auf seinen Wunsch hatten wir ihm alle Unterlagen zugesendet, die wir bis dato hatten, unter anderem einen früheren, genehmigten Bauantrag für das Grundstück, der nie in die Tat umgesetzt wurde. Merke – ein paar Jahre alt und nur auf dem ursprünglichen, kleineren Flurstück und darauf haben wir auch ausdrücklich hingewiesen. Der Architekt hat uns auch schriftlich bestätigt, dass es von unserem Bauvorhaben noch gar keine Planung gab.
Und trotzdem hat er die Daten des alten Bauantrags an die Bodengutachterfirma weitergegeben, die natürlich prompt an der falschen Stelle gebohrt haben (eben an der des alten Bauantrags).
Mir ist schleierhaft, wieso in aller Welt der Architekt das getan hat. Ihm muss aufgrund seiner Berufserfahrung doch wohl klar sein, dass ein Bodengutachten an der Stelle durchgeführt werden sollte, wo das Haus tatsächlich errichtet werden soll? Wieso hält er dann nicht mit uns Rücksprache?!

Uns wiederum war nicht klar, dass ein Bodengutachten aus Bohrungen an genau den Stellen besteht, wo später gebaut werden soll. Ta-daa.
Im schlimmsten Fall muss also ein neues Bodengutachten her, zwanzig Meter weiter weg.

So ein Bodengutachten kostet ja schließlich auch nur knappe 1.000 €. Sollte der Architekt das versemmelt haben, zahlen wir sicherlich nicht die Kosten für ein erneutes Gutachten. Trotzdem würde uns das natürlich wieder mehrere Wochen lang ausbremsen, in denen wir auf das neue Gutachten warten müssten…
Ich gespannt, was der neue Architekt und der Kellerbauer sagen, ob sie mit diesem Gutachten arbeiten können – mit denen haben wir übernächste Woche jeweils Termine.

Gnah… aber zurück zum Gutachten an sich, einige Aussagen beziehen sich ja auf das ganze Grundstück und dürften somit trotz allem gelten.

Die gute Nachricht:

Wir haben ja eine Punktlandung geschafft und sind gerade noch so innerhalb der Grenze eines Wasserschutzgebiets. Das bedeutet ein paar spaßige Herausforderungen – unter anderem darf kein Grundwasser abgesenkt werden. Und das hätte womöglich das Aus für unsere Kellerpläne bedeutet.

Aber… Trommelwirbel… kein Grundwasser und auch kein Schichtwasser! 🙂
Nur Lehmboden bindiger Boden fester Konsistenz, der leider Staunässe bedeutet. Da müssen wir noch genau herausfinden, wie teuer die entsprechende Abdichtung das ganze Vorhaben macht und ob das Ganze noch, eh, wirtschaftlich ist.

Hallo, Bergbauamt?

Freunde von uns haben vor einiger Zeit ein Haus in einer ehemaligen Bergbauregion gekauft… zu einem Spottpreis. Ich finde die Vorstellung total gruselig, dass da ein paar Meter unter meinen Füßen einsturzgefährdete Stollen verlaufen, die teilweise ja noch nichtmal auf Karten verzeichnet sind. Urgh… niemals in eine Bergbauregion, das stand für uns immer fest.

Und jetzt? Steht in dem Gutachten, dass die Gemeinde zu den Kommunen in NRW gehört, die von bergbaubedingten Gefährdungen betroffen sind. 😀
Daher brauchen wir eine Stellungsnahme des Bergamtes. Tz… nun gut. Ich bin ja nun dort aufgewachsen und bin mir ziemlich sicher, dass es in dieser Ecke – die Gemeinde ist ja ziemlich groß – keinen Bergbau gegeben hat. Aber trotzdem.

Und was steht da sonst so drin?

Jede Menge detaillierter Angaben, was wie hoch abgetragen oder angeschüttet werden muss, aus welchen Schichten der Boden genau besteht,

Und ich hab mal wieder neue Wörter gelernt. 😉
Best of:

  • Wichte sind nicht nur kleine Männeken, sondern auch das Verhältnis von Gewicht und Volumen eines Körpers.
  • Sohldruck hat nichts mit unbequemen Schuhen zu tun, sondern ist der durch Vertikalspannungen des Untergrunds hervorgerufene Druck, der auf die Sohle des Gebäudes einwirkt.

Weißte Bescheid… 😉

Wie geht’s weiter?

Wie gesagt, wir stehen in Kontakt mit dem neuen Architekten und dem Kellerbau-Unternehmen Glatthaar. Übernächste Woche treffen wir uns mit dem Architekten auf dem Grundstück und mit dem Kellerbauer in der Fertighauswelt in Frechen.

Ich werde natürlich berichten, sobald es etwas Neues gibt. 🙂

14 Kommentare

  1. Oh man wenn euer Haus fertig ist, solltest du ein Buch darüber schreiben..
    Ich hoffe dass sich alles regelt und der alte Architekt fü den Mist den er verzapft hat gerade steht…

    • Anne sagt:

      Vielleicht sollte ich das wirklich tun. ^^
      Wobei ich ja vor kurzem noch einen Hausbau-Roman gelesen hatte und noch dachte, hej, das entspricht ja sämtlichen Klischees und ist bestimmt an der ein oder anderen Stelle dick aufgetragen… und jetzt geht das hier genauso los. oO
      Ich mein – wir sind doch nicht die ersten, die ein Haus bauen. Und innerhalb der Branche herrscht doch auch Konkurrenzdruck, ist Kundenzufriedenheit wichtig. Ich komm nicht ganz dahinter, wieso diese ganzen ewigen Unkenrufe à la „Oh, ihr baut? Na, da könnt ihr bestimmt was erleben…!“ wirklich Recht haben müssen. Und dieses „Das ist halt so beim Bauen“ finde ich noch schlimmer… als wäre das ein Naturgesetz. :/

