Hühner

Das Hühner-Praktikum

In meiner Ankündigung, dass wir demnächst Hühner halten werden, erwähnte ich ja mein „Hühnerpraktikum“ letzten Sommer. Einige Monate lang versorgte ich die aus 9 Hennen und einem Hahn bestehende Hühnerschar von Nachbarn. 🐓

Was habe ich beim Hühnersitten so erlebt?

Mr. Hahn

Vor dem Hahn hatte ich nach allem, was ich über streitlustige Exemplare gelesen hatte, anfangs gehörigen Respekt. Es soll ja Hühnerhalter geben, die sich nur bewaffnet mit einem Besenstiel ins Gehege trauen, um sich den Hahn vom Leib zu halten.

Ich bin kein Hühnerpsychologe, aber bei allem, was ich über den Umgang mit anderen Tieren weiß, kam mir das schon immer sehr strange vor… nun ja.

Hühner

Dieser Hahn hier erwies sich als ausgesprochen umgänglich. Morgens hörte ich sein Krähen meist schon, wenn ich auf dem Weg zum Stall war. Beim Rausgehen ließ er dann aber immer erst einigen der Damen den Vortritt.

Das ranghöchste Mitglied dieser Hühnerschar schien er mir nicht gerade zu sein… einige der Hennen waren deutlich flinker beim Futter und ließen sich dann auch nicht beim Picken beirren, wenn Monsieur schließlich etwas von den Leckerbissen abhaben wollte.

Türchen auf, Türchen zu

Morgens möchten die Hühner aus dem Stall gelassen werden und abends wieder hinein. Ein nachts fest verschlossener Stall ist wichtig, damit Fuchs & Co. nicht ihr Unwesen treiben können.

Das Aufmachen morgens ist simpel, beim abendlichen Reinlassen stellten der Beste und ich uns am ersten Abend etwas doof an. 😀
Es war Sommer und entsprechend lange hell. Als wir abends gegen acht Uhr zu den Hühner kamen, spazierten die meisten von ihnen noch entspannt vor dem Stall herum. Unser Plan war, sie mit ein bisschen Futter in den Stall zu locken. Pustekuchen, das interessierte sie nicht.

Plan B: die Huhnis einfach eins nach dem anderen auf den Arm nehmen und in den Stall setzen. Jaaah… ein paar ließen das brav mit sich machen. Andere fanden das Einfangen aber so doof, dass sie ihr Heil in der Flucht suchten und mit wackelnden Hinterteilen von dannen eilten, egal wie einschmeichelnd wir sie lockten. Währenddessen spazierten die bereits „ins Bett“ gebrachten Hühnchen wieder nach draußen. 😀

Ab Tag 2 machte ich es anders… ich wartete einfach etwas länger. Und tatsächlich – kaum begann die Dämmerung, gingen die Hühner von selbst in den Stall und parkten in Schlafposition ein. Schnell durchzählen, ob alle da sind, Tür schließen, fertig.

Das verschwundene Huhn

Eines Abends bekam ich einen riesigen Schreck, weil ich beim Durchzählen auf nur 9 statt 10 Tiere kam. Urgh! Zur Sicherheit zählte ich nochmal nach und klingelte dann einen Nachbarn vom Sofa: „OMG, ein Huhn ist weg!!! Eins von den weißen!“ Vor meinem geistigen Auge sah ich das Tierchen schon massakriert vom Fuchs oder auf der Straße überfahren irgendwo liegen-

Wir gingen nochmal zum Stall, öffneten die Tür, leuchteten hinein… ich zählte durch – sieben, acht, neun, … zehn?! – What?! In der Tat saßen da alle zehn Hühner brav aufgereiht und beäugten uns missbilligend ob dieser Ruhestörung.

Ich habe keine Ahnung, wo dieses Huhn vorher steckte – die Stalltür war ja zu.

Zu meiner Verteidigung muss ich allerdings sagen, dass es gar nicht so einfach ist, in einem dunklen Stall im mickrigen Schein einer Handytaschenlampe 10 Tierchen zu zählen, die sich teils hintereinander stapeln und auch bewegen. 😀

Hühner

Wie ist das mit dem Misten?

Wenn man es wie ich gewohnt ist, Pferdeställe zu misten, ist das Ausmisten eines Hühnerstalls wirklich ein Klacks. 😀

Ausgestattet mit einem Eimer, einer Katzenstreu-Schaufel und einem Handrechen lassen sich die Köttel und ausgefallene Federn gut aus der Einstreu aufsammeln.

Für das Misten des Bauwagens habe ich ungefähr 10 Minuten am Tag gebraucht. Dabei gelernt: Hühner kötteln wie die Weltmeister, wo immer sie sitzen können. Bretter über Kopfhöhe sind dementsprechend etwas unpraktisch zum Saubermachen („alles Gute kommt von oben…“). 😀

Hier im Bauwagen saßen die Hühner direkt auf dem Brett, das deswegen dick mit Einstreu bedeckt war. Was abends noch ein sauberes, weiches „Bett“ war, sah morgens ziemlich eklig aus, die Tierchen kötteln ja auch nachts und hockten dann darin.

In vielen Hühnerställen gibt es deswegen eine Sitzstange, darunter ein Drahtgitter und darunter wieder erst das Brett, das die Köttel auffängt. Durch das Gitter können die Huhnis nicht auf dem Brett sitzen und somit nicht in ihren eigenen Hinterlassenschaften. Das finde ich definitiv praktischer und will das bei mir im Stall auch so bauen.

Übrigens, wer sich das schon immer mal gefragt hat: Hühner haben einen „Ausgang“ für alles: Urin, Kot und Eier. Sie pinkeln nicht in dem Sinne, sondern die weiße Substanz am dunklen Kot ist ihr Urin.

Huhn

Ei, Ei, Ei… die Eier

Ein netter Nebeneffekt (okay, für manch einen sogar der Hauptgrund) der Hühnerhaltung: es gibt regelmäßig frische Eier.

Nicht jede Henne legt jeden Tag ein Ei, im Alter legen Hühner irgendwann auch gar nicht mehr. Bei den neun Hennen hier konnte ich ungefähr 5 Eier pro Tag einsammeln.

Huhn

Huhn on Tour

Tagsüber konnten die Huhnis auf einem weitläufigen Gelände herumstromern, inklusive regelmäßiger Exkursionen auf die angrenzende Schafsweide. Ein besonderes vorwitziges Exemplar soll sich gerüchtehalber sogar bei einem der Nachbarn in die Küche vorgewagt haben.

In den besten Momenten hat man ja oft leider keine Kamera bei der Hand – die Szenerie glaubt mir hier ohne Bilder vermutlich keiner: warmes Abendlicht, ich bin auf dem Weg Richtung Stall und lasse den Blick über die Schafsweide schweifen.
Dort liegt ein im Sturm vor ein paar Jahren umgestürzter Baum. Zwei Schafe grasen davor friedlich vor sich hin. Ein weißes Huhn hockt auf dem Baumstamm, daneben im Geäst unterhalten sich zwei Amseln… und dazu turnt ein Eichhörnchen ganz relaxt auf dem Stamm herum. Alter Schwede, was für eine kitschige Idylle wir hier auf dem Dorf haben. 😀


Hühner sind einfach cool und seit diesem Hühnersitten freue ich mich erst recht wie Bolle auf unsere eigene kleine Hühnerschar. 🙂

4 Kommentare

  1. Lony sagt:

    Liebe Anne, ich sitze gerade beim Physiotherapeuthen im Wartezimmer und warte auf meinen Besten, der wird gerade geknetet 😉
    Habe mit Vergnügen Deinen Bericht über das Hühnersitting gelesen, einfach herrlich ❤️ Freu mich schon auf deine Berichte, wenn das Federvieh bei Dir einzieht…👍👍👍
    Herzliche Grüße sendet
    Lony x

  2. Fussel sagt:

    Klingt wirklich gut, der Hühnersitterbericht! Bin schon gespannt, wie das dann mit den eigenen Huhnis wird.
    Und 5 Eier pro Tag sind ganz schön gewaltig, das können zwei Leute ja gar nicht wegfuttern in einer Woche. Jedenfalls nicht, wenn man nicht gerade Ostereier färbt und massenweise Kuchen bäckt, bzw. sich jeden Tag 2-3 Eier in Form von Rührei reinhaut…

    • Anne sagt:

      Och, hier im Dorf hat sich eine gewisse ganzjährige Nachfrage an Eierlikör etabliert, die Eier kriegen wir schon weg. 😀
      Die Nachbarn, meine Mom und so weiter werden wir auf jeden Fall mit versorgen.

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