  2. Bee sagt:

    Oh, Anne. Das ist ja was, da ist irgendwie der Wurm drin, oder? Wenn euer Haus dann fertig ist, hast du unglaublich viel Erfahrung gesammelt und bist ein Experte zum Thema. Es geht leider vielen so, die das erste Mal bauen. Super, dass es keine Probleme mit Wasser gibt. Unser Haus steht in einer Wanne, weil hier ein massives Wasserproblem bestand….
    Es kommen sicherlich auch entspanntere Phasen 🙂
    Liebe Grüße, Bee

    • Anne sagt:

      Danach werd ich Bauunternehmerin, genau! 😀
      Ist eure Wanne (weiße Wanne, nehme ich an?) denn dicht? Bei einem Bekannten ist das Wasser erst in die weiße Wanne gelaufen… und dann in den Keller. 🙂

  3. Ulli sagt:

    Das klingt ja echt mega interessant. Und anstrengend. Ich bin irgendwie froh, dass wir ein passendes Haus zum Kauf gefunden haben. Ich bin nicht sicher, ob meine Nerven das sonst mitgemacht hätten. Andrerseits ist es natürlich auch spannend, wenn man alles nach seinen eigenen Wünschen gestalten kann.

    Ich drück die Daumen, dass das Bodengutachten so ausreicht und ihr nicht noch mal 4 Wochen warten müsst. 🙂

  4. John sagt:

    Da bin ich aber froh, dass wir noch kein eigenes Haus bauen sondern letztens erst in eine neue Wohnung gezogen haben. Sogar mit eigenem Garten. Dort ist genug Platz für unsere Kinder, dass die mit Ihrem Spielzeug (Trampolin, Kinderroller etc.) spielen können.

    Ich drücke Dir ebenfalls die Daumen, dass nun alles gut geht!

  5. Carolin sagt:

    Oh ist das bescheuert!
    Ich hoffe, dass sich das schnell zu euren Gunsten klärt!
    Klingt ja wirklich nach nem schlechten Film mit diesem Architekten 🙁

  6. Thomas sagt:

    Puha, das erinnert mich an die Kernsanierung unseres Hauses vor vielen Jahren. War zwar kein Neubau, aber eine Renovierung des 1897 gebauten Hausen, von den Grundmauern an.

    Eigentlich war alles gut durch geplant. Aber was dann an Problemen mit ausführenden Firmen, Achitekten, Statikern und Behörden auf uns nieder prasselte. Die sind definitiv Schuld an meinen ersten, grauen Haaren.

    LG Thomas

  7. Moony sagt:

    Wow, das klingt zwar alles sehr durcheinander und anstrengend, aber auch sehr aufregend!
    Da ist man als Leser ja direkt fast so gespannt, wie ihr.

    Dass ihr euch für einen anderen Architekten entschieden habt, kann ich total nachvollziehen – mich hätte das alles vermutlich auch so sehr auf die Palme gebracht, dass ich dem schon langst die Leviten gelesen hätte! 😀
    Aber dass nun mit dem neuen Architekten alles so weit so gut klappt, freut mich für euch! 🙂

    Bin schon sehr gespannt, was du noch so alles berichten wirst! 😀

    Liebe Grüße
    Moony

  8. kleinstadtprinzessin sagt:

    Das ist ärgerlich! Ich hoffe, dass bald alles so läuft, wie ihr euch es wünscht! 🙂

    Und zumindest ist das mit der Grundwasser Sache schonmal super, also steht dem Keller schonmal nix im Wege 🙂

    Grüsse ♥

  9. Lisa sagt:

    Hallo liebe Anne,
    erst einmal Glückwunsch zu allem 😀 (Hochzeit, Grundstück und Bauvorhaben) 🙂
    Leider stimmen diese Klischees bezüglich des Selberbauens bei den meisten 🙁 ich hoffe das es bei euch nun endlich reibungslos weitergeht.
    Wir standen vor fast zwei Jahren auch vor der Qual der Wahl: Bauen oder Kaufen. Mein Schatz ist Klempner und hat früher für einen Bauträger die Bäder eingebaut. Ich kann nur raten, handelt einen festen Termin mit der Baufirma aus, zu wann das Haus fertig sein soll und lasst dies in den Vertrag eintragen… Bei Leuten die dies nicht gemacht haben, waren später gebaute Häuser Monate früher fertig…
    Wir haben uns am Ende für ein bestehendes Haus entschieden, da in Hamburg und Umgebung allein die Grundstückspreise explodieren. 🙁
    Liebste Grüße Lisa und ich drück euch die Daumen, dass das Gutachten ausreichend ist 🙂

    • Anne sagt:

      Hallo Lisa,

      merci für’s Daumendrücken! Ja, das werden wir auf jeden Fall schriftlich vereinbaren… wie ungefähr drölfzighundert andere Dinge auch.
      Ich bin sehr gespannt, wann es bei uns mit dem Bauen nun losgehen kann – ob das noch dieses Jahr etwas wird oder doch erst im nächsten Frühjahr. Hängt in erster Linie von der Bearbeitungszeit bei den diversen Ämtern ab und in zweiter Linie natürlich vom Wetter.

  10. […] müssen wir dann für die Zuleitungen nicht so endlos lang verrohren. Und das Bodengutachten wäre an der richtigen Stelle. (Wir suchen gerade positive […]

  11. […] müssen wir dann für die Zuleitungen nicht so endlos lang verrohren. Und das Bodengutachten wäre an der richtigen Stelle. (Wir suchen gerade positive […]

